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geschrieben 2019 von P.s..
Veröffentlicht: 18.08.2019. Rubrik: Persönliches


Der erleichternde Tod

Jedes Mal, wenn das Telefon klingelt, spüre ich die Angst und höre, wie mein Herz schneller schlägt. Wie jedes Mal treffen meine Schwester, meine Mama und ich mich beim Telefon.
Wir schauen uns ängstlich an, bis schließlich einer mit zitternder Hand das Telefon abnimmt. Meine Schwester sagt nur wenige Male „Ja, dies war uns bewusst“, dann lässt sie das Telefon fallen und bricht in Tränen aus.

So sitzen wir alle weinend im Wohnzimmer, Arm in Arm. Wieso genau jetzt frage ich mich immer wieder. Jetzt, wo doch sonst schon alles schief läuft.
Ich habe gewusst, dass mein Vater krank ist, aber trotzdem bin ich traurig und vermisse ihn. Meine Mutter sagte ständig nur „wir haben es ja gewusst“.
Ich muss einen Schluck Wasser trinken, mir ist viel zu warm. Was ist nur los mit mir? Ich kann kaum laufen. Als ich schliesslich mit zitternden Beinen und unsicheren kleinen Schritten die Küche erreiche, sehe ich etwas, wovon ich schon fast lachen muss.
Wenige Meter vor dem Küchenfenster sitzt ein Weissrückenspecht. Mein Vater hat immer von ihm erzählt, jedoch hat ihn, ausser ihm, nie jemand gesehen.
Ich fühle, wie mir warm ums Herz wird. Irgendwie bin ich traurig, aber fühle mich auch frei. Es ist, als würde eine Last von mir fallen. Er hat jetzt schon über ein Jahr gelitten.
Wird das Leben jetzt normal weitergehen? Mein Vater hatte es mir doch versprochen, dass man sich an alles gewöhnen kann. Ich weiss nicht, ob ich mich gerade leer fühle oder ob ich jetzt frei bin…

Wird sich jetzt alles ändern? Werde ich in ein Loch fallen und nie mehr rausfinden?
All diese Dinge, die mich nachts wach halten und von denen ich ständig träume.
Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass dieser Anruf noch nicht kam und dass mein Vater noch bei uns ist, auch wenn er ständig müde und erschöpft ist und von der Krankheit gequält wird.

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