Veröffentlicht: 13.05.2026. Rubrik: Menschliches
Hoffnung
Es regnet ...
Trotzdem sitze ich eng an die Hauswand gelehnt, auf einer feuchten alten Decke,
am Jungfernstieg.
So sehr ich mich auch an die Hauswand presse, meine Schuhe werden nass.
Hastig eilen die Passanten mit Regenmänteln und Schirmen bestückt, an mir vorbei.
Hin und wieder streift mich ein mitleidiger Blick und manchmal fallen sogar ein paar Münzen in meinen Hut.
Meine Gedanken schweifen ...
" Kurt, ich werde mich scheiden lassen !"
Das waren die Worte von Gerda meiner geliebten Ehefrau.
" ich habe einen anderen Mann kennengelernt. Such du dir mal eine andere Wohnung ich bleibe mit den Kindern hier wohnen."
Die Sonne erlosch, mein Denken setzte aus. Zittern griff ich nach meiner Jacke und verließ die Wohnung.
Wohin jetzt?
Ganz normal morgen früh zur Arbeit gehen?
Nein!
Ich lief und lief bis ich erschöpft auf einer Bank zusammenbrach .
Tief verletzt!
Diese Bank wurde mein neues zu Hause.
Mein weniger Besitz passte in zwei Plastiktüten.
Schon nach kurzer Zeit bemerkte ich dass ich ungepflegt und verschmutzt war ich mochte meinen Blick nicht mehr heben, zu groß die Angst in bekannte Augen blicken zu müssen.
Ich versank in Einsamkeit.
So saß ich Monat für Monat, im Sommer und im Winter auf einer Decke und erbettelte mir ein wenig Geld welches mir ein dürftiges Leben als Berber sicherte.
Hin und wieder hielt vor mir ein Kleinbus der Caritas.
Silke und ein junger Mann verteilten gespendete Dinge Decken, Luftmatratzen, heiße Suppe, Obst und Brot.
Mein Herz schlug immer ein bisschen schneller wenn ich Silke sah.
Bildete ich es mir nur ein dass auch sie mir aufmerksame und liebevolle Blicke zuwarf als sie mir wie zufällig über den Arm strich ?
Was wäre wenn ??
Wäre es denkbar wieder eine Frau an der Seite zu haben? Hoffnung als winzige Flamme gelomm auf.
Neue, alte Wege müsste ich gehen ...
Eine Wohnung, Arbeit ...
Ob das möglich wäre ?
Am nächsten Tag ging ich ins Schwimmbad.
Weg mit dem Schmutz !
Der Blick in den Spiegel erfreute mich ,
sah ich doch endlich einen lang Vermissten wieder.
Die Kleiderkammer versorgte mich mit ordentlicher Kleidung und ich konnte meine Mitmenschen wieder anblicken.
Auch ich wurde wieder gesehen.
Wie würde Silke auf mich reagieren? Würde sie sich von mir auf ein Käffchen einladen lassen?
Ihre Zuneigung hatte mich wachgerüttelt !
Egal was weiter geschehen würde,
ich konnte wieder hoffnungsvoll in meine Zukunft gucken.
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