Veröffentlicht: 12.10.2026. Rubrik: Menschliches
Du bist ein Arsch
So Worte an mich gerichtet kannte ich noch. Beruflich musste ich genau hinsehen und am Ende meine Unterschrift daruntersetzen oder verweigern, dann begründen. Ich sehe also auch heute noch Dinge oder Einzelheiten die andere übersehen. Glauben kann gut sein, aber Kontrolle ist besser. Ohne Kontrolle läuft vieles aus dem Ruder, hat Folgen.
Wir leben in einer Zeit, wo Lügen hör- und lesbar überall schon normal ist, so scheint es. Perfektionisten unterschlagen einfach entscheidende Punkte, die zum Ganzen gehören. Wer dann am Ende gezielt nachfragt, ist ein Rebell gegen die gläubige Masse. Politische Lügen sind eher reine Berechnung zum eigenen Vorteil.
Da hatte ich den Nachbarn einige Häuser weiter wohnend in der Küche sitzen und ihm zugehört. Meine Frau stand daneben, sah mich an, schüttelte den Kopf blickend zu mir hin. Wir waren mal wieder einer Meinung.
Dem Herrn Ingenieur, ehemals Kleinunternehmer mit einer Firma die Insolvent ging passten einige neue Nachbarn nicht und deren Tun selbst am Sonntag und einem Feiertag. Es kam einiges aufgelistetes dazu und als er mir den Beitrittsantrag zur Unterschrift hinschob für seine Aktionsgruppe nahm ich den gereichten Kugelschreiber nicht an.
Viel reden jetzt noch musste nicht sein. Meine Frau verließ den Raum, schloss etwas lauter als sonst die Küchentüre.
Leben und leben lassen, glauben und dran glauben lassen. Sollte ich jetzt zu ihm sagen was mir an ihm nicht passt? Oft reicht ein Satz, um dem anderen die Luft zu reduzieren.
„Was war vor 35 Jahren, als du hier das große Grundstück mit dem verwilderten Grundstück gekauft hast, dir zwei Schwarzarbeiter aus Litauen geholfen haben und einige der Nachbarn“. Ich stand auf, öffnete die Küchentüre.
Du bist ein Arsch kam als ich zur offenen Küchentüre zeigte. Er ging ohne noch weitere Worte. Genauer hinsehen hat auch mit sich erinnern zu tun im passenden Augenblick. Unterstützer für seine Bürgergemeinschaft gab es keine und sein Antrag bei der Stadt Parkverbot vor seinem Anwesen einzurichten wurde abgelehnt. Er ging dann nicht nur uns aus dem Weg wie man sagt, weil wir nicht mitmachten ein paar Monate, bis es wieder ruhiger wurde. Die Neuen waren fertig mit ihren Umbauarbeiten.
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