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5xhab ich gern gelesen
geschrieben von Hessehex.
Veröffentlicht: 14.04.2026. Rubrik: Unsortiert


Besuch bei den Zombies

Ich trat auf den Balkon. Die Sonne schien, die Vögel sangen und erstes Grün zierte die Natur.
Gut, dachte ich – ich werde es wagen. Die Vorräte im Kühlschrank mußten ergänzt werden. Ich habe nämlich eine unangenehme Eigenschaft: Ich bin so ans Essen gewöhnt! Also raus aus der geschützten Höhle!

Ich trat hinaus auf die Straße, und da waren sie alle wieder: Die Zombies an ihrer digitalen Nabelschnur. Mehr oder weniger aufwendig und kostenintensiv restauriert und eher mehr als weniger tätowiert. Aber eines hatten sie alle gemeinsam: Fremdbestimmt und ferngesteuert, den starren Blick auf des digitalen Meisters Anweisungen gerichtet, welche aus kleinen rechteckigen Kästchen kamen, an denen sie sich krampfhaft festhielten, bewegten sie sich ruckhaft und undefiniert vorwärts. Unvermittelt stehenbleibend, so daß man aufpassen mußte, nicht aufzulaufen oder gar schlimmer, etwa umgerannt zu werden. Dem konnte man nur durch ein kurzes, laut gerufenes „Stop“ entgehen. Dann schauten sie irren und abwesenden Blickes kurz auf, ohne wirklich etwas wahrzunehmen. Manche hatten Knöpfe im Ohr, und alle sprachen sie sehr laut, – viele in Sprachen, welche ich nicht verstand.
So kämpfte und schlängelte ich mich unbemerkt bis zu meinem Zielort vor, erreichte auch unbehelligt den Supermarkt. Dort schlichen Menschen zwischen den Regalen umher. Auch sie hatten diese Kästchen in der Hand, welches ihnen auftrug, zu kaufen was der digitale Meister anordnete. Gesprochen wurde unter den Anwesenden nicht miteinander und die Kassiererin an einer der wenigen noch geöffneten altmodischen Kassen freute sich über mein Lächeln und ein nettes Wort, wünschte mir überschwänglich einen schönen Tag.
Es galt noch mit der vollen Tasche den Rückweg zu bewältigen – mit dem Bus, was noch einmal aus den vorgenannten Gründen eine große Anstrengung erforderte, war ich doch den Zombies jetzt in Körpernähe ausgeliefert. In kürzester Zeit war ich ungewollt über viele private und intime Dinge bestens unterrichtet, sie wurden schamlos coram publico ausgesprochen und vorgetragen.
Wieder zuhause trat ich auf den Balkon. Die Sonne schien, die Vögel sangen……….

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Rautus Norvegicus am 14.04.2026:

Liebe Hessehex,

sehr gern gelesen und die moderne Welt darin erkannt. Eine Welt, die mir zunehmend Unbehagen einflößt. Vielleicht werde ich auch nur langsam alt... hm, das bereitet mir ebenfalls Unbehagen😊

Liebe Grüße
🐀
Ratte Rautus




geschrieben von Hessehex am 14.04.2026:

Lieber Rautus, Danke für Deine ermunternden Worte - ich bin also nicht alleine in Zeiten, wo man nicht aufs Klo geht wenn man muß sondern wenn die Kack-App klingelt - wie schön! LG Anne




geschrieben von lüdel am 14.04.2026:

Hessehex, ja schon erschreckend.
Wenn man an den Cafés vorbeigeht, keine wirkliche Unterhaltung – jeder starrt ins Handy. Ich wundere mich auch immer, wie die Handy-Zombies beim Gehen hineinglotzen.
Und das mit dem Bus „Bingo“ – ich finde das unmöglich, als wären sie in ihrem eigenen Wohnzimmer, kein Schamgefühl … der ganze Bus weiß Bescheid.
Sehr wahrhaft geschrieben, ❤ Lüdel




geschrieben von Hessehex am 14.04.2026:

Danke liebe Lüdel für Dein Verständnis - das macht es etwas leichter zu den Relikten aus der Steinzeit zu gehören! LG Anne

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