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geschrieben 2021 von Kerstin Schwarz (Nitsrek).
Veröffentlicht: 07.02.2021. Rubrik: Nachdenkliches


Liebenswerte Spione oder kleine Herzensbrecher

Wenn uns kleine Herzensbrecher nur kurz besuchen, steht unsere Welt in diesem Moment still und wir verstehen nicht, warum sie uns so viel Leid zufügen. Darum möchte ich Euch die Geschichte von den kleinen liebenswerten Spionen erzählen.

Bevor wir, die Menschen, auf die Erde dürfen, wohnen wir in der Zwischenwelt Firmamenia, in der es niemals dunkel und kalt ist.

Firmamenia ist ein Stern, der am äußersten Ende des Himmelsgewölbes liegt. Genau vor dem Planet Venus, dem hellsten Stern, den wir Menschen von der Erde aus sehen können.

Aber wir werden Firmamenia nie sehen können, da das warme, strahlende Licht dieses Sterns mit dem Licht der Venus verschmilzt und daher für uns nicht zu erkennen ist.
Auch mit den modernsten und größten Teleskopen ist es unmöglich den kleinen Stern zu entdecken.

Die Bewohner von Firmamenia können andererseits unseren Planeten auch nicht sehen, da das Licht der Erde bei Weitem nicht ausreicht, um diese von ihrer lichtdurchfluteten Welt aus sehen zu können.

Aus diesem Grund haben wir von der Erde und die Wesen von Firmamenia keine Ahnung, dass es diese beiden so verschiedenen Welten gibt. Doch es gibt sie!

Natürlich war jeder von uns schon mal ein Wesen von Firmamenia, aber wir haben keinerlei Erinnerungsvermögen an diese Zeit. Selbst die Wesen von Firmamenia, welche wiederholt auf unsere Menschenwelt waren, vergessen größtenteils, dass es die Erde gibt.

Ihre Welt strahlt in den hellsten Regenbogenfarben und die Wesen wohnen in einem riesigen Wolkenland, in der es, anders als auf der Erde, weich und immer warm ist. Hier gibt es keine dunklen Wälder, Eisberge, große Häuser oder Straßen. Und von Fahrzeugen, Schiffen oder Flugzeugen ganz zu schweigen.

Ihre Häuser bestehen aus weichen Wolken in den herrlichsten Farben, die ihr euch nur vorstellen könnt und diese sind ebenso wohlig warm und hell, wie alles auf diesem Stern.

Möchten die Wesen sich fortbewegen, dann müssen sie sich das nur wünschen. Sofort schweben sie zu dem Ort und treffen dort viele, viele andere Wesen. Sie spielen gemeinsam unbeschwert, tanzen und widmen sich den wunderschönen Dingen des Zwischenweltlebens. Und nicht ein Wesen ist einsam und allein.

Es gibt natürlich auch hier viele unterschiedliche Charaktere, wie sollte es auch anders sein? Da unterscheiden sie sich von uns überhaupt nicht. Schließlich waren sie ja mal Menschen oder wollen es werden. So also gibt es auch hier ganz besonders neugierige Wesen.

Wenn Wesen, die schon mal auf der Erde waren, eine Ahnung haben, dass sie bereits irgendwo anders waren und sich ganz schwach daran erinnern, erzählen sie manchmal davon. Aber die meisten wollen von diesen Erzählungen nichts wissen bzw. glauben ihnen nicht. Sie tun es damit ab, dass es ja viele Gründe gibt, warum es die Menschenwelt gar nicht geben kann. Sie erwidern ihnen, dass es vollkommen unwahrscheinlich sei, da sie diese ja nicht sehen, auch wenn sie sich noch so sehr anstrengen würden. Und was sie nicht sehen, existiert nicht. Die Welt Firmamenia ist die Einzige und eine andere gibt es nicht! Kommt uns das nicht bekannt vor?

Doch gibt es Wächter unter den Bewohnern Firmamenias, die die Wahrheit kennen.
Sie beschützen das Wolkenland und seine Wesen und sorgen dafür, dass es den Wesen in der Zwischenwelt gut geht und es ihnen an nichts fehlt.

Sie sind es aber auch, die entscheiden, wer an der Reihe ist, auf die Menschenwelt gesandt zu werden und erst, wenn sie ganz sicher sind, dass ein Wesen für die Menschenwelt stark genug ist, darf es auf die Erde.

Nun trug es sich zu, dass wieder ein Wesen von seiner Ahnung aus der Menschenwelt erzählte und so hörten nun auch eine Handvoll neugierige Wesen zu, die diese Geschichte ohne einen einzigen Zweifel sofort glaubten. Sie sogen die Worte von der ganz anderen Welt auf wie ein Schwamm und wurden nun neugierig.

Sie fragten und fragten den Erzähler und wollten immer mehr wissen. Sie gaben keine Ruhe und fragten nun auch andere Wesen, die glaubten sich zu erinnern.
Die, die bereit waren, ihre Erinnerungen preiszugeben, wurden mit unendlichen Fragen der nun noch neugieriger werdenden Wesen mit ihrem „Wie“, „Wer " und „Warum" um den Verstand gebracht. Um diese unstillbare Neugier zu befriedigen, erfanden die nun genervten Wesen irgendwelche Geschichten, nur um ihre Ruhe vor ihnen zu haben.

Wie nicht anders zu erwarten, wurden die Wächter aufmerksam und warnten die neugierigen Wesen, damit aufzuhören. Doch sie hörten nicht auf die Warnungen!

Trotz aller Verbote spionierten die neugierigen Wesen weiter.
Sie glaubten alle Geschichten, die andere Wesen aus der Menschenwelt erzählten, selbst wenn diese nur noch aus einem Hauch von Erinnerungen bestand. Und viele davon hatten mit der Wahrheit nichts mehr gemein.
Sie vernahmen die Legenden von den schönen Dingen des Lebens, von der Liebe, von glücklichen Zeiten, von Familien sowie von materiellen Dingen, von denen sie gar keine Vorstellungen hatten, was diese überhaupt sind.

Sie erfuhren auch von bösen Dingen aus der Menschenwelt, aber die waren für sie nicht relevant, denn dies war noch mehr außerhalb ihres Vorstellungsvermögens. So taten sie es als Unwahrheit ab. Sie wollten nur glauben, was sie glauben wollten. So wie auch Menschen es tun.

Wieder wurden sie von den Wächtern erwischt und gewarnt, doch sie hörten immer noch nicht die warnenden Worte. Stattdessen spionierten sie nun auch ihnen nach und suchten einen Weg, um irgendwie auf die Erde, zur Menschenwelt, zu gelangen.

Sie waren so unbedarft und voller Träume.
Egal, was die anderen sagten, sie wollten unbedingt wissen, wie man auf die Erde zu den Menschen kommt. Egal, was passieren würde.

Die kleinen Spione fanden heraus, dass es an den Tagen immer etwas neblig war, wenn sich die Wächter auf den Weg machten, um Wesen für die Reise zu Erde abzuholen.

Erst folgten sie der Gruppe nur bis zum Ende der Stadt. Ein anders mal folgten sie ihnen weiter bis zu einem Tal. Sie sahen in der Ferne einen großen Hügel, welcher auf mystische Weise verschwommen im Licht auftauchte, wenn sich die Gruppe ihm näherte.

Doch trauten sich die kleinen Spione noch nicht weiter, da dies doch zu furchteinflößend für sie war.

Aber beim nächsten Mal überwanden sie ihre Angst und nahmen allen Mut zusammen und schwebten auf den Hügel zu.
Die kleinen Spione vergaßen die drohenden Worte derer, die sie nur beschützen wollten.
Der Hügel blendete sie, doch nun wagten sie sich, den Wächtern, welche wieder in ihm verschwanden, nachzuschleichen und befanden sich plötzlich in einer schneeweißen Wolke. Jegliche Spur von ihnen war auf einmal verschwunden und sie bekamen Angst.

Die Wolke bestand aus einem Wall von unendlich vielen schneeweißen, bauschigen Schleiern, die ihnen die Sicht verdeckte.
Sie schoben sich zaghaft durch die Schleier hindurch und hatten das Gefühl, hier nie wieder heraus zu kommen. Sie hielten sich an den Händen und machten sich gegenseitig Mut.
Der weiße Dunst wurde weniger und ging ganz langsam in Nebel über, der sich immer mehr auflöste. Mit Erleichterung sahen die kleinen Spione, dass sich der Nebel endlich auflöste. Sie standen nun auf einem Berg und sahen zwei Tore.
Und auch die Wächter entdeckten sie wieder, welche sich vor einem der Tore aufhielten und Menschen begrüßten, die gerade ankamen. Diese strahlten ein helles Licht aus und sahen alle erleichtert und glücklich aus.

So was hatten die spionierenden Wesen noch nie gesehen.
Es gab sie also doch, die Menschen!

Die Wächter begrüßten die Ankömmlinge herzlich und den Menschen sowie auch den Wächtern liefen Freudentränen über die Wangen.

Am zweiten Tor stand ein Wächter, den sie nicht kannten und der ein wenig müde und schusselig wirkte.
„Das muss das Tor sein, welches in die Menschenwelt führt!“, flüsterte einer der kleinen Spione den anderen zu.

Er hatte recht, denn jetzt kamen zu diesem Tor die Wesen, die von den Wächtern abgeholt wurden. Der Torwächter sprach eindringlich auf sie ein.
Er sah dabei sehr streng aus und die kleinen Spione hatten das Gefühl, dass es eine sehr ernsthafte Angelegenheit war, über die sie sprachen.

Aber die kleinen neugierigen Wesen kannten ja keine Sorgen und Ängste, also ignorierten sie diese Ernsthaftigkeit und überlegten, wie sie sich nun auch hier wieder an diesem Wächter vorbeischleichen konnten.

Das Tor öffnete sich und die Wesen gingen hindurch. Der Torwächter verabschiedete sich von jedem Einzelnen.
Danach setzte er auf eine Bank vor dem Tor und sah grübelnd in die Ferne, als ob er daran zweifelte, die richtigen Wesen auf die Erde gesandt zu haben. In diesem Moment schlichen sich die kleinen Spione an ihm vorbei und huschten durch das Tor, welches sich nun langsam schloss.

Nun befanden sie sich in einem langen, dunklen Kanal und schwebten ohne Halt in ihm herab. Eine Kraft zog sie nach unten und das wenige Licht verwandelte sich nun in Finsternis. Sie fielen immer tiefer und der Absturz schien kein Ende zu nehmen.
Langsam bekamen sie es mit der Angst zu tun. Niemand war jetzt mehr da, der sie zurückholen konnte.

Die kleinen Spione hatten sich das alles ganz anders vorgestellt.
Der Sog trennte die kleinen Wese und sie bekamen fürchterliche Angst.
Jeder war nun das erste Mal in seinem Leben allein und ihnen fehlte mit einem Male die Wärme, das Licht, die Geborgenheit.
Sie fielen ins Dunkle. Immer tiefer und tiefer. Die Kraft entschwand ihnen und sie gaben sich auf, je tiefer sie fielen. Die kleinen Spione waren einfach noch nicht stark genug, um als Menschenkind auf der Erde geboren zu werden. Ihre Herzen, die sie eben das erste Mal spürten, hörten wieder auf zu schlagen. Sie nahmen ihren Herzschlag gar nicht wahr.

Doch im letzten Augenblick kam aus dem Nichts eine warme, wohlige Hand und nahm die kleinen, müden und geschwächten Wesen auf. Sie schwebten durch den Kanal zurück und sie fühlten sich auf einmal wieder beschützt und geborgen.

Nur eins der kleinen Wesen konnte die Hand nicht mehr rechtzeitig ergreifen und so kam es am Ende des Kanals an und wurde von grellem, unwirklichem Licht und von Kälte empfangen.
Es nahm eine warme Umarmung und unbekannte Stimmen wahr. War es nun doch auf der Menschenwelt? Auch spürte das Wesen nun in sich einen Herzschlag, aber dieses Herz überschlug sich, so dass es ihm weh tat und es sehnte sich nur noch unendlich zurück nach Firmamenia.
Im allerletzen Moment ergriff die Hand doch noch den kleinen, mutlosen Spion und nahm das letzte, fehlende Wesen mit sich fort.

Warmes Licht ummantelte nun all die kleinen, zitternden Spione, als sie auf Firmamenia ankamen. Die rettende Hand legte sie, einen nach dem anderen, vorsichtig vor dem Tor ab.
Es war das Tor, welches sie als erstes gesehen hatten und durch das damals die Menschen ankamen. Sie erinnerten sich daran, dass diese überschwänglich von den Wächtern in Empfang genommen wurden. Aber jetzt empfing sie niemand.
Die kleinen Spione standen auf und liefen verwirrt umher. Sie waren enttäuscht, traurig, erschöpft.

Plötzlich spürten sie wieder diese Hand, die sie nun aber an den Schultern festhielt.
Sie war nicht mehr so riesengroß, aber strahlte auch jetzt Wärme und Geborgenheit aus, aber auch Kraft. Die kleinen Spione hoben erschrocken den Kopf und schauten nun dem Torwächter in die Augen, welcher das Tor zur Menschenwelt bewacht.

Sein Blick war stechend, schmerzerfüllt und doch auch glücklich. "Was habt Ihr nur getan?" fragte er die kleinen Spione. „Ihr wisst gar nicht, welches Leid ihr den Menschen angetan habt. Durch eure Reise, für die ihr gar nicht bereit wart, habt ihr eurer Leben und das Leben der Menschen aufs Spiel gesetzt!"

Den kleinen Spionen war schon längst bewusst, dass sie falsch gehandelt hatten. Reumütig schwuren sie, dass sie warten würden, bis sie ausgewählt werden.
Sie sahen ein, dass sie noch lange nicht für diese Reise bereit waren.
Erst, wenn die Wächter ganz sicher sind, dass sie in der Menschenwelt überleben können, würden sie vor das zweite Tor treten. Nicht eher!

Aber nun waren sie alle überglücklich, wieder gemeinsam in Fermamenia zu sein. Sie umarmten den Torwächter, dem sie unsagbar dankbar waren, dass er sie rechtzeitig gefunden und zurückgebracht hatte.
Freudentränen liefen den kleinen Spionen über die Wangen, aber auch dem Wächter.

Die kleinen Spione fasten sich alle an den Händen und bevor sie sich’s versahen, wurden sie alle gemeinsam auf eine weiße, warme und kuschelige Wolke gesetzt. Keiner fehlte!

Alle schwebten nun gemeinsam ins Land mit dem Regenbogenlicht zurück.

Nachdem sie lange Zeit geschlafen und sich ausreichend erholt hatten, waren sie nun wieder die Wesen, welche tanzten, umhersprangen.
Sehr schnell vergaßen sie ihre Reise zur Menschenwelt.
Dafür sorgten die Wächter, welche die Erinnerungen an dieses Abenteuer bei den kleinen Spionen im Schlaf nach und nach auslöschten und durch unbeschwerte, sorglose Träume austauschten.

Nur eins dieser Wesen, welches ja bereits das Licht der Menschenwelt erblickte, hat in sich so eine Ahnung. Und vielleicht erzählt er ja einmal, dass es da noch eine andere Welt geben könnte und ein ganz besonders neugieriges Wesen hört ihm in diesem Moment zu.

Es werden immer wieder kleine Spione durch das Tor zur Menschenwelt huschen.
Aber zum Glück gibt es ja die Wächter, die sie dann immer wieder zurückbringen und achtsam über sie wachen.

Es ist schade, dass wir Menschen, wenn wir von den kleinen neugierigen Wesen besucht werden, nicht begreifen, warum diese dann plötzlich wieder gehen.
Das ist das Geheimnis von Firmamenia.

Wir nennen die kleinen Spione Sternenkinder und ahnen dabei gar nicht, wie recht wir haben.

Die kleinen neugierigen Herzensbrecher wollen uns nichts Böses und doch bereiten sie uns unendlich viel Leid und Schmerz.

Wenn Du so einen kleinen Herzensbrecher zu Besuch hattest, dann verzeiht diesem kleinen neugierigen Wesen.

Das ist alles andere als leicht. Aber es hilft.

Kennst Du das, wenn Du ja jemanden kennenlernst und Du dabei das Gefühl hast, ihm oder ihr schon einmal begegnet zu sein?
Kannst Du Dir wirklich sicher sein, das diese Person nicht auch ein Bewohner aus Firmamenia war, mit dem Du damals unbeschwert getanzt und gespielt hast?

Tja, und vielleicht warst Du auch ebenso ein kleiner spionierender Herzensbrecher und weißt es nur nicht mehr?

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