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3xhab ich gern gelesen
geschrieben von Dirk Hoffmann.
Veröffentlicht: 15.05.2026. Rubrik: Unsortiert


Faust an der Kasse

Supermarktkasse, Kunde steht ungeduldig an


„Hab nun ach, mit heißem Bemühen viel studiert
und auch noch ganz andere Sachen ausprobiert.
Gott und Satan haben um mich gewettet,
glaubt ihr, das hätte mich gerettet?
Nein, dieser unscheinbare Supermarkt
ist nun meine eigne Höllenfahrt.“

„Ich finde sehr komisch, wie Sie sich verhalten.“

„Ihr naht euch wieder schwankende Gestalten!
Mit Euren prall gefüllten Einkaufswagen,
werdet Ihr mich armen Kassierer plagen.
Der Magie hatte ich mich ergeben,
ließ einen Erdgeist sich erheben.
Das Rätsel aller Existenz wollte ich besiegen,
stattdessen muss ich hier Gemüse wiegen.

„Würden Sie jetzt bitte mit dem kassieren anfangen?“

„Junger Freund, Ihr müsst nicht mehr bangen,
seht nur, das Band wie es rollt,
mit allen Waren, die Ihr gewollt.
Mit flinker Hand, schnell her und hin,
kann ich sie über den Scanner zieh´n.“

„Könnten Sie sich damit bitte etwas beeilen, ich habe nicht viel Zeit.“

„Ihr habt ja recht, schon ist´s soweit.
Grünkohl, Toastbrot, Hundefutter,
Bockwurst, Äpfel, Halbfettbutter.
Schmackhaft, sicher. Wunderbar.
Aber auch so schrecklich lapidar.“

„Das ist halt Ihr Job, haben Sie denn gar keinen Spaß daran?“

„Nein, ich bin ein ausgesprochener Lebemann.
Auch wenn mich stets sehr viele Sorgen plagen,
so darf ich doch zum Teufel Kumpel sagen.
Mit Hexen feierte ich schon bis zum Morgenrot.
In Auerbachs Keller? Da habe ich Hausverbot!
Ein Mädchen ließ mein Herz freudig erbeben.
Ihr störrischer Bruder? Tod durch meinen Degen!
Und nach so manch durchwachter Nacht,
hab ich dann das Gretchen klargemacht.“

„Meine Güte, sind Sie anstrengend, das interessiert mich alles nicht.“

„Natürlich, hier im ach so kalten Neonlicht,
da ist gar nichts mehr von Interesse,
außer dem, was ich vielleicht noch heute esse.“

„Sie haben völlig recht und ich würde jetzt gern bezahlen."

„Denkt Ihr das erlöse mich von meinen Qualen?
Ihr seid hier nicht allein, mein Herr,
hier wogt ein sturmgepeitschtes Kundenmeer,
dessen Fluten sich schäumend über mich ergießen,
bis wir den Laden heute Abend schließen.“

„Beim nächsten Mal gehe ich an die SB-Kassen.“

„Das solltet Ihr nun aber lieber lassen.
Wo Menschen sind wird auch viel gelacht,
die Fehler sind noch handgemacht
und vermutlich des Lebens ganzer Sinn
verbirgt sich irgendwo darin.“

„Das ist jetzt wirklich totaler Quatsch und ich finde es auch nicht gut gereimt.“

„Ihr seid wohl der Kunde, der stets verneint.“

„Also, mit ihnen hat man es wirklich schwer.“

„Das macht achtzehn zwanzig, bitte sehr.“

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