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geschrieben 2026 von Angricolan (Angricolan).
Veröffentlicht: 16.04.2026. Rubrik: Unsortiert


Fischauge - Teil1

Fischauge, eigentlich Fred Abel, war in eine Urne gewandert. Bärbel seine von ihm getrenntlebende Ehefrau teilte es ihm telefonisch mit und erwähnte gleich dabei du kommst doch zur Beerdigung so wie die anderen.
Nach 29 Jahren zurück in seinen ehemaligen Lebensort zu kommen, die Freunde wieder zu sehen bis auf Fred reizte ihn schon. Nach all den Jahren würde es anders dort aussehen war ihm klar und ob alle kommen, bezweifelte Gernot. Sie waren einst eine gefürchtete Clique gewesen im mehr Dorf als Kleinstadt.
Fischauge, Fred der Schwarzangler mit Bach hinter dem Elternhaus wusste, wo und wie man Fische fängt. Der Bach mündete in eine Fischzuchtanlage deren Teiche vor Fred nicht sicher waren trotz Umzäunung. Jetzt war er mit Hilfe seines selbstgebrannten Obstschnapses nach kurzem Krankenhausaufenthalt verstorben. Ohne Obstler ist dieser Staat nicht auszuhalten war einer seiner Lieblingssätze gewesen. Der ehemalige Nebenerwerbsbauer und Waldarbeiter blieb im Dorf. Bärbel flüchtete nach der Silberhochzeit, zog in die Großstadt und kam nur zu Weihnachten zurück zu ihm. Familientradition nannte sie es und wohnte dann bei ihrer Tante da Fred im Chaos lebte. Gernot und Bärbel verband nicht nur die Jugendzeit. Es war mehr, blieb aber folgenlos und geheim.
Weierbleck, das Ortsschild zeigte zwei Einschüsse. Früher fehlte es mindestens einmal im Jahr und wurde erneuert über Nacht von Fred eine Woche später. Freds Tante Lore, Anhängerin vom Adolf hatte im Dorf eine Strumpffabrik, beschäftigte dort einige Frauen schon in der NS-Zeit. Nach dem Krieg wollte sie wieder loslegen, hielt nur nicht lange und so wurde es ein Lebensmittelladen, der alles besorgen konnte. Alles bedeutete selbst Beate Use schickte dorthin Pakete, die dann diskret überreicht wurden. Fred vermietete es später an Anne die zum Freundeskreis gehörte. Da läuft Inzucht im Dorf wurde verbreitet von Neidern denen nur Mietwohnungen und keine Häuser gehörten. So richtig sauber im Kopf waren einige der Bewohner nicht.
Gernot kam zur Mittagszeit am Ortsschild vorbei, drosselte auf Tempo 50 ab und fuhr langsam sich umsehend mit seinem Toyota die Kurven abwärts ins Tal. Wo einst Wiesen waren am Hang standen Weihnachtsbäume in Reihen. Als erstes müsste er den Bauernhof von den Rübsams erreichen und die Kirche dahinter sehen. Noch eine 90 Grad Kurve und dann reihten sich die ersten Häuser um die Kirche mit der Friedhofsmauer.
Was einmal war gab es nicht mehr. Die Rübsams, eine kinderreiche Familie hatte umgestellt auf Massentierhaltung. Zwei große Hallen, zwei Silos und der Duft wehte ihm ins Auto.
Er fuhr an der Kirche vorbei, sah links die ehemalige Strumpffabrik nun als Gasthof mit Fremdenzimmern werben. Dahinter am Hang standen neue Häuser mit Blick ins Tal. Der Eulenweg, ein passender Name führte dorthin. Er parkte vor der Kirche unter einer alten Ulme, überlegte ob zuerst in die Kirche oder ins Gasthaus. Kirche geschlossen, er sah das kleine Schild und ging in den Gasthof mit Namen „Zur Eule“.
Inhaberin Karin Neumann stand über dem Aushang mit der Speise und Getränkeliste. Karin, die Welt ist klein, war also zurückgekehrt nach ihrem Auswandern nach Brasilien mit Olaf Schumacher.
Alle kommen einmal zurück. Gernots Oma, da schon dement, sagte immer den Satz und dachte das ihr Otto wieder käme obwohl im 2.WK in Afrika verschollen. Der alte Pastor hatte ihr diesen Floh ins Ohr gesetzt.
In der Gaststube saßen ein Paar und drei ältere Herren mit einem Bier vor sich. Alle drehten sich um zur Tür als Gernot den Raum betrat. Er grüßte freundlich, setzte sich an einen Tisch am Fenster und wartete. Die etwas füllige Frau, sollte es Karin sein die einst schlanke, kam zu ihm. „Guten Tag was darf ich ihnen bringen?“
„Hallo, sind sie Karin?“
„Ja“.
„Prima, ich bin Gernot und vielleicht fällt dir ein, wer ich bin und eine Apfelschorle fürs erste reicht“.
Sie schaute ihn an, ging zum Tresen und kam gleich zurück mit dem Getränk.
„Entschuldige, habe dich nicht erkannt. Du bist wegen Fred hier, möchtest ein Zimmer und wie ich mich erinnere am liebsten Sauerbraten mit Klößen?“
„Heute mal nicht, ich nehme dein Menü von heute aber ohne Suppe bitte. Ein Zimmer mit Frühstück für drei Tage und, er zögerte, Bärbel ist noch nicht da?“
„Doch, sie ist in Freds Behausung, schläft aber hier da Freds Hütte ein Saustall ist wie sie sagte. Warum hat sie von dir kein Wort erwähnt?“
„Später, deine drei Herren brauchen neues Bier. Ist sonst niemand gekommen?“
„Noch nicht, Bärbel hat Gunther angeschrieben, keine Antwort erhalten und die Rübsams kommen garantiert, gibt ja was umsonst nach der Beerdigung. Die sind auf Puten und Legehennen umgestiegen, voll automatisiert. Der Hofmeier hat seiner Tochter den Hof übergeben und die sucht einen Mann da ihrer aus Bamberg sich hat scheiden lassen. Er wollte nicht mehr. Kinder kamen keine und dann gab es nur noch Zoff bei beiden. Du kannst sie heiraten, sie mag dich immer noch. Nach all den Jahren erwähnt sie deinen Namen, wenn es um den idealen Mann geht“.
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Wiener Schnitzel, Pommes und Salat. Egal wo man heute hinkam gab es dieses Essen mit der Zitronenscheibe auf dem großen flachen Schnitzel. Auf ein Eis zum Nachtisch verzichtete er. Das Zimmer, auf der Türe stand eine drei, war modern eingerichtet. Nichts war mehr sichtbar von dem Lebensmittelladen. Die oberen Räume waren einst Wohnung und Büro gewesen. Gernot erinnerte sich. Dem Zimmer gegenüber war das große Bad mit Wanne, Toilette und Dusche. Er legte sich aufs Bett, streckte sich aus und schloss die Augen.

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