Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie Du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
FacebookMenu anzeigenMenu anzeigen
2xhab ich gern gelesen
geschrieben 2018 von LivEvenstar93.
Veröffentlicht: 25.10.2018. Rubrik: Märchenhaftes


Von dunklen Wesen und Sternenlicht

Vor vielen Jahren gab es in unserer Welt einen magischen Wald. Verborgen lebten dort die unterschiedlichsten Wesen in Harmonie und Sicherheit. Unter ihnen gab es einen kleinen Bären namens Ernest, welcher tief im Wald in einer kleinen Hütte wohnte. Ernest war ein freundlicher und besonders liebevoller Bär und er hatte viele Freunde. Die fleißigen Bienen brachten ihm jeden Morgen frischen Honig, seine Nachbarn -die Biberfamilie- versorgten ihn mit allerlei Holz für ein Feuer im Winter oder neue Möbel und jeden Abend leuchteten die Glühwürmchen ihm den Weg nach Hause. Ernest' Leben im Wald schien perfekt zu sein, doch der kleine Bär hatte ein Geheimnis.

Trotz seiner vielen Freunde fühlte Ernest sich einsam. Am schlimmsten waren jedoch die dunklen Wesen, die jede Nacht kamen, wenn die Glühwürmchen verschwunden waren. Es gab keine Zeit, in der sie nicht dagewesen waren und es gab keinen Weg sie aus seinem Haus und aus seinen Gedanken zu vertreiben. Es waren hässliche Wesen, wie schwarze Schatten in grotesken Formen mit aufgerissenen Mäulern und spitzen langen Zähnen. Pure Schwärze triefte aus ihren Poren und waberte leise über den hellen Fußboden. In manchen Nächten kamen sie in Scharen zu ihm, in anderen war es nur eines der Wesen. Doch sie kamen immer. Vieles hatte Ernest schon ausprobiert um die Wesen zu vertreiben, denn sie quälten ihn und machten ihm große Angst. Nichts half. Es schien ihnen zu gefallen den kleinen Bären zu ärgern. Viele Nächte verbrachten sie damit ihm Alpträume zu schicken, ihn zu ärgern und ihn in den Wahnsinn zu treiben. Nach außen hin war Ernest ein fröhlicher Bär, doch in seinem Inneren war er zerfressen von den Wesen der Nacht.

Eines Tages war Ernest beim Fischen am großen Teich als er bemerkte, wie etwas im Wasser sich bewegte, das kein Fisch zu sein schien. Schnell eilte der kleine Bär zu der Stelle und fand was er vermutet hatte. Eine kleine Fee hatte sich in einem Fischernetz verfangen und drohte zu ertrinken. Behutsam befreite Ernest die Fee, welche ihn voller Freude umarmte. Sie bedankte sich bei ihm und stellte sich ihm vor. Sie hieß Jessica und gehörte zu den Obstfeen aus dem Erdbeertal. Die Fee war ein liebliches Wesen mit weißer Haut, dunklen glänzenden Haaren und zarten Flügeln. Ernest und Jessica merkten bei ihrem Gespräch am Teich das sie viel gemeinsam hatten und beide waren voneinander mehr als entzückt. Sie verbrachten den ganzen Tag am Teich und erzählten sich viele Geschichten. Ernest merkte gar nicht wie die Zeit verging, doch als es dämmerte schreckte Jessica auf und machte Anstalten sich zu verabschieden. Ernest, der sich noch nie so wohl gefühlt hatte, fragte Jessica ob sie nicht bleiben wolle. Bald würden die schwarzen Wesen kommen und es graute ihm davor wieder allein zu sein. Jessica hingegen konnte nicht bleiben. Man würde sie bestimmt schon vermissen und sich Sorgen machen. Sie musste nach Hause fliegen um allen zu zeigen das es ihr gut ging. So verabschiedete sich die Fee mit einem kleinen Kuss auf Ernest Nase und der kleine Bär hoffte sie bald wieder zu sehen.

Es dauerte vier Monate bis er Jessica erneut traf. Die Fee hatte nie beabsichtigt den kleinen Bären so lange warten zu lassen, aber sie hatte Angst gehabt vor ihren eigenen Gefühlen. Ernest, welcher nicht nur liebenswürdig, sondern auch sehr verständnisvoll war, verurteilte sie nicht. Er war sehr froh die Fee wiederzusehen. Nachdem sie erneut viel Zeit am großen Teich verbracht hatten, lud Ernest seine neue Freundin zu sich nach Hause ein. Dieses Mal versprach die Fee über Nacht zu bleiben was den kleinen Bären nur noch mehr freute. Als es Nacht geworden war, saßen die beiden in Ernest‘ Wohnzimmer und lachten. Ihre Freude wurde jedoch ruckartig unterbrochen als plötzlich alle Lichter erloschen. Ernest versicherte Jessica das nichts Schlimmes geschehen sei und das er sich um das Licht kümmern würde, doch sein Herz stolperte vor Angst. Er wusste das die Wesen zurück waren und er fürchtete das sie Jessica verjagen würden. Als er neues Licht entzündet hatte, wurden seine schlimmsten Befürchtungen wahr. Ein besonders großes und hässliches Monster waberte über der Fee und wetzte die Zähne. Zu seinem Erstaunen und vor allem zu seiner Bewunderung schien das Monster Jessica jedoch keine Angst zu machen. Vorsichtig trat der kleine Bär näher an seine neue Freundin und fragte sie nach dem Grund für ihre seltsame Reaktion. Jessica schenkte ihm daraufhin ein sanftes, aber auch trauriges Lächeln. Sie erklärte ihm, dass sie diese Wesen bereits kannte und das sie in der Vergangenheit auch öfters bei ihr zu Besuch gewesen wären. Sie berichtete das die Wesen sich von Dunkelheit ernährten, weswegen sie nur nachts kamen. Was ihnen jedoch noch viel mehr schmeckte war Angst und davon hatte Ernest so einige. Als Jessica dies sah versprach sie ihm an seiner Seite zu bleiben bis die Wesen verschwunden waren und Ernest war froh sein Geheimnis endlich mit jemanden teilen zu können.

Fortan kam Jessica jeden Tag zu Besuch und blieb bis zum nächsten Morgen. Die beiden kamen sich immer näher und schon bald wurden sie ein Paar. Ihre Liebe machte beide sehr glücklich.

Eines Tages hatte Ernest Geburtstag und Jessica machte ihm ein ganz besonderes Geschenk. Als es schon spät geworden war, überreichte sie ihm einen Stern. Sterne fielen nur selten vom Himmel, ihr Wert war unschätzbar. Ernest war erstaunt das Jessica etwas so Kostbares besaß und es ihm schenken wollte. Er zögerte lange und wollte sich weigern es entgegen zu nehmen, aber Jessica erklärte ihm das der Stern eine besondere Aufgabe hatte. Das Licht des Sterns war so hell und rein, dass es anders als herkömmliches Licht, die bösen Wesen vertreiben konnte. Zum ersten Mal fiel Ernest auf das sie vollkommen allein waren und obwohl draußen Nacht herrschte blieben ihm alle dunklen Wesen fern. Voller Freude begann Ernest zu weinen, dann zu tanzen. So lange hatte er die Dunkelheit gefürchtet, so lange war er einsam gewesen. Doch nun konnte er endlich in Frieden leben.

Viele Jahre vergingen in denen Ernest ein schönes Leben führte. Er blieb mit Jessica zusammen und die beiden sponnen ihre eigenen Geschichten. Doch eines Tages erlosch das Licht des Sterns und Ernest war in großer Angst. So viele Jahre hatte er in Frieden gelebt, so viele Jahre war er glücklich gewesen. Niemals wollte er die dunklen Wesen wiedersehen. Als er kurz vor der Verzweiflung stand, trat Jessica zu ihm. Sie umarmte ihn lange bevor sie ihm schließlich die vollständige Bedeutung des Sterns erklärte.

„Dieser Stern kommt zu denjenigen die ihn am meisten brauchen. Sein Licht soll Mut bringen und Trost spenden. Seine Kraft hält jedoch nicht ewig. Hat der Beschenkte einmal gelernt ohne Angst zu leben so ist seine Aufgabe erfüllt und er erlischt.“
Der Stern sollte ihn leiten, er war niemals dazu gedacht die Wesen zu vertreiben. Vielmehr war es seine Aufgabe gewesen Ernest zu zeigen wie stark er wirklich ist. Er sollte ihm helfen sein eigenes Licht zu finden.

Jessica erklärte ihm weiterhin das sie nie Angst vor den Wesen gehabt hatte, weil sie immer wusste das Ernest sie beschützen würde. Lange vor ihm hatte sie gesehen was für ein außergewöhnlicher Bär Ernest war. Seine Liebe, seine Gutherzigkeit, seine Wärme, sein Charme, sein Witz, seine Intelligenz. Alles Eigenschaften die ihn hell erleuchten ließen. Heller als jeder Stern war Ernest ihr von Anfang an erschienen und hatte nicht nur seine, sondern auch ihre Alpträume vertrieben. Der Stern war lediglich ein Wegweiser gewesen um Ernest wahre Stärken zu beleuchten.

Als er dies hörte verschwand Ernest Angst und er küsste Jessica behutsam.
Solange er an seine eigenen Stärken glaubte und sich selbst treu blieb, würde die Dunkelheit niemals zurückkehren. Ein warmes Gefühl durchströmte Ernest bei diesem Gedanken und fortan führte er ein vollkommen glückliches Leben.

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

Weitere Kurzgeschichten:

"Fremd"
Der Flug
Wie es weiter geht