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geschrieben 2026 von Angricolan (Angricolan).
Veröffentlicht: 02.11.2026. Rubrik: Menschliches


Es glänzt zwar golden ist aber kein Gold.

Sie sieht jung aus ist aber nur auf jung geschminkt, es ist ihr vortrefflich gelungen. Sie lächelt, zwinkert ihm mit einem Auge zu sichtbar ohne Erfolg. Mehr Schein als sein ist ihr wichtig. Er lächelt nun zurück, sieht zu ihr hin, nickt.
Es sind die kleinen Zeichen einer ersten Begegnung. Von ihr gewollt, von ihm aus Neugier angenommen. Beidseitiges abtasten durch Blicke auf Details von ihr und ihm. Er steht auf, wendet sich ab und verlässt das Cafe`. Eine Endtäuschung mehr? Sie weiß es nicht, hofft und glaubt einmal wird es gelingen.
Der nächste Herr die gleiche Dame.
Charles Dumont beobachtete beide verdeckend sein halbes Gesicht mit einer Tageszeitung. Die Dame war ihm nicht fremd vom Sehen her am Donnerstag wo er immer den Nachmittag in diesem Cafe` verbrachte. Als ehemaliger Anwalt, nun im Ruhestand traf er hier auf Klienten, die nur einen Rat brauchten oder die er dann zu seinem Sohn in die Kanzlei schickte. An diesem Nachmittag kam niemand. Er faltete die Zeitung zusammen, sah dabei zu ihr hin. Sie bemerkte es, spürte ein kribbeln und konnte sich nicht zurückhalten. Mit den Worten darf ich mich zu ihnen setzten stand sie vor ihm.
Von ihm kam nur eine Handbewegung die ihr als Zustimmung vorkam. Sie setzte sich ihm gegenüber auf den freien Stuhl.
„Wir sehen uns oft, sprachen noch nie zusammen. Ich hoffe ich störe nicht gerade“.
„Nun sitzen sie schon. Stimmt, wir sind in einem Alter, er lächelte, wo wir dezenter leben und mit fremden Damen nicht mehr gleich flirten oder nach einem Date fragen“. Geschickt hatte er mit seinen Worten eine Distanz geschaffen. So nah sah er jetzt ihre Halsfalten und wohl dunklen Ringe unter ihren Augen. „Sie trinken doch bestimmt einen Cappuccini mit mir?“ Sie nickte. Er hob zwei Finger zu, der zu ihm hinsehenden Servicekraft die nickte und Richtung Theke ging. Nach seinem Blick auf die Armbanduhr schaute er sie an. „Darf ich nach ihrem Namen fragen?“
„Meine Name ist Eleonore Weilersbach und sie sind doch Charles Dumont der Anwalt, nennen sie mich Eleonore oder einfach Lore so wie alle meine Bekannten“.
„Mir ist lieber, wie gewohnt ein Sie mit dem Du habe ich Probleme“.
„Wie sie wollen, kann es verstehen“. Die Bestellung wurde gebracht, man wartete und trank dann vorsichtig. Amüsant empfand er es auf beiden Getränken ein Herz zu sehen, wohl ein kleiner Scherz vom Zubereiter an der Kaffeemaschine. Sehend auf sie und einige Damen an den anderen Tischen bis zur Eingangstüre hin schienen diese ihre Blicke auf ihn zu richten. Leiser sprechen oder besser gehen. Er überlegte, zwang sich zu bleiben. Innerlich lachte er über sich selbst. Du wirst alt Charles sagte er sich.
„Ich bin seit 5 Jahren Witwe, mein Mann hinterließ mir einiges, leider kein Bargeld, Grundbesitz und mit Hypotheken darauf. Es gehört bald der Bank“.
„Brauchen Sie einen Anwalt oder etwas anderes. Mein offenes Ohr kann ich ihnen nur heute kurz anbieten. In einer Stunde muss ich wieder in der Kanzlei sein, die mein Sohn übernommen hat. Soll ich bei ihm einen Termin für sie machen?“
„Nein danke, ich brauche noch keinen Anwalt, dachte wir könnten uns kennenlernen“.
„Ich kenne viele Menschen, lebe zwar allein aber meine Haushälterin sorgt für mich“.
„Wirklich? Ich könnte es auch“. Sie spürte seinen Blick, der sie jetzt irritierte.
Er grinste leicht, seine Haushälterin, allein dieses Wort schien sie zu verunsichern. Wollte sie mehr von ihm wissen oder näher ihm sein. Seit er im Cafe` an drei Tagen nachmittags immer 2 Stunden verbrachte, so auf seinen Mittagsschlaf verzichtete gab es nicht nur Klienten, die zu ihm kamen. Sein Zeitungslesen hielt einige nicht ab mit ihm ins private Gespräch zu kommen. Im Hintergrund saß diese Frauenrunde von Witwen von denen zwei es schon versuchten bei ihm erfolglos. Papa hatte sein Sohn gesagt, du geräts noch an eine Heiratsschwindlerin, die dich ausnimmt. Beide hatten gelacht und seine Schwiegertochter gleich mit, obwohl ihre Mutter das Opfer eines Heiratsschwindler oder Spammer geworden war. Wer alt ist und heimlich sich verliebt in einen Fremden aus dem Internet kann Euros verlieren.
Er trank aus, griff zum Keks und schob ihn zu ihr hin. „Ein Geschenk möchte ich ihnen noch geben zum Abschied. Wir haben unser Leben gelebt, haben aber Hoffnung und Zuversicht es kann nur besser werden. Ich brauche dazu keine neue Frau in meinem Alter, ist halt so“. Er stand auf, schob den Stuhl näher an den Tisch. „Gnädige Frau Weilersbach danke für das Gespräch. Alles Gute und Erfolg bei der Suche nach einem neuen Partner“. Er nickte ihr zu, drehte sich um und legte einen 20 Euroschein mit den Worten stimmt so neben die Kasse. Mit Hinsehen und leichtem Kopfbeugen zu den Damen hin verließ er das Cafe`. Eine enttäuschte Frau sah ihm nach. Ihr war es den Versuch Wert gewesen. Suchend sah sie sich um bei den neuen Gästen, sah es waren nur Pärchen.

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Geschichte Nummer 11259

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Angricolan am 02.11.2026:

Es ist nicht leicht allein zu leben mit 75+ auch wenn... dieses wenn kann nun einen Rattenschwanz an Wenn-Argumenten nach sich ziehen.
Redebänke, ein Schild angeschraubt, man sollte es lesen, wenn man Ruhe haben möchte vor gesprochenen Worten. Es ist aber mehr als nur interessant dort sitzend, älteren Menschen zuzuhören. Da sitzend zu sagen ich bin kein Therapeut oder die Telefonseelsorge, wäre mehr als unhöflich, ja schon brutal. Man hört zu, vielleicht schweigend bis der andere fertig ist, aufsteht und geht. Meist sind diese Bänke leer, andere besetzt.

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