Veröffentlicht: 01.10.2026. Rubrik: Lustiges
Alltagslogik
Als ich heute Morgen aufgestanden bin, wollte ich eigentlich nur einen ganz normalen Tag starten, der nicht zwingend aufregender sein sollte als der davor. Das bedeutet: Leider aufstehen, sobald der Wecker klingelt, ab ins Badezimmer, Zähne putzen, duschen, versuchen, die Haarpracht zu bändigen, Kaffee trinken und dann im völlig überfüllten Bus zur Arbeit fahren.

Dass Wünsche nicht immer in Erfüllung gehen, zeigte sich bereits direkt nach dem Aufstehen.
Meine Feinmotorik machte mir einen Strich durch die Rechnung, als ich nach dem Trinken im Stockdunkeln die Arbeitsplatte verfehlte und mir die Wasserflasche mit einem tösenden Knall auf den Boden fiel.
Es ist nicht so, dass mir der Strom abgestellt wurde, aber Flutlicht am frühen Morgen ist mal so überhaupt nichts für mich.
Und genau deshalb steckte ich jetzt in einem Dilemma: Stell Dir vor, Du stehst inmitten von kleinen, fiesen Glassplittern, bist noch lange nicht richtig wach und weißt genau, dass in unmittelbarer Nähe die zehn Eier stehen, die Du gestern gekauft hast. Sehen kannst Du allerdings nichts.
Sagte ich schon, dass ich niemals Hausschuhe trage, zumindest nicht am Morgen?
Eine ziemlich kluge Frage stellte sich mir: Wie komme ich hier wieder raus, ohne dass ich die nächsten drei Wochen an Krücken laufe, weil beide Füße mit zehn Metern Mullverband verpackt sind?
Mir fiel mein Handy ein, das allerdings drei Meter entfernt auf dem Esstisch lag.
Wen sollte ich auch anrufen?
Gedanken, die einem auch nur kommen können, wenn man frühmorgens und noch im Halbschlaf inmitten von Glasscherben steht.
Dann fiel mir auf, dass die Scherben nicht mein einziges Problem waren. Der Rest des Wassers aus der Flasche hatte sich natürlich auch auf dem Boden breitgemacht. Ein todsicheres Rezept dafür, abzugehen wie ein Zäpfchen, sobald man auch nur einen Schritt wagt.
Spätestens jetzt brauchte ich eine Idee, die wirklich zielführend war. Das Wasser hätte ich mir mal lieber auf den Kopf kippen sollen. Dann wäre ich etwas wacher gewesen, wenn auch nicht zwingend in der Lage, vernünftige Gedanken zu verfassen.
Ich ging meine Optionen durch: Nur das Geschirrtuch löste mein Problem nicht. Okay, die Füße wären vielleicht wieder etwas trockener, aber auch trockene Füße, in denen Scherben stecken, tun ziemlich weh.
Ich überlegte, ob die kleinen Splitter mehr wehtun könnten als diese kleinen bösen Muscheln im Watt, wenn man barfuß darüber latscht. Warum mir dieser Gedanke kam? Ich will in zehn Tagen an die Nordsee fahren und eine Wattwanderung gehört auf jeden Fall dazu. Dürfte aber mit zehn Metern Mullverband schwierig werden.
Aber jetzt war ich hellwach: Die Situationen gleichen sich doch. Meine Füße stehen im Wasser, wenn auch nicht im schönen weichen Watt, und die Glassplitter könnten Muscheln sein.
Herrlich.
Hilft mir nur nicht weiter.
Mein nächster Gedanke wäre der beste gewesen, wenn sich nicht zwischenzeitlich meine Blase gemeldet hätte: Ich könnte einfach warten, bis es hell genug ist, um etwas zu sehen.
Dummerweise verhindern meine Verdunklungsrollos genau dieses Vorhaben. Und die kleine Uhr am Backofen spendet nicht nur herzlich wenig Licht, sie erinnert mich auch noch daran, dass ich hier schon geschlagene 25 Minuten stehe, nasse Füße habe, auf die Toilette muss und eigentlich nur etwas trinken wollte, bevor ich duschen gehe.
Okay. Streng Dich an.
Ich fahre gern Ski, dachte ich. Warum benutzt Du also Deine Frühstücksbrettchen nicht als Ski?
Ja, könnte man machen, wenn man im Dunkeln sehen würde, wo genau die stehen. Ich weiß es zwar ungefähr, aber genau um die Ecke stehen die Eier …
Was für eine Sauerei das geben würde. Nicht auszudenken, wie die Schlitterpartie dann aussehen würde.
Skifahren ohne Frühstücksbrett und auf Eischnee fährt es sich ohnehin nicht so gut.
Ich sah mich hier schon stundenlang stehen. Immer noch barfuß, immer noch von Wasser umgeben und mitten in einem Haufen Glasscherben, die ich ja auch noch wegräumen musste.
Und dann hatte ich es!
Mein Mülleimer!
Der stand doch ganz in der Nähe meiner Füße. Mit den Händen erreichbar. Und das Gute war: Der Deckel war so stabil, dass er mein Gewicht halten sollte, wenn ich da raufsteige und galant aus dem Gefahrenbereich springe.
Mein Arzt sagt, so schlimm ist es gar nicht.
Die Hummerschere war nicht so scharf, dass sie mir den ganzen Fuß aufgerissen hat.
Was passiert ist?
Na, der Deckel hat NICHT gehalten.
Steht ja auch nirgends geschrieben, dass ein Mülleimer wohl 53 Kilo Fassungsvermögen hat, so ein Mülleimerdeckel jedoch 53 Kilo nicht unbedingt aushält.
Hat er ja auch nicht.
Nachdem ich den Mülleimer, es war der Biomüll, so platziert hatte, dass ich draufsteigen konnte, gab der Deckel bei meiner kompletten Gewichtsverlagerung nach, zerbrach und mein Fuß landete auf der Hummerschere vom Vorabend.
Murphys Gesetz: Die Spitze zeigte nach oben.
Jetzt sitze ich hier mit zehn Metern Mullverband um den Fuß, tatsächlich nur um den einen, auf der Couch, schaue mir meine Lieblingsfilme an und habe mir nebenbei eine Plastikflasche im Internet bestellt, in die zukünftig das Wasser abgefüllt wird.
Wen ich wegen des Deckels noch verklagen werde, überlege ich nebenbei natürlich auch noch!




