Veröffentlicht: 24.05.2026. Rubrik: Lyrisches
Wenn das Liebe ist
Mit größter Lust und stechendem Schmerz
Wenn das Liebe ist –
warum raubt sie mir den Schlaf?
„Nein“, sagte ich mir,
immer und immer wieder.
Es hätte keinen Grund gegeben,
Ja zu sagen.
Eigentlich …
Doch ehe ich mich versah,
sprach ich dieses verhängnisvolle,
kleine und doch bedeutende Wort:
Ja.
Ja, ihn wieder in mein Leben zu lassen,
erneut getrieben
von Lust und Sucht nach Liebe.
Wieder gefolgt von Schmerz,
Trauer,
Wut
und einem Tal voller Tränen.
Der Teil in mir,
der sagte: „Lass es sein“,
schien das Risiko zu kennen,
war niemals unvernünftig.
Doch der Teufel auf meiner Schulter,
der andere Teil von mir,
wollte es so sehr –
wollte ihn so sehr,
dass ich alles vergaß,
was gewesen war.
Und in einem Moment der Schwäche
kam die Unvernunft.
Ich wusste,
dass ich wieder
dieses zweite Gesicht tragen würde,
das ich doch so hasste.
Wohl wissend,
dass ich in seinem Leben
immer nur die zweite Geige spiele.
Vielleicht wollte ich mir beweisen,
dass es diesmal anders wird,dass ich nicht mehr
von alten Gefühlen getrieben bin,
nicht mehr vom Verlangen.
Es lag doch Zeit zwischen uns –
Zeit
und ein Ende,
das mich an der Liebe zweifeln ließ.
Ich war aufgeregt,
ihn wiederzusehen.
Meine Hände zitterten.
Der Schlaf blieb aus.
Ich kannte seine Erwartungen –
und ließ es trotzdem zu.
Also setzte ich mein zweites Gesicht auf,
schob Erinnerungen beiseite
und sagte mir:
Diesmal wird es etwas Großes.
Es klingelte.
Ich öffnete die Tür –
und wir dachten wohl beide dasselbe
in diesem Moment.
Ein Lächeln
auf beiden Seiten.
Es bebte in mir,
und doch entspannte es alles ein wenig.
Es war anders.
Vertrauter.
Näher.
Kein Handschlag,
kein flüchtiger Kuss –
nur eine Umarmung.
Und sein Geruch
war wundervoll.
Der Weg war klar.
Er fragte,
mit tiefer Stimme:
„Wie geht es dir?“
Ich überlegte.
Denn egal,
was ich gesagt hätte –
es hätte den Moment zerstört.Also sagte ich:
„Wie immer. Gut.“
Dann küsste er mich –
leidenschaftlich,
überraschend –
warf mich aufs Bett.
Ich genoss es:
seine Wärme,
seinen Geruch,
den vertrauten Geschmack.
Wir lachten,
sprachen belanglos,
küssten uns wieder.
Ich sagte,
es sei vergeben und vergessen.
Dass die Umstände,
die uns trennten,
nur eine Verkettung von Emotionen waren.
Doch das sprach nur
mein zweites Gesicht.
Das darunter
war noch immer voller Schmerz.
Aber ich wollte ihn so sehr,
dass ich bereit war,
die Maske zu tragen,
die er sehen wollte.
Wir genossen unsere Treffen,
beide.
Und versuchten,
einander zu zeigen,
dass wir uns noch immer begehren.
Wir verstanden uns
auf eine Weise,
die sich nicht beschreiben lässt.
Man vergaß alles um sich herum.
Wenn das keine Liebe ist?
Sein Sternzeichen: Zwilling.
Man sagt,
Zwillinge hätten zwei Gesichter.
Trug also er eine Maske?Und ja –
der Zwilling
war nicht mein bestes Werk.
Doch ich konnte schlecht
vor jeder Begegnung fragen,
welches Sternzeichen er hat.
Vielleicht wäre es besser gewesen.
Wie diese Geschichte endete,
lässt sich kaum in Worte fassen.
Man bleibt zurück
mit Schmerz,
Selbstverachtung,
Zweifeln –
weit entfernt von dem Gedanken,
jemals wieder lieben zu können.
Doch nach einem solchen Fall
erkennst du:
Du brauchst nur ein Gesicht.
Dein eigenes.
Den inneren Schweinehund –
den gilt es zu besiegen.
„Diesmal wird alles anders.“
Wird es das?
Der größte Schmerz ist nicht,
dass es passiert ist –
sondern warum.
Niemand sprach mit dir.
Niemand verstand dich.
Nicht einmal er.
Und doch –
wir haben immer eine Wahl.
Und er entschied sich
zu betrügen.
Dieser Schmerz
sitzt tief.
Manchmal vergehen Jahre,
bis man wieder lieben kann.
Denn ist dein Herz
erst einmal gebrochen,
braucht es Zeit
zu heilen.Sieh in den Spiegel.
Sieh dein Gesicht.
Und frage dich:
Brauchst du ein zweites,
um zu gefallen?
Nein.
Ich habe gelernt,
wieder zu lieben.
Habe einen Weg gefunden,
mir selbst zu vertrauen.
Zu erkennen,
dass Liebe schön ist,
rein
und vollkommen –
und niemals
mit Schmerz verbunden sein sollte.
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