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geschrieben 2017 von Michaela Klein (Froschkönigin).
Veröffentlicht: 27.12.2017. Rubrik: Märchenhaftes


Ein kleiner Drache (Märchen)

Es war einmal ein kleiner Feuerdrache, der hieß Grisu. Aber weil die Menschen große Angst vor Drachen hatten, wurde Grisu ständig gejagt.
An einem Tag, als Grisu wieder auf der Flucht vor den Drachenjägern war, lief ihm eine Zauberin über den Weg. Diese sah so nett aus, dass Grisu ihr auf den Arm hüpfte.
"Bitte hilf mir!" bat Grisu die Zauberin. Zauberinnen mögen Drachen, deshalb nahm sie ihn mit nach Hause.
Zuhause verwandelte die Zauberin den Drachen in einen kleinen Hund mit großen braunen Knopfaugen und schwarzen-grauen Löckchen. So hatten die Menschen nicht mehr so viel Angst vor Grisu und er konnte jeden Tag spazieren gehen. Nur in hellen Vollmond-Nächten verwandelte er sich in den kleinen Drachen zurück, sonst blieb er ein Hund.

Bald hatte sich unter den Tieren herumgesprochen, dass jetzt ein Hund das Reich der Zauberin bewachte und viele kamen, um ihn zu sehen.
Grisu saß auf seinem Thron auf der Fensterbank und empfing seine Gäste.
Eines Tages trat ein schwarz-brauner Dackel mit langen Ohren vor den Thron von Grisu.
"Wau wau wau wau wau! - Ich bin hier der Herr!" sprach Grisu. "Wer bist du und was willst du von mir?"
"Ich heiße Max und herrsche über das Dackel-Reich." sprach der Dackel. "Und ich möchte dein Freund sein!"
"Mal sehen." antwortete Grisu. "Ich möchte dich erst beschnuppern." Er ging zu Max und beschnüffelte ihn ausgiebig. "Okay, ich kann riechen, dass ich dich gut leiden kann. Also ernenne ich dich zu meinem besten Freund."
Darüber freute sich Max.
"Aber warum ist deine Schnauze so lang?" fragte Grisu.
"Damit ganz viele Leckerchen auf einmal hineinpassen." erklärte ihm Max.
"Dann komm mit zur Zauberin." forderte Grisu ihn auf. "Ich habe ihr beigebracht, dass sie viele, viele Leckerchen aus ihren Taschen zaubern muss, wenn ich das Pfötchen hebe. Wenn wir zu zweit sind, werden wir doppelt so viele bekommen."
"Au ja!" freute sich Max und folgte Grisu.
Mit Hilfe ihrer Kolleginnen zauberte die Zauberin ein Leckerchen nach dem anderen aus ihren Taschen, bis die Hunde ihr erlaubten, sich auszuruhen.
"Wir sind ein gutes Team." sagte Grisu zu Max. "Lass uns ein Rudel gründen!"
"Aber zu einem Rudel gehören doch ganz viele Hunde." meinte Max. "Dazu müssen wir noch mehr Hunde einladen."
"Du hast recht." überlegte Grisu. "Aber ich kenne noch einen Hund, der gut in unser Rudel passen würde."
"Wer denn?" fragte Max.
"Komm mit!" befahl Grisu. "Wir werden ihn besuchen."
Und Max begleitete Grisu ins Reich des Nachbarn. Die Zauberinnen folgten, um die Hunde zu bedienen.
Ein alter grauer Pudel bellte: "Wau wau wau wau wau! Ich bin Asti, der Herr über das Pudel-Reich! Wer ist da und was wollt ihr von mir?"
"Ich bin dein Nachbar Grisu und das ist mein Freund Max." sagte Grisu. "Wir wollen dich fragen, ob du in unser Rudel aufgenommen werden möchtest."
"Tretet näher. Ich möchte euch erst beschnuppern. Ich kann euch nämlich nicht sehen, denn ich bin blind." forderte Asti sie auf.
Da liefen die beiden Hunde zu Asti und ließen ihn an sich schnuppern. "Okay, ich kann riechen, dass ich euch gerne mag." sagte Asti. "Deshalb möchte ich in euer Rudel aufgenommen werden."
"Dann bist du willkommen." antwortete Grisu.
"Zur Feier des Tages lade ich euch auf meine Wiese ein." sprach Asti und lief seinen Freunden voraus, bis sie auf einer riesigen Wiese ankamen. Dort hoben die Hunde ihre Pfötchen und befahlen den Zauberinnen, viele Leckerchen aus ihren Taschen zu zaubern.
Weil Asti nichts sehen konnte, führten Grisu und Max ihn dorthin, wo es seine Lieblings-Leckerchen gab, so dass alle drei Hunde gleich viel abbekamen.
Grisu wollte einen Knochen fressen, den die Zauberin aus ihrer Tasche zog. Aber der Knochen war ihm zu hart, denn er hatte schlechte Zähne. Also nahm Max den Knochen, kaute ihn weich und legte ihn Grisu danach wieder vor die Füsse. Jetzt konnte Grisu den Knochen fressen.
Die drei Hunde waren richtig gute Freunde und wussten, dass man sich gegenseitig helfen muss. Nachher waren alle satt und zufrieden. Nach dem Fressen liefen sie über die große Wiese, um miteinander zu spielen und sich auszutoben, bis sie müde waren.
"Wir sind ein tolles Rudel!" freuten sie sich. Dann gingen sie nach Hause, um zu schlafen.

An einem anderen Tag trat ein Hunde-Kind mit kurzem rotblondem Fell vor den Thron von Grisu.
"Wau wau wau wau wau! - Ich bin hier der Herr!" sprach Grisu es an. "Wer bist du und was willst du von mir?"
Das Hunde-Kind hatte Respekt vor Grisu und warf sich vor ihm auf den Rücken. "Tu mir bitte nichts. Ich bin doch noch ein Welpe." bat es.
Erstaunt kam Grisu auf es zu. "Ein Welpe?" Grisu schnupperte an ihm. "Tatsächlich! Du bist gerade erst zur Welt gekommen. Trotzdem bist du schon fast so gross wie ich. Warum?"
"Weil ich eine Bordeaux-Dogge bin." antwortete das Hunde-Kind. "Ich heiße Sam und möchte in dein Rudel aufgenommen werden."
"Soso, eine Bordeaux-Dogge bist du." Grisu knurrte leise. "Dann wirst du schon bald viel größer sein als ich."
"Ach bitte, hab mich doch lieb!" winselte Sam. "Ich möchte so gerne zu deinem Rudel gehören."
"Also gut." nickte Grisu. "Dann zeig mir mal, wie gut du bellen kannst."
Sam bellte ein bisschen.
"Das ist nicht genug." fand Grisu. "Aber das macht nichts, ich werde es dir schon beibringen!" Und er sprang auf seinen Thron vor dem Fenster und zeigte dem kleinen Sam, wie man richtig laut kläfft.
Sam war beeindruckt. "Oh wie toll! So laut will ich auch kläffen können!"
"Komm mit!" befahl Grisu. "Ich zeige dir, wie das geht."
Und Sam folgte Grisu in den Wald. Dort brachte Grisu ihm das Kläffen bei und alles sonstige, was man als Hunde-Mann unbedingt können muss, besonders das Revier-Markieren. Sam war ein gelehriger Schüler.
"Und jetzt bringe ich dir noch etwas ganz besonderes bei!" sagte Grisu. "Ich bin nämlich in Wirklichkeit ein Feuerdrache. Wenn gleich der Postbote vorbeikommt, zeige ich es dir."
Die beiden Hunde mussten nicht lange warten, bis der Postbote auftauchte. Vor den Augen des kleinen Sam verwandelte sich Grisu in einen Feuerdrachen und schlug den Postboten in die Flucht. Danach verwandelte sich Grisu wieder in einen Hund.
Sam staunte. "Wenn ich eine grosse Dogge bin, dann will ich das auch können!"
"Wenn du jeden Tag fleißig übst, dann wirst du es schaffen." riet ihm Grisu.
Bald war Sam zu einer grossen mächtigen Bordeaux-Dogge herangewachsen und herrschte über das Doggen-Reich. Und weil er jeden Tag fleißig geübt hatte, konnte er alle Eindringlinge in die Flucht schlagen.

An einem anderen Tag flatterte ein weißer Vogel mit einer lustigen gelben Feder auf dem Kopf vor den Thron von Grisu.
"Wau wau wau wau wau! - Ich bin hier der Herr!" rief Grisu ihm zu. "Wer bist du und was willst du von mir!"
"Papiiieeer papiiieeer!" rief der Vogel.
"Hä? Wie? Papier willst du? Was bist du denn für ein komischer Vogel?" wunderte sich Grisu.
"Nein, ich will kein Papier haben. 'Papiiieeer' ist Nymphensittich-Sprache und bedeutet 'Hallo!'" antwortete der Vogel. "Ich heiße Klein-Coco und bin ein Nymphensittich. Ich spreche zwar eine andere Sprache als du, aber ich möchte dennoch gerne in dein Rudel aufgenommen werden."
"Ein Nymphensittich!" staunte Grisu. "Aber wir sind ein Hunde-Rudel."
"Na und?" antwortete Klein-Coco. "Ist das denn so schlimm, wenn ich ein bisschen anders bin?"
Grisu schnupperte an dem Vogel und dachte nach. "Eigentlich nicht." entschied er. "Vielleicht wird es sogar ganz lustig, wenn man einen Vogel hat. Aber du darfst mir niemals mein Futter wegfressen!"
"Dein Futter mag ich sowieso nicht." versprach Klein-Coco. "Ich fresse lieber Vogelfutter."
"Keine Leckerchen?" wunderte sich Grisu.
"Nein. Wenn ich naschen will, dann nage ich an trockenem Brot." antwortete Klein-Coco.
Da befahl Grisu seiner Zauberin, trockenes Brot zu zaubern und Klein-Coco wetzte seinen Schnabel daran. Das fand Grisu sehr lustig und nahm Klein-Coco in sein Rudel auf.
Und alle freuten sich darüber, denn die Tiere wussten, dass man ruhig sehr unterschiedlich sein darf und trotzdem sehr viel Spass miteinander haben kann.

An einem anderen Tag lief Grisu über eine Wiese. Da hörte er plötzlich jemanden weinen.
"Wau wau wau wau wau! - Ich bin hier der Herr!" rief er. "Wer weint denn da in meinem Reich?"
"Krah!" hörte er jemanden rufen. "Ich bin hier unten."
Grisu senkte seine Nase auf den Boden und schnupperte. Er konnte eine Spur wittern und lief seiner Nase nach. Die Spur führte ihn zu einem schwarzen Vogel, der ganz traurig auf dem Boden saß.
"Wer bist du und warum weinst du denn?" fragte Grisu.
"Ich heiße Blacky und bin eine Krähe." antwortete der Vogel. "Ich weine, weil ich aus dem Nest gefallen bin."
"Warum fliegst du nicht davon, wenn du eine Krähe bist?" wunderte sich Grisu.
"Weil ich erst vor kurzem aus dem Ei geschlüpft bin und noch gar nicht fliegen kann. Ich bin noch ein Baby." erklärte ihm Blacky.
Da staunte Grisu. "Du bist aber ein grosses Baby. Aber du tust mir leid. Ich werde dich in mein Rudel aufnehmen und dein Papa sein."
Da hörte Blacky auf zu weinen. "Hurra - ich habe jetzt einen Papa!" freute er sich.
Und Grisu befahl der Zauberin, Futter für das Krähen-Baby zu zaubern und kümmerte sich ganz liebevoll um Blacky.

In einer Vollmond-Nacht verwandelte sich Grisu in den Feuerdrachen zurück, der er eigentlich war. In solchen Nächten durfte die Zauberin nicht schlafen, sondern musste mit dem Drachen durch die Nacht fliegen.
Unterwegs sprach sie zu ihm: "Grisu, ich bin sehr stolz auf dich und dein Rudel. Ich helft euch gegenseitig. Ihr lernt voneinander. Ihr habt euch lieb, obwohl ihr alle ganz verschieden seid und du bist der kleinen Krähe ein ganz lieber Papa. Dafür will ich dich reich belohnen. Du darfst dir etwas wünschen."
Da musste Grisu nicht lange nachdenken: "Ich wünsche mir von dir, dass meinem Rudel nie die Leckerchen ausgehen. Alle Tiere sollen immer naschen dürfen, worauf sie gerade Appetit haben."
Die Zauberin erfüllte ihm diesen Wunsch und alle Tiere bekamen von ihr jeden Tag so viele Leckerchen, wie sie fressen wollten.
Und jeden, der den Tieren etwas Böses antun wollte, verwandelte die Zauberin in einen Stein.

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