Veröffentlicht: 17.05.2026. Rubrik: Fantastisches
Die Hexenakademie, Teil 3
Kapitel 5: Der Unterricht
Am Abend vor dem ersten Schultag war es für Clara nicht leicht, in den Schlaf zu finden. Erst als ihr Geist beruhigende Magie zu ihr schickte, gelang es ihr endlich, das Grübeln zu unterbrechen und die Augen zu schließen. Als sie von einer Gedankenstimme geweckt wurde, musste sie sich erst orientieren. Felicia saß auf ihrem Bett, und sofort wusste Clara wieder, wo sie sich befand. "Es ist Zeit zum aufstehen!", rief die Eule, und das Mädchen erhob sich langsam. Sie öffnete die Tür und fand ein kleines Badezimmer vor. Wenigstens musste sie sich dieses nicht mit anderen Mädchen teilen. Schnell wusch sich Clara und spritzte sich dann kaltes Wasser ins Gesicht, um noch munterer zu werden. Danach trat sie aus ihrem Zimmer und ging den langen Gang entlang bis zum Speisesaal. Dort saßen schon mehrere Mädchen unterschiedlichen Alters an mehreren Tischen. Gerade waren sie noch in Gespräche vertieft, doch als Clara in den Raum trat, verstummten diese sofort. Clara spürte zahlreiche abschätzige Blicke auf ihr, und auf einmal kam sie sich klein vor. Suchend ging sie durch den Raum, um einen Tisch zu finden, an welchem Platz war. Es gab vier Tische zu je vier Hexen, und alle von ihnen waren schon besetzt. Karola kam lächelnd auf Clara zu und bot ihr einen Platz an ihrem Tisch an. "Schon wieder bin ich ein Außenseiter", dachte sie sich, doch es war besser als nichts. Karola war ihr gegenüber wenigstens nicht voreingenommen. Also setzte sie sich und begann zu Essen. Als sie damit fertig war, ging die Tür auf, und Saphira stand davor. Schnell erhob sich Clara und trug ihr Geschirr zur Spüle, bevor sie den Raum verließ. Die Hexenmeisterin bedeutete ihr mit einer stummen Geste, mitzukommen. Sie verließen das Quartier und spazierten einige Minuten durch den Wald, bevor ein verstecktes Hexenhaus zum Vorschein kam. Clara staunte über die Einrichtung des Hauses. An einer Wand stand ein Regal, welches voll mit Beuteln war, aus welchen unbeschreibliche Düfte drangen. Am Herd stand ein Kessel, welcher derzeit aber nicht benötigt wurde. In einem anderen Regal standen Reagenzgläser und Phiolen. Den Boden bedeckte ein großer Teppich, und darauf saß ein schwarzer Kater, welcher Clara sofort misstrauisch musterte. "Selbst Tiere haben Angst vor mir", ging es ihr durch den Kopf. Claras Staunen wurde noch größer, als sie mitten auf einem Tisch ein weißes Tuch erblickte, auf welchem sich eine schimmernde Kristallkugel befand. "Diese Kristallkugel ist nur für den jeweiligen Hexenmeister gedacht", erklärte Saphira mit grimmiger Miene. "Ich kann damit in die Zukunft oder in die Vergangenheit sehen." Eine Tür öffnete sich, und eine noch junge Frau kam heraus. Sie bedachte Clara mit einem flüchtigen Blick und winkte Saphira zu. "Das ist Astasia, meine Tochter. Guten Flug, Astasia." "Danke", erwiderte die Hexe und stieg auf einen Besen. Mit einem Zauberspruch öffnete sie das Fenster und flog aus dem Haus.
Kapitel 6: Der erste Hexenspruch
Saphira öffnete eine Tür und geleitete Clara in ein Zimmer. Scheinbar handelte es sich dabei um eine Bibliothek, denn überall reihten sich Bücherregale aneinander. "Hier werden wir den theoretischen Unterricht durchführen", erklärte Saphira und deutete auf einen Stuhl. Als sich Clara setzte, sah sie ein besonders dickes Buch auf dem Tisch liegen. "Buch der Hexensprüche" stand darauf. "Ich möchte, dass du den ersten Spruch erlernst und ihn dann sprichst", befahl die Hexe, und Clara schlug das Buch auf. Der erste Spruch konnte Licht erzeugen. Nachdem Clara sich den Spruch eingeprägt hatte, legte sie die linke Hand auf ihr Herz, wie sie es bei anderen Hexen gesehen hatte. Dann murmelte sie den Spruch, und eine Kugel aus Licht schwebte über ihr. "Gut", meinte Saphira. "Mach es rückgängig." Auf der zweiten Seite stand zum Glück der richtige Spruch dafür, und Clara sprach ihn. Sofort war das Licht verschwunden, und Saphira nickte. Clara musste diese Sprüche noch dreimal sprechen, bevor die Hexenmeisterin den zweiten Spruch verlangte. Nach etwa einer Stunde hatte Clara drei Sprüche gelernt. "Hast du eine Idee, weshalb die Hexen beim Zaubern ihre Hand aufs Herz legen?", fragte Saphira. Clara grübelte, doch schließlich schüttelte sie den Kopf. "Das Herz ist die Tür zur Hexenkraft. Im Gegensatz zu Schamanen, bei welchen die Kraft im Geist schlummert, ist unsere Kraft in unserer Seele und damit in unserem Herz zu finden." Ärger stieg in Clara auf, da Saphira das Wort "Schamanen" so abfällig betont hatte. Sie schob das Gefühl beiseite, als die Hexenmeisterin ein neues Buch auf den Tisch legte. "Geschichte der Hexen", las sie vor. Saphira nickte. "Ich möchte, dass du bis morgen die ersten fünf Seiten im Geschichtebuch auswendig lernst. Ich werde dich prüfen, schließlich dürfen wir keine Zeit verlieren, da du viel zu spät zu uns gekommen bist." Sie nahm noch ein Buch aus einem Regal. Es handelte von Kräutern und Tränken. "Dieses Buch brauchen wir erst später, aber nimm es schon einmal mit und gib auf die Bücher Acht. Diese sind sehr wertvoll." Mit diesen Worten wurde Clara aus dem Unterricht entlassen.
Fortsetzung folgt
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