Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
Menu anzeigenMenu anzeigen
4xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Jo (Jo Hannes Coltitz).
Veröffentlicht: 26.02.2026. Rubrik: Total Verrücktes


Das Testament auf Schokoladenpapier (Fanfiktion)

Mein Name ist Tom Ericson.
Kurz ein paar Sätze zu meiner Person.
Ich bin Deutschamerikaner, von Beruf Archäologe für prähistorischen Technologien.
Meine Mutter Cathy Ericson arbeitete bis zu ihrer Pensionierung als Zivilangestellte bei der US-Militärpolizei in Wiesbaden.
Mein Vater war aus der Ex-DDR geflohen.
Nach seiner Einbürgerung arbeitete er bei VW in Kassel.
Die Beiden hatten sich während eines Sommerfestes im Schlosspark in Altenbuseck kennen und später lieben gelernt.
Nach ihren Erzählungen dauerte es einige Monate, ehe sich meine Mutter auf Vater einlassen durfte.
Die US-Militärs hielten ihn anfangs für einen Ostspion.
Sie durchleuchteten Vaters Biographie bis ins kleinste Detail.
Auch deswegen, weil sein Bruder, Onkel Edwin als Forscher an einem Deutsch-Russischen Geheimprojekt mitarbeitete.
Mutter glaubte an Vaters weiße Weste und so stand ihrer Beziehung nichts im Wege.
Die Beiden heirateten und Mitte der sechziger Jahre erblickte ich das Licht der Welt.
Bis noch vor wenigen Wochen hätte ich sogenannte "Flacherdler" noch als hoffnungslose Spinner abgetan.
Doch dann erbte ich das Haus nebst Inhalt von Onkel Edwin.
Und mein gesamtes Weltbild wurde von einer zur anderen Minute auf den Kopf gestellt.
Doch lest bitte einfach selbst.

SatirepatzerSatirepatzerIch stand vor diesem alten Bücherregal und schüttelte verstört den Kopf.
Onkel Edwin hatte eine riesige Auswahl an Büchern.
Alles dicke Wälzer mit Themen aus Wissenschaft und Forschung.
Onkel Edwin hatte zwischen allen Seiten, die wichtige Informationen enthielten, Schokoladenpapier mit Notizen hinein gesteckt.
Er hatte nie studiert und sich dennoch ein Wissen angeeignet, dass jeden Universitätsprofessor vor Neid erblassen lässt.
Er drehte praktisch jeden Stein um.
Ihm entging kein Detail.
Er galt als genialer Tüftler und kritischer Denker.
Er sagte mal am Telefon zu meinem Vater, dass er einen kostbaren Schatz in seinem Haus versteckt hatte.
Das ist aber ein Geheimnis.
Vater hielt es für Wichtigtuerei und kümmerte sich nicht weiter darum.
Das Haus selbst war alt und renovierungsbedürftig.
Es schrie förmlich nach einem Besitzerwechsel.
Doch bis zu seinem Tod saß er wie eine Glucke auf der alten Bude.
Nun hatte ich es geerbt und wusste nicht recht, ob ich lachen oder weinen sollte.

Onkel Edwin musste Schokolade wie Brot konsumiert haben.
So mein erster Eindruck.
In jedem Buch steckte Schokoladenpapier, das Berechnungen, Notizen und Skizzen enthielt.
Getreu dem Motto: 'Glaube nichts, prüfe alles' beschäftigte er sich mit jedem Fachbuch.
Lediglich ein Buch, in Leder eingebunden, mit dem Aufdruck 'Persönliches', war beinahe jungfräulich.
Dieses Buch war bis auf die Zahl 47 auf der ersten Seite unbeschrieben.
Aus medizinischer Sicht war es erstaunlich, dass Onkel Edwin 93 Jahre alt wurde, bei seinem hohen Schokoladen- und somit Zuckerverbrauch.
Ein anderes Notizbuch lag aufgeschlagen auf dem massiven Schreibtisch.
Darin, ihr erratet es, ein Schokoladenpapier mit dem Grundriss des Erdgeschosses, dass mit einem markanten Kreuz an der Stelle versehen ist, wo das Bücherregal steht.
An dem Kreuz der Vermerk: 'Schatz'!
Ich betrachtete den Grundriss, verglich ihn mit den räumlichen Gegebenheiten, machte jedoch nichts Ungewöhnliches aus.
Bluffte Onkel Edwin?
So schätzte ich ihn allerdings nicht ein.
Ich resignierte vorerst.
Das Haus musste beräumt, Papiere gesichtet werden.
Onkel Edwin musste ich angemessen bestatten lassen.
Der Schatz war erst einmal zweitrangig.
Aber er ließ mir fortan keine Ruhe mehr.
Ich träumte nachts von ihm.
Später trommelte ich die Familie zusammen, bat sie um Unterstützung bei der Beräumung des Hauses.
All die wackeligen Schränke und Edwins Klamotten.
Die Bücher sah ich alle durch, nicht, dass zwischen den Seiten Geld klemmte.
Die Notizen auf dem Schokoladenpapier heftete meine Frau in Ordner.
Edwin hatte eine Vorliebe für die Bitterschokolade der Ostmarke 'Rotstern'.

Die Bücher holte ein Antiquitätenhändler ab.
Er gab mir 1.000 € für Edwins Bibliothek.
Das mag nicht viel klingen.
Aber ich bin ehrlich, ich war froh, dass ich sie los hatte.
Auch wenn der Händler die Fachbücher für ein Vielfaches veräußern kann.
Ich einer Stahlkassette fand ich ein Bündel 50 €- Scheine und einige Silbermünzen aus der ehemaligen DDR.
Der Betrag aus Edwins Sterbegeldversicherung würde auch noch ein stattliches Sümmchen ergeben.
Aber oberflächlich betrachtet, war das kein Vermögen.
Gleich gar kein Schatz.

Irgendwann war das Haus leer geräumt.
Ich war ein wenig vergnatzt auf meinen Onkel.
Überall hatte ich nachgesehen, unter lockeren Dielen oder nach Öffnungen im Mauerwerk.
Nichts.

Wutentbrannt schlug ich mit einem 500g Fäustel gegen das festverbaute Regal, das bis vor Kurzem noch Onkel Edwins Bibliothek enthielt.
Das Regal fiel krachen in sich zusammen.
Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen.
Auf die Wand dahinter war eine auf Leinwand gezeichnete Weltkarte gespannt.
Ein wahres Kunstwerk!
Nicht die Karte nahm meine Aufmerksamkeit in Anspruch, sondern die Darstellung der Welt.
Darin schwammen die Kontinente unsere Erde in einem begrenzten Gefäß im Wasser.
Die Darstellung war mit äußerster Präzision gezeichnet.
Gebirge, Inseln und Koordinaten akribisch übertragen.
Um unsere Kontinente ragte ein mächtiger Schutzwall aus Eis.
Und hinter diesem Schutzwall existieren uns noch fremde Kontinente.
Auf der Himmelshälfte der Begrenzung waren neben Sonne und Mond, die uns bekannten Sternbilder zu sehen.
Diese Karte erinnerte mich an den Filmklassiker 'Die Truman-Show'.
Als wenn wir in einem riesengroßen Terrarium leben.

Ein Briefkuvert war mittels einer Reiszwecke an die Wand geheftet.
Ich nahm ein Schreiben heraus.
Dabei musste ich innerlich feixen, denn es war auf Schokoladenpapier geschrieben.
"Mein lieber Neffe Tom,
wenn Du diese Zeilen liest, bin ich bereits bei unseren Ahnen.
Die Familie wusste nicht viel von mir.
Das war zu Eurer aller Sicherheit so gewollt.
Ich habe über zwei Jahrzehnten an geheimen Forschungsprojekten gearbeitet.
Über die Erforschung unserer Erde im Kosmos.
Diese Weltkarte zeigt unsere Erde wie sie tatsächlich aussieht.
Schon vor zwanzig Jahren wusste unsere Forschungsgruppe davon.
Du kannst also getrost davon ausgehen, dass das Schulwissen einige Lücken aufweist.
Doch zu dieser Karte.
Ich hatte verschiedene Satellitenfotos als Vorlage, die ich mit peinlicher Genauigkeit auf die Leinwand übertrug.
An dieser Weltkarte zeichnete ich knapp zehn Jahre.
Die Originalfotos existieren immer noch, sind jedoch der Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Das dient natürlich wie immer dem Schutz internationaler Interessen.
Das heißt übersetzt, einigen Interessengruppen aus Politik, Religion und Wissenschaft passt es nicht in den Kram, wenn das anerkannte Weltbild auf den Kopf gestellt wird.
Ein guter Freund aus der Kunstszene war von meiner Arbeit dermaßen begeistert, dass er mir 100.000 € dafür anbot.
Er meinte, meine Weltkarte kommt locker an die bekannte historische Arbeit von Herman Moll aus dem 18. Jahrhundert heran.
Ein ausreichender Erlös, falls Du das Haus renovieren möchtest.
Aber diese Entscheidung überlasse ich Dir ganz alleine.
Dein Onkel Edwin, im Januar 2003"

Ich war sprachlos.
Etwa eine Viertelstunde betrachtete ich Onkel Edwins Weltkarte.
Dann stand mein Entschluss fest.
Das Haus würde ich verkaufen.
Was nützt einem Archäologen wie mir ein Haus mit Vorgarten, der im Jahr maximal drei Monate am Stück in der Heimat ist?
Die Weltkarte wollte ich mit nach Hause nehmen.
Einerseits als Andenken an Onkel Edwin, andererseits reizte mich die Herausforderung, der Sache auf den Grund zu gehen.
Aber das war bereits eine ganz andere Geschichte.

Ende

Jo Hannes Coltitz, Februar 2026

counter4xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von lüdel am 26.02.2026:
Kommentar gern gelesen.
Jo Hannes, Eigentlich bin ich gleich davon ausgegangen: Wann wird diese Stelle kommen, wo hinter dem Regal, das Geheimnis steckt …
Allerdings dachte ich jetzt eher an eine Geheimtür – natürlich so eine geheimnisvolle Weltkarte...Was wohl dahintersteckt

Schöne Schreib Grüße Lüdel🧚‍♂️




geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 26.02.2026:

Hallo @lüdel, ich danke Dir für Deinen Kommentar und Dein 'gern gelesen'!
Mit der Geheimtür wollte ich den geneigten Lesern nicht zumuten. Das Thema ist doch bis zur Verdünnung ausgelutscht.
Nein ich wollte eine Story auf die ich spätere Mythen und Abenteuer aufbauen kann.
Viele Grüße, Jo




geschrieben von Jo Hannes Coltitz am 26.02.2026:

Hallo @Butterblume,
Hallo @Daniela,
Hallo @Kairos Prime,
Vielen Dank für Euer 'gern gelesen'.
Viele Grüße, Jo

Mehr von Jo (Jo Hannes Coltitz):

Herbert, der Schneemann
Obi Wans Schüler 2 (Fanfiktion)
Obi Wans Schüler 1 (Fanfiktion)
Fastnachtsnarren
Atlantis