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geschrieben 2020 von Dan Prescot (Dan Prescot).
Veröffentlicht: 29.07.2020. Rubrik: Nachdenkliches


Realität - Wicca 6.1

Melissa also. Sie wohnt in dem Stadtrandgebiet, Reherweg. Von Ellens Wohnung ca. 45 Minuten. Aber das Wetter ist gut und wir wählen den Weg an der Weser entlang. Ich brauche die Zeit, um einen klaren Kopf zu bekommen. Viel Schlaf haben wir die Nacht nicht bekommen und mein Kopf fühlt sich wie in Watte gepackt an.
Nachdem wir in der 3 Etage des Wohnblocks angekommen sind, öffnet Melissa die Wohnungstür. Satt einer normalen Etagenwohnung, die ich erwarte, eröffnet sich mir eine scheinbar bunt gemischte Wohnungseinrichtung. Die Luft ist mit schweren Düften aus Duftkerzen, Räucherwerk und Ähnlichem beladen. An den Wänden hängen Bilder und Tücher, die scheinbar aus irgendwelchen Fantasy Magazinen stammen. Andere stellen Symbole aus verschiedenen Kulturkreisen dar. Irische, Indische und Chinesische springen mir ins Auge. Die Wohnung wirkt chaotisch, ist aber penibel sauber und aufgeräumt. Bücher verschiedenen Größe und Stielrichtungen verteilen sich an jeden erdenklichen Platz, ordentlich aneinandergestellt. Der Eindruck von Unentschlossenheit drängt sich auf.
„Schön das ihr gekommen seid. Andreas kann manchmal voll daneben sein. Setzt euch.“
Melissa macht einen aufgeregten Eindruck. Anders als gestern. Unbeholfen folgen wir ihr in die Wohnung. Während wir uns eine Sitzgelegenheit suchen, stellt sie Gläser und Flaschen mit verschiedenen Inhalten auf den Tisch.
„Ähm ja, ich habe verschieden Säfte und Wasser. Was möchtet ihr?“
„Ich nehme Wasser.“
„Für mich auch.“
Wir warten. Sie schenkt ein.
„Du hast gestern gesagt, du hast einen anderen Verlauf des Unglücks in Erinnerung?“
Ich nickte.
„Macht es dir etwas aus, mir zu erzählen wie deine Version aus der Erinnerung ab-gelaufen ist?“
Ich habe erwartet das sie mich dazu auffordert.
„In meiner Erinnerung bin ich schon aus dem Zug raus, als eine Explosion mich trifft.“
Melissa sieht mich konzentriert an, wartet darauf das ich fortfahre.
„Ich hatte den Türöffner gedrückt, der Zug stand am Gleis und ich bin bis kurz vor der Unterführung gelangt. Dann traf mich eine Druckwelle und ich landete in der Unterführung.“
Ich spüre wie Ellen meinen Arm drückt, zur Unterstützung.
„In dem Waggon saßen weitere acht Leute. Unter anderem die Studentin.“
Ich fixiere Melissa.
„Warum ist Sie nicht ausgestiegen? Ich meine, sie wohnte doch in Hameln. Das spricht natürlich dafür, dass meine Erinnerung falsch ist.“
„Aber das glaubst du nicht, richtig?“
„Ich habe keinerlei Erinnerung an eine Entgleisung. Wenn der Zug so schnell war, wie es durch die Zerstörung aussah, sollte da nicht Panik unter den Passagieren ausbrechen? Sollte nicht irgendjemand die Notbremse ziehen? Ich meine der Zug entgleiste im Hamelner Bahnhof!“
Ich merke wie ich immer lauter werde. Um mich zu beruhigen greife ich zum Glass und nippe daran. Eine Kunstpause.
„Sind beide Versionen gleich stark in deinen Erinnerungen?“
„Nein, ich erinnere mich nur an die Variante mit der Explosion.“
„Ja stimmt, sagtest du ja. Weißt du, der öffentliche Teil der Katastrophe belegt eindeutig eine Entgleisung. Das habe ich nachgeschaut. Ich glaube nicht das irgendwo etwas anderes belegt wird.“
Melissa hält kurz inne.
„Da werden wir nichts neues erfahren. Aber, es gibt jemanden, der genau weiß was passierte. Einen Augenzeugen!“
Ich bin wie vor dem Kopf gestoßen. Noch jemand?
„Wer?“
„Du.“
„Komm schon! Was soll das werden? Ich habe ein echtes Scheißjahr hinter mir. Und jetzt kommst du und willst mir erzählen ich muss nur genügend nachdenken, um die Lösung zu erhalten?“
Ellen steht auf und ist ziemlich angesäuert.
„Melissa, echt jetzt? Los, Laurent lass uns gehen.“
„Wartet, was ich euch vorschlagen will ist eine Rückführung. Unter Hypnose.“
Ich zögere einen Augenblick.
„Hör zu, ich war ein halbes Jahr in Behandlung, um das alles zu überwinden. Vielleicht war es ein Fehler hierher zu kommen.“
„Ich verstehe das. Lass dir Zeit, denke in Ruhe darüber nach.“
„Was hast du davon? Warum hängst du dich da so rein?“
„Als du von deiner Geschichte erzählt hast, hat das mein Interesse geweckt. Ich habe von einem ähnlichen Fall gelesen, der mich sehr faszinierte.“
„Ja, nur das das hier keine Geschichte ist, sondern mein Leben.“


to be continued

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