Veröffentlicht: 14.05.2026. Rubrik: Fantastisches
Das Hexenamulett, Teil 3
Kapitel 5: Ein Besuch
Nachdem Clara und ihre Schwester mit dem Frühstück fertig waren, brachte ihre Mutter Lisa zur Schule, während Clara alleine den Schulweg antrat. Zu ihrer Freude kam Agorius mit. Schließlich musste er ihr immer auf Schritt und Tritt folgen, um seinen Pflichten nachgehen zu können. Nachdem Michaela von Clara eine Nachricht erhalten hatte, dass sie gut in der Schule angekommen war, kümmerte sie sich um den Haushalt. Ihr Mann verdiente genug Geld, sodass sie selbst Hausfrau sein konnte. Die Arbeit ihres Mannes hatte leider den Nachteil, dass er nur an den Wochenenden und spät Abends zu Hause war. Leider jedoch konnte sich Michaela an diesem Tag nicht so entspannen wie sonst, denn der Streit mit Clara hing ihr noch lange nach. Immer wieder fragte sie sich, ob es keine anderen Möglichkeiten gegeben hätte, als das Amulett an Claras Hals zu befestigen, doch sie hatte zu viel Angst vor der Entwicklung der Kräfte. Nachdem sie ein wenig geweint hatte und es ihr nun besser ging, ging sie einkaufen, um Clara zur Wiedergutmachung ihr Lieblingsessen kochen zu können. Michaela hoffte, dass sie den Streit damit beilegen konnte. Als sie schon dabei war, Wasser aufzusetzen, klingelte es an der Tür. Ein alter Mann stand davor und blickte Michaela freundlich an. "Entschuldigen Sie, aber könnte ich bitte ein Glas Wasser haben? Ich bin auf dem Weg nach Hause zurück, und mir geht es gerade nicht gut." Er stützte sich auf eine Krücke, und Michaela hatte Mitleid. Sie ließ ihn in die Wohnung und holte ein Glas Wasser. Als der Mann es ausgetrunken hatte, lächelte er dankbar. Bevor sich Michaela von ihm verabschieden konnte, wurde sie von hinten gepackt und auf einen Stuhl gedrückt. Als der Mann sich ihr gegenübersetzte, verschwamm er kurz vor ihren Augen. Michaela schrie laut auf, als sie das Wesen sah, welches plötzlich aufgetaucht war. Es hatte nichts mehr gemein mit diesem alten Mann und schien gar keinen Körper mehr zu haben. Das Hervorstechendste waren die rotglühenden Augen, mit denen es Michaela anstarrte. Als Hexe wusste sie ganz genau, um was es sich handelte, einen Geisterdämon, ein sehr mächtiger noch dazu. Dies erkannte sie an seiner magischen Aura. "Wo ist Clara?", fragte das Wesen mit einer unnatürlichen Stimme. Michaela biss die Zähne zusammen. Sie würde diesem Geist ganz bestimmt nicht sagen, wo ihre Tochter war. "Wo! ist! das Mädchen!", rief der Geisterdämon, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. "Du kennst das Spiel. Geisterdämonen siegen über Hexen!", rief der Dämon verärgert. Michaela öffnete den Mund und murmelte einen magischen Hexenfluch. Der Geisterdämon stieß ein lautes, belustigtes Lachen aus. "Ein Hexenfluch! Glaubst du wirklich, du kannst einen Dämon mit Flüchen vernichten? Hast du denn in der Hexenakademie nichts über Dämonen gelernt?" Michaela knurrte. Natürlich wusste sie, dass Dämonen nahezu unverfluchbar waren, doch sie musste es versuchen. "Wenn du mir die Antwort nicht freiwillig gibst, werde ich es eben selbst herausfinden müssen", meinte der Dämon, und plötzlich spürte Michaela eine dämonische Aura in ihrem Geist. Als Hexe war sie solchen Mächten machtlos ausgeliefert, und so erfuhr der Dämon, dass Clara sich in der Schule befand. "Danke", sagte er mit einem Lächeln. "Du verstehst sicher, dass ich dich in einen magischen Schlaf versetzen muss. Schließlich wollen wir nicht, dass du deine Tochter warnst oder die anderen Hexen und sogar Schamanen zur Hilfe rufst!" Sofort spürte die Mutter eine übermächtige Müdigkeit, welche sich in ihrem Körper und Geist ausbreitete.
Kapitel 6: Die Entwicklung der Kräfte
Unruhig rutschte Clara auf ihrem Stuhl herum und blickte zum Fenster. Ein unbestimmtes Gefühl sagte ihr, dass sie so schnell wie möglich nach Hause musste. Auch Agorius hatte dieses seltsame Gefühl, und als der Lehrer für kurze Zeit nicht hinsah, lief das Mädchen schnell aus der Klasse. Als sie beinahe zu Hause eingetroffen war, hielt der Geist sie zurück. "Ich spüre einen Geisterdämon", murmelte er. Clara bekam es mit der Angst und sah sich um. "Dein Geisterfreund hat ganz Recht!", rief eine Stimme, und ein geisterhaftes Wesen näherte sich. Sofort wusste Clara, dass dieser Geisterdämon aus negativer Schamanenenergie bestand. "Ich will deine Kräfte, kleine Schamanin!", rief der Dämon. Plötzlich spürte Clara einen fremden Geist in ihrem eigenen. Für einen Moment verspürte sie große Angst, doch dann spürte sie, wie Agorius sich zwischen sie und den Dämon stellte und ihre Seele beschützte. "Der Dämon hat es auf deinen Geist und deine Seele abgesehen! Ich werde versuchen, dich davor zu bewahren." Der böse Dämon hob eine Geisterhand, und Agorius wurde weggeschleudert. Aus irgendeinem Grund wusste Clara zwar, dass Geister nicht sterben konnten, doch sie hatte dennoch Angst um ihren Freund. Plötzlich passierte etwas in ihr. Es fühlte sich an, als würde eine Tür in ihrem Geist sich öffnen, und sie spürte die magische Energie des Dämons. Ein seltsamer Gedanke, welchen sie nicht verstand, jagte durch ihren Kopf. "Entzieh ihm die Magie!" Clara überlegte nicht lange, sondern tat, was ihre Gedanken befahlen. Sie ergriff die Energie des Dämons und zog mit aller Macht daran. Der Geisterdämon versuchte noch, sich vor dem Angriff zu schützen, doch Clara war schneller. Als seine Energie vollständig in ihren Geist gesogen war, zerfiel die geisterhafte Erscheinung, und Agorius blickte die Schamanin fassungslos an. "Wie ... kann das sein! Du hast deine Kräfte entwickelt, und noch viel mehr als das. Ich habe noch keinen Schamanen gesehen, welcher es vollbracht hat, Energie zu entziehen!" Clara atmete tief durch, und ihre Hände zitterten. Sie verspürte vor sich selbst ein wenig Angst. Was hatte sie getan? Hatte sie mit dem Entzug von Energie tatsächlich einen Dämon getötet? Kaltes Grauen packte das Mädchen, welches geistig schon so reif, jedoch emotional noch immer eine Zehnjährige war. Die Angst, sie könnte es wieder tun, machte sich in ihr breit. "Du musst nun bei Verstand bleiben", mischte sich Agorius in ihre Gedanken. "Denn du musst nun lernen, deine Schamanenkräfte zu kontrollieren."
Fortsetzung folgt
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