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7xhab ich gern gelesen
geschrieben 2022 von Christelle (Christelle).
Veröffentlicht: 15.04.2022. Rubrik: Fantastisches


Kapitel 1: Fortsetzungsgeschichte, Ende offen

Alexandra

Ich glaubte, fest geschlafen zu haben. Doch jetzt war ich hellwach und versuchte mich zu orientieren. Meine Umgebung war stockdunkel. Es herrschte eine so feuchte Atmosphäre, dass mein nackter, nur mit ein paar Flusen bedeckter Körper klatschnass war. Aber es war gemütlich warm in dieser Höhle, die außerdem ganz leicht hin und her schaukelte. Ich genoss das sehr, so beschloss ich, noch eine Zeitlang in diesem dunklen Behälter zu verbringen. Ich würde den Ausgang schon finden, schließlich war ich hier ja auch reingekommen.

“Na Berta, wann ist es denn soweit?“ hörte ich draußen eine wenig melodische Stimme fragen und eine andere - offenbar die von Berta - antwortete: “Bald. Sie bewegen sich schon!“ Jetzt war meine Neugier geweckt. Ich wollte wissen, wer da sprach und wer sich schon bewegte.

Also tastete ich die etwas ovalförmigen Wände meiner kleinen Behausung nach einer Ausgangstür ab, fand aber keine. Man hatte einen Vorhang vor die Wände gespannt, der offenbar die Funktion eines Schutzhäutchens hatte. Voller Panik pickte ich mit meinem Schnabel gegen diesen Vorhang, bis er zerriss. Die Wände selbst waren nicht so stabil wie ich dachte, denn schnell hatte ich ein Loch geschlagen, als ich wütend dagegen pickte. Ich zwängte mich durch das Loch nach draußen und war zunächst einmal geblendet von der Helligkeit, die mich außerhalb meiner Höhle empfing, so dass ich die Augen schließen musste.

Ich hörte Berta laut gackernd rufen: „Das erste Küken ist geschlüpft!“

War ich damit gemeint? Vorsichtig versuchte ich, die Augen zu öffnen, was mir im Schatten von Bertas Gefieder auch gelang. Erstaunt nahm ich wahr, dass ich aus einem Ei geschlüpft war. Berta hatte insgesamt auf zwölf Eiern gehockt. Ich konnte nun beobachten, wie die Schalen auch dieser Eier von innen aufgebrochen wurden und nach und nach weitere Küken herausschlüpften, die zunächst ebenso von der Sonne geblendet waren wie ich.

Ich schaute neugierig zu Berta hoch. Sie war groß und dick und trug ein goldbraunes dichtes Federkleid, welches sie enorm aufplusterte und sie noch beeindruckender erscheinen ließ.

„Bist du meine Mama?“ fragte ich schüchtern. „Nein“, antwortete die dicke Berta freundlich. Ich bin hier als Bruthenne angestellt. Wilhelm hat euch als Bruteier gekauft, so dass keine der Hennen auf diesem Hof eure leibliche Mutter ist.“

„Und wer ist Wilhelm?“ fragte ich.

„Das ist der Mann, dem dieser Hof gehört. Er liebt uns Hühner über alles. Sie sind sein Hobby, er will mit uns kein Geld verdienen. Zum Glück, kann ich nur sagen. Denn in einer professionellen Legebatterie hätten wir es lange nicht so gut wie hier.“

„Warum nicht?“ fragte ich.

„Wir hätten weniger Platz zur Verfügung, so gut wie keinen Auslauf, müssten mehr Eier legen. Und wenn sich herausstellt, dass du ein männliches Tier bist, würden sie dich töten. Ihr Küken seid etwa zur Hälfte männlich und weiblich, aber so viele erwachsene Hähne werden nicht gebraucht. Außerdem ist die Aufzucht von männlichen Tieren sehr kostenintensiv, weil sie enorm viel fressen und das Futter sehr teuer ist,“ erklärte Berta geduldig, „dabei taugen sie weder zum Eierlegen noch setzen sie besonders viel Fleisch an.“

Ich war schockiert und konnte kaum glauben, was Berta erzählte. Berta beruhigte mich: „Du brauchst keine Angst zu haben, hier ist ja alles viel besser. Außerdem sagt mir meine Erfahrung, dass du ein Mädchen bist. Die sind etwas zierlicher als die Jungen und haben anfangs einen dunkleren Flaum am Kopf.“

Die anderen Küken hatten sich - geschützt durch Bertas Gefieder - inzwischen an das helle Tageslicht gewöhnt und waren Bertas Erklärungen aufmerksam gefolgt. Nun piepsten sie alle durcheinander und wollten wissen, ob sie Mädchen oder Junge seien.

Berta blieb ruhig. „Wartet noch drei Tage, dann kann ich das mit Bestimmtheit sagen. Denn die Mädchen kriegen eher ein dichteres Federkleid. Es wächst einfach schneller als das der Jungen.“

Am dritten Tag war es soweit. Berta konnte die weiblichen von den männlichen Küken einwandfrei unterscheiden. Wir waren neun Mädchen und drei Jungen. Berta schüttelte traurig den Kopf. „Wahrscheinlich hat der Züchter die Bruteier vorher untersucht und einen Teil der männlichen aussortiert,“ vermutete sie, „anstatt es dem natürlichem Zufall zu überlassen.“

Endlich lernte ich Wilhelm kennen. Wahrscheinlich hat er vorher schon nach uns geschaut, aber das hatte ich leider verpennt. Er kam mit seinen kleinen Töchtern, weil wir „getauft“ werden sollten, d.h. wir sollten Namen erhalten, die die beiden Kinder aussuchen durften. Ich konnte mir nicht alle Namen meiner Geschwister auf Anhieb merken, ich selbst wurde Alexandra genannt. Da ich als Erste geschlüpft war, sollte mein Name mit A beginnen, entschieden Wilhelm und seine Töchter.

Es folgt Kapitel 2: Die ersten Wochen in Wilhelms Hühnerhof vom 19.04.2022

7xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Christine Todsen am 15.04.2022:
Kommentar gern gelesen.
Tolle Idee, bin gespannt auf die Fortsetzung!




geschrieben von Ben Warrik am 15.04.2022:
Kommentar gern gelesen.
Dito. Als wenn man bei der Geburt der süßen Küken vor Ort wäre. Sehr angenehm zu lesen.




geschrieben von Andreas Mühlkamp am 15.04.2022:
Kommentar gern gelesen.
Tolle Geschichte, ich warte schon auf die Fortsetzung(en). 🐔




geschrieben von Horst Radmacher am 16.04.2022:
Kommentar gern gelesen.
Nette Geschichte. Mal etwas anderes, den Titel als Cliffhanger zu benutzen.




geschrieben von Gari Helwer am 16.04.2022:
Kommentar gern gelesen.
Ist Berta eine Verwandte von Graufeder? Bin auch schon gespannt, wie es weiter geht! :-)




geschrieben von Christelle am 19.04.2022:

Herzlichen Dank. Ich freue mich sehr, dass euch der erste Teil gefallen hat. Ich habe jetzt die Rubrik von „Total Verrücktes“ in „Fantastisches“ geändert, weil ich dann meiner Fantasie freien Lauf lassen kann. Hühner sind nämlich nicht unbedingt so, wie ich sie beschreibe.




geschrieben von Christelle am 19.04.2022:

Hühner sind ein unerschöpfliches Thema. Wie lange es noch trägt, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich mache ich irgendwann nicht mehr weiter - auch ohne ein richtiges Ende.




geschrieben von Christelle am 19.04.2022:

@ Gari Helwer: Vielleicht hat mich Graufeder dazu animiert, auch eine Hühnergeschichte zu schreiben (ohne dass es mir bewusst war).




geschrieben von Gari Helwer am 19.04.2022:
Kommentar gern gelesen.
Hallo Christelle! Ich glaube, Du schreibst auch ganz tolle Sachen ohne meine Anregung...aber es freut mich, dass Dir meine Graufeder gefalllen hat! Liebe Grüße!

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