Veröffentlicht: 18.04.2026. Rubrik: Unsortiert
Dohlengesang
kennt ihr noch die Zeit, in der man Dohlen trainierte? Das ist schon sehr sehr lange her, aber was soll's? Dohlen sind sehr gelehrige Vögel, und es soll Menschen geben, die sie hübsch finden. Obwohl dieses schwarze Nonnenkleid in glatten, glänzenden Federn mit stahlgrauem Kopf durchaus etwas Schönes hatte. unsere Geschichte erzählt von zwei dieser attraktiven und gelehrigen Vögeln. die trafen sich mal wieder auf der alten Eiche, weißt du die da bei Johann anne Ecke. joa, genau da. OK, was machen Dohlen, die sich etwas länger nicht gesehen haben? Richtig, wie jedes intelligente Wesen ratschen sie, lästern über andere, halten Klönschnack usw. Man muss ja schließlich die Nachbarn kennen. Und so ging die Mär vom tapferen Zauberer gegen den Rest der Welt uns Netz. und. Viral
Was für ein Zauberer? Eben genau der, der Horst und Jimmy das Leben schwer macht. Horst und Jimmy sind Beste Freunde, wie es heute heißt, wenn junge Männer eine enge, aber asexuelle Beziehung haben. Hatte ich einen Besten Freund? ja, ich bin mir sicher, Christoph, ich denke, wir waren Beste Freunde.
Aber ich sollte wohl besser zum Kern kommen. Wenn das so einfach wäre.
Als Dohle gesagt, wäre mein Herrchen besser beraten gewesen, nicht nach Diepholz zugehen? Wir kamen aus ner Großstadt im Norden, hatten so ziemlich alles, was man so braucht, Wohnung, Auto, Job, Frau/Freundin und Hund, damals ein West Highland White Terrier, ein Geschenk an Daria, seiner Freundin. Der mit seinen riesigen schwarzen Knopfaugen zwischen diesem schneeweißen Kuschelfell – der war schon sausüß. Und soweit auch recht friedfertig. Als er noch nicht kastriert war, dachte man, wenn er bellte, da käme ein wirklich großer Hund – und dann kam dieser lüdde Keks um die Ecke, da lachte man schon mal.
Aber ich weiß gar nicht, was die Menschen an so nem Vieh finden: Einfach nur zuckersüß, bellt, macht Schiet, wenn er krank ist. Und er ist häufiger krank, übergeben ist normal – oder Flüssiges von unterm Schwanz.
Also mein Mensch hat sich ne Menge Arbeit ans Bein gebunden – aber es scheint ihm zu gefallen. OK, wenns denn sein muss …
Aber in diesem Ein-Pferde-Dorf gelandet zu sein, das war schon hart. Und Dohlen gab es schon lange nicht dort. Echt stellt euch vor: Keine Dohlen? Mein Herrchen hatte sich eine Wohnung geben lassen, die auch nicht sooo doll das Gelbe vom Ei war – aber frisch renoviert. Im zweiten Stock. Herrchen war damals noch gut durchtrainiert, so machte ihm das höchstens noch Spaß. Die Möbel hatte er ja schließlich auch fast allein hochgeschleppt.
Aber dann fand ich doch noch einen kleinen Schwarm Artgenossen – Dohlen, Krähenartige, intelligent, fähig, Werkzeuge zu entdecken und zu nutzen. Frech sagt mein Mensch immer. Ich mache, was ich will, angepasst an ihn. Das machen wir Schwarmtiere so – wir ziehen unseren Nutzen aus unseren Beziehungen, wie Obdach, Futter, Arzt. Angepasst sind wir noch nicht – wenn also einer meint, uns gibt es also noch, dann sollte er oder sie sich sicher sein, bevor sie etwas behaupten, das ihnen später auf die Füße fällt.





