Veröffentlicht: 21.04.2026. Rubrik: Unsortiert
Geburtstag mit Gebirge
An meinem Geburtstag hatte ich frei und lud meinen Freund Jürgen zum Essen ein. Viel zu mir nehmen konnte ich nicht, aber JK schlug kräftig ein, aß Hasenkeule mit Rotkraut und Klößen, danach gelüstete es ihn noch nach einem Nachtisch. Während ich mit einem Eisbecher vorliebnahm, bestellte er sich Salzburger Nockerln.
Als wir auf das Dessert warteten und uns dabei unterhielten, hörte ich hinter meinem Rücken Räder heranrollen, sah Jürgens Augen immer größer werden, sein Mund verstummte entsetzt – und dann wurde ein Servierwagen an unseren Tisch geschoben.
In einer Ecke dieses Wagens stand klein und verschämt mein Eisbecherlein. Die ganze restliche Fläche nahm eine runde Gratinschüssel ein, aus welchem sich ein herrlich duftendes braunes Gebirge erhob. Damit nicht genug: Diverse silberne Behälter enthielten Zutaten wie Orangensoße, Puderzucker, Konfitüre und dergleichen Hüftverstärker mehr. All die Zutaten nahmen auf unserem Tisch den gesamten Platz ein, so dass die Schüssel mit dem Gebirge auf dem Serviertisch daneben stehen bleiben musste. Und dann legte der Ober dem Jürgen vor! Und jedes Mal, wenn der Vorrat auf seinem Teller zur Neige ging, erschien wie aus dem Nichts der aufmerksame Zerberus und legte nach.
Gespannt verfolgte ich den Fortgang, nicht ohne entsprechende Bemerkungen. Wohl aus diesem Grunde wollte JK nicht klein beigeben, schaufelte das ganze Gebirge samt allem Zubehör in sich hinein, trug es Stück für Stück (sozusagen im Tagebau) ab – weiß der Himmel, wo er es hinsteckte. Mir kam es vor, als würde sein Kopf immer dicker und die Augen kämen hervorgequollen.
Bevor er sich endlich daranmachte, auch die letzte Portion tapfer in sich hineinzustopfen, sagte er doch tatsächlich mümmelnd zu dem Ober: „Habm Schü noch ein büschschen vom düscher köschtlischen Orangschenschosche?“ Ich dachte, gleich fällt einer von uns beiden tot um! Anschließend musste ich allerdings zwei Stunden mit ihm spazieren gehen.
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