Veröffentlicht: 16.02.2026. Rubrik: Unsortiert
Die legendären ESPADRILLES
Ich bin im Jahre 1963 geboren; also war ich in den frühen Achtzigerjahren ein Teenager. Auch in jenen Jahren war mir der Sommer die liebste Jahreszeit; schließlich waren das die Wochen und Monate, in denen ich ohne Strümpfe gehen konnte.
Die meiste Zeit des Jahres sind die Füße nicht nur in Strümpfe sondern auch in enge Schuhe eingezwängt. Natürlich sind warme Winterstiefel bei Minustemperaturen unverzichtbar; aber spätestens gegen Ende Februar wird es mir lästig, immer eingeengte Füße zu haben.
Meistens dauert es dann noch ein bisschen; aber irgendwann Ende April oder Anfang Mai kommt er dann doch: dieser Tag, an dem man morgens aufwacht. Die Sonne scheint zum Fenster herein; und es sind Höchsttemperaturen von 23° angesagt.
All dies lässt sich in einem einzigen Satz zusammenfassen. Er lautet: "Heute ziehe ich keine Strümpfe an." Man kann dazu auch sagen: "Heute bleibe ich den ganzen Tag barfuß". Wobei "barfuß" in diesem Augenblick nicht zwangläufig "schuhfrei" bedeuten muss. Ich mache da einen Unterschied. Ich sage: "Ich schlüpfe barfuß in meine Sandalen". Und schon das ist eine schöne, angenehme Angelegenheit. Denn auch so kommt Luft an die Füße. Sie fühlen sich frei an; und das ist sehr angenehm.
Wenn ich im Sommer keine Schuhe anhabe, nenne ich das "ganz barfuß"; und das ist an heißen Tagen das Nonplusultra.
"Barfuß in Sandalen" oder "ganz barfuß"; das waren auch damals in den frühen Achtzigerjahren meine Lieblings- Sommermottos. Und in jenen Jahren war es oft möglich, dies von Ende April bis Mitte September jeden Tag ohne Unterbrechung zu genießen.
Damals fiel mir jedoch auch noch etwas anderes auf: Diejenigen, die ungefähr in meinem Alter waren, trugen nämlich oft ganz andere Schuhe als ich. Sie waren weiß, dunkelblau, schwarz... Es gab sie in fast allen Farben.
Ich fragte mich oft, ob das überhaupt Schuhe sind. Sie waren nämlich oben aus Stoff, und an der Sohle schienen sie aus Bast zu bestehen.
Diejenigen, die diese Schuhe trugen, sahen dabei sehr glücklich aus. Ich vermutete, dass dies deshalb der Fall war, weil sie dabei barfuß waren; jedenfalls hatte ich nie jemanden gesehen, der in diesen Stoffdingern Strümpfe anhatte; und zusätzlich lag es für mich nahe, dass diese Sommerschuhe sehr angenehm zu tragen waren.
Ich war jedoch zunächst nicht auf die Idee gekommen, mir solche Schuhe auch zu kaufen. Dies änderte sich jedoch in jenem heißen Sommer, in dem ich mit meinen Sandalen kein Glück gehabt hatte. Sie waren aus einem merkwürdigen Material, was sich vor allem dadurch zeigte, dass mir bei jedem Schritt der Fuß im Schuh festklebte. Daher gab es bei jedem Schritt ein seltsames Geräusch, und "barfuß in Sandalen" fühlte sich nicht so angenehm an, wie ich das sonst gewohnt war.
Dann kam ich in der Fußgängerzone an einem Schuhgeschäft vorbei. Vor der Ladentür war so etwas wie ein großer Wühltisch. Er war für diejenigen, die hier vorbeigingen, ein Blickfang; und ich sah auch, womit dieser Wühltisch beschriftet war. Da war nämlich ein Schild abgebracht, auf dem In Großbuchstaben "ESPADRILLES" stand. Mit diesem Wort wusste ich zunächst nichts anzufangen. Dann sah ich jedoch: Das waren genau die Stoffschuhe, die viele meiner Altersgenossen an den Füßen hatten. Ich wusste noch nicht, wie sich so etwas anfühlt, dachte jedoch: Schlechter als meine Klebesandalen kann es auf keinen Fall sein. Und weil ein Paar nur DM 4,99 kostete, kaufte ich gleich zwei: ein weißes sowie ein dunkelblaues. Dabei nahm ich sie in weiser Voraussicht eine Nummer kleiner als die Größe, die ich sonst zu tragen pflegte. Schließlich war mir klar, dass ich diese Schuhe barfuß tragen würde. Und dabei ist der Fuß weniger dick als mit Strümpfen.
Als ich die Espadrilles bezahlt hatte, beschloss ich, sie gleich auszuprobieren. Vor dem Schuhgeschäft zog ich die Sandalen aus und schlüpfte in die dunkelblauen Espadrilles. Sie passten hervorragend zu meiner leichten langen weißen Sommerhose. Die Sandalen steckte ich stattdessen zu den anderen Espadrilles in die Einkaufstüte. Dann ging ich weiter.
Schon bei den ersten Schritten bedauerte ich, dass ich nicht früher auf den Gedanken gekommen war, Espadrilles zu kaufen. Sie halfen mir nämlich, das Sommer- ohne Strümpfe- Barfußgehgefühl völlig neu zu entdecken. Die Espadrilles klebten nicht am Fuß; und obwohl sie aus Stoff bestanden, fühlten sie sich fast noch leichter an als die Sandalen mit ihren Riemen. Auch die Bastsohle fühlte sich interessant an. Teilweise pikste sie ein wenig an den Fußsohlen, was aber nicht unangenehm war.
In den darauffolgenden Tagen lernte ich immer mehr, mit den Espadrilles umzugehen sowie ihre Vorzüge zu schätzen. Das anhaltend warme Sommerwetter machte es mir hier jedoch auch leicht; und es war spannend, die Espadrilles zu meiner Sommermode zu kombinieren: an mäßig warmen Tagen mit Temperaturen von ca. 20-21 Grad bot es sich an, dunkelblaue Jeans sowie weiße Espadrilles zu tragen. Zu den weißen Bermudas gab es die dunkelblauen Espadrilles. Und dazu trug ich meine bunten Sommerhemden sowie meine verschiedenfarbigen T- Shirts. Ich freute mich über die vielen Arten, auf die ich mich kleiden konnte. Zwischendurch wechselte ich auch mal wieder von den Espadrilles zu den Sandalen und zurück.
Einmal war abends ein Gewitter gewesen; und der darauffolgende Morgen war zunächst noch kühl. "Barfuß in Sandalen" wäre undenkbar gewesen. Ich vermutete jedoch, dass es mit den Espadrilles möglich sein würde, barfuß zu bleiben; und ich beschloss, dies so auch umzusetzen. Lange blaue Jeans, weiße Espadrilles, ein T- Shirt und ein dünner Pullover, das war für diesen Tag mein Outfit; und schon nach kurzer Zeit merkte ich, dass diese Entscheidung richtig gewesen war. Selbst bei einer Lufttemperatur von 18° bekam ich so nämlich keine kalten Füße. Später kam auch noch die Sonne, und es wurde so warm, dass ich den Pullover ausziehen konnte.
Ich denke hier auch zusätzlich, dass der Körper sich im Sommer umstellt. Denn wenn man über mehrere Wochen hinweg daran gewöhnt ist, den ganzen Tag barfuß zu bleiben, machen einem auch niedrigere Temperaturen nicht gleich so viel aus.
Im Frühjahr brauche ich so etwas wie eine Initialzündung. Damit meine ich mehrere Tage mit einer Höchsttemperatur von 21-23°. Erst dann traue ich mich, die Strümpfe wegzulassen, denn in der Übergangszeit erkältet man sich auch leicht.
Manchmal ziehe ich in der Übergangszeit morgens, wenn es noch kühl ist, Strümpfe an; und wenn es mittags warm ist, ziehe ich sie einfach aus; im Hochsommer dagegen kann ich auch einzelne Tage mit einer Höchsttemperatur von nur 18-20 Grad problemlos von morgens bis abends barfuß überstehen; und nicht nur das, ich kann sie vielmehr auch genießen.
Espadrilles haben jedoch auch ihre Grenzen. Einmal kam ich mit ihnen nämlich in einen Sommerregen. In kürzester Zeit waren sie aufgeweicht und begannen sich aufzulösen. So zog ich sie aus, warf sie in den nächsten Mülleimer und ging "ganz barfuß" weiter. Auch dies war etwas Besonderes, denn zum ersten Mal ging ich barfuß durch einen warmen Regenschauer. Die war ein herrliches, angenehmes Gefühl. Ich ertappte mich dabei, dass ich wie ein Kind durch die warmen Pfützen patschte. Ohne die aufgeweichten Espadrilles hätte ich diese schöne Erfahrung nicht gemacht.
Heute sage ich: Espadrilles sind legendär, weil sie wie gemacht sind für solche, die an warmen Tagen gerne ohne Strümpfe gehen; und sie barfuß zu tragen, gibt ein unvergleichlich schönes Sommergefühl.
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