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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2018 von Carl-Paul Hénry (Carl-Paul Hénry).
Veröffentlicht: 14.04.2018. Rubrik: Kinder und Jugend


Hundebiss und Hundeliebe

Als wir im Sommer 1962 vom westlichen Stadtteil zum Brautsee (siehe die Geschichte „Der Brautsee“) umgezogen waren, endete die Straße an unserem Haus. Dann kam nur noch eine große holprige Wiese, die wir Kinder nur „das Feld“ nannten, an deren südlichen Ende sich die „Sankt-Jürgen-Schule“ im Rohbau befand. Erst Jahre später wurde die weiterführende Verbindung zur Hauptstraße entlang des zukünftigen Schulgeländes gebaut. Dort, wo dann beide Straßen aufeinanderstießen, stand damals (und steht noch heute) eine Litfaßsäule, bei der ich zwölf Jahre später dann mit Freund Thomas meine letzte Zigarette rauchte, bevor ich im Morgengrauen aus der Disco nach Hause kam.

Bis dahin war das alles Brachland, oder besser gesagt, Savanne, und es hatte sich hier eine riesige Pfütze gebildet. Sie war etwa 20 Meter lang und acht Meter breit. In der Mitte war sie knietief. Freund Thomas und ich hatten uns ein Floß aus Holzbalken und Baumstämmen gebaut; und bewaffnet mit langen Stangen, schipperten wir auf dem Teich, unserem "Silbersee", herum.

Genau unserem Häuschen gegenüber, im Reiheneckhaus, wohnte Familie Stoll, eine der ersten Familien überhaupt, die als Spätaussiedler nach dem Weltkrieg II. aus der damaligen Sowjetunion nach West-Deutschland kamen. Herr Stoll war stolzer Besitzer einer "Automaschine", wie er sie nannte. Zu der Familie gehörten zwei Mädchen. Das war schön. Schön war jedoch nicht, dass es da auch einen Hund gab, der zwar klein, aber ungemein aggressiv und von undefinierbarer Mixtur und Herkunft war. Dieser Hund hieß dann auch noch Purzel und war von uns Kindern ziemlich gefürchtet.

Nun spielten Thomas und ich eines Tages mal wieder an der besagten Riesenpfütze und waren im Begriff, von einem Ufer an das andere rüberzusetzen. Als Winnetou und Old Shatterhand wohl gelandet waren, kam eines der Stollmädchen, ihre Vornamen habe ich leider vergessen, mit Purzel an der Leine, direkt an dem Floß vorüber. Wie immer zog der Köter heftig an der Leine, hechelte und fletschte mit den spitzen Zähnen. Hatte ich „Frauchen“ falsch angeschaut? Hatte ich irgendetwas Falsches gesagt? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls biss mir der blöde Hund heftig in meinen linken Unterschenkel.

Ich hatte hohe, grüne Gummistiefel an, darin meine lange Hose gestopft und – weil es schon Herbst war – hatte auch noch lange Strümpfe an. All das schützte mich aber nicht. Purzel biss sich bis auf meine Haut durch. Ich rannte sofort nach Hause, zog mir Gummistiefel, Hose und Strümpfe aus und musste gemeinsam mit Mutti feststellen, dass Purzels Hauer drei rotblaue Stellen auf meinem Unterschenkel hinterlassen hatten.

Tetanusspritze? Ne. Strafanzeige? Nee. Gebranntes Kind und lebenslang Angst vor Hunden? Neee! Im Gegenteil. Ich war selbst viele Jahre später zweifacher Hundebesitzer (Schäferhundmischling in den 1990er Jahren; schwarze Labradorhündin in den 2000er Jahren) und einmal – es war Sylvester 1974/75 – habe ich sogar mit dem Bernhardiner meiner späteren Vermieter auf dem Teppich herumgetollt, während der noch junge und recht harmlose Otto Waalkes im Fernsehen herumblödelte und seine version von "Wild thing" jodelte.

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