Veröffentlicht: 21.03.2026. Rubrik: Menschliches
Weltglückstag, mein Glückstag
Dass am 20. März der Weltglückstag ist, wusste ich bisher nicht. Auf meinem Kalender sind solche Tage nicht vermerkt. Mich interessieren eigentlich nur die Feiertage.
Gestern, am Weltglückstag, hatte der Lidl-Markt in unserem Ort ein Sonderangebot für Kaffee: Dallmayr prodomo.
Dallmayr prodomo ist meine Lieblingssorte. Wenn diese Sorte beworben wird, kaufe ich immer mehrere Päckchen.
Als ich gegen 10:00 Uhr im Markt eintraf, war das Regal für Kaffee leer. Ich runzelte die Stirn und suchte den Marktleiter. Der schüttelte den Kopf.
„Wenn das Regal leer ist, dann ist der Kaffee alle.“
Um nicht umsonst im Markt gewesen zu sein, kaufte ich vier Pakete Mineralwasser.
Bevor ich die Pakete in den Wagen stellte, nahm ich den Einkaufsbeutel mit meinem Smartphone heraus und legte ihn auf die danebenstehende Palette. Danach ging ich zur Kasse und bezahlte.
Auf dem Nachhauseweg fiel mir ein, dass der Norma-Markt Utensilien für den Garten anbietet. Ich wollte die Zeit nutzen und schauen, was ich für den Garten benötigen könnte. Bevor ich aus dem Auto ausstieg, suchte ich meinen Beutel.
„Verdammt“, schoss es mir durch den Kopf, „der liegt noch im Lidl-Markt.“
Ich fuhr zurück und ging sofort an die Kasse. Die Kassiererin schüttelte den Kopf.
„Hier ist kein Einkaufsbeutel abgegeben worden“, sagte sie.
Ich wurde unsicher und tastete mich selbst ab. Portemonnaie und Haustürschlüssel waren vorhanden, nur das Smartphone fehlte. Der Einkaufsbeutel selbst wäre kein großer Verlust gewesen. Das Smartphone ist fünf Jahre alt. Für das kommende Jahr habe ich ohnehin vor, mir ein neues Modell zu kaufen. Der Verlust wäre also zu verschmerzen. Trotzdem könnte das Gerät missbräuchlich genutzt werden.
Zu Hause überlegten meine Frau und ich, was wir tun könnten, um möglichem Missbrauch vorzubeugen. Zum Glück nutze ich keine Bezahldienste über das Smartphone. Lediglich eine E-Mail-Adresse ist damit abrufbar.
Ich setzte mich an meinen Laptop und öffnete meine E-Mail-Postfächer. Von meinem E-Mail-Anbieter war eine Mitteilung eingegangen:
„Guten Tag, der Schutz Ihrer persönlichen Daten hat für uns höchste Priorität. Daher möchten wir sicherstellen, dass unsere Nachrichten an Ihre korrekte E-Mail-Adresse versendet werden. Bitte bestätigen Sie uns am besten noch heute Ihre E-Mail-Adresse, damit wir Ihnen wichtige und sensible Vertragskommunikationen zusenden dürfen.“
Ich wurde unsicher.
Nach dem Mittagessen sagte ich zu meiner Frau:
„Bevor ich meine Handynummer sperren lasse, fahre ich noch einmal zum Lidl-Markt.“
Im Markt fragte ich den Marktleiter nach einem Beutel mit einem Smartphone.
„Ja, eine Frau hat ihn abgegeben.“
Er ging in sein Büro und holte meinen Beutel mit dem Smartphone.
Ich bedankte mich. Er sah wohl meine Erleichterung und fragte:
„Sind Sie nicht der Herr, der mich heute früh nach Kaffee gefragt hatte?“
„Ja, der bin ich.“
„Kaffee steht wieder im Regal. Er ist vorhin eingetroffen.“
Völlig überrascht fragte ich:
„Muss ich mir einen Einkaufswagen holen oder darf ich den Kaffee gleich in den Beutel stecken?“
„Sie dürfen den Beutel nutzen“, sagte er lächelnd, „aber lassen Sie ihn dieses Mal nicht liegen.“
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