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geschrieben 2026 von Catarina (Catarina).
Veröffentlicht: 14.06.2026. Rubrik: Märchenhaftes


Der Bausparvertrag

Frau Weinberg lebte seit Jahren in einem Häuschen, das man ganz vorsichtig ausgedrückt als „kompakt“ bezeichnen konnte. Oder um es auf den Punkt zu bringen: es war ein Tiny House. Und so überlegte sie, ob sie sich ein neues Haus leisten könnte und kroch zur örtlichen Bankfiliale. Es dauerte drei Tage, aber sie kam an. Der Bankberater, Herr Eule, ein Mann mit Brille und dem Gesichtsausdruck eines Zahlenmenschen, bemerkte sie erst, als sie sich mit einem „Ähem“ räusperte.

„Oh!“, sagte Herr Eule. „Kann ich… Ihnen helfen?“

„Ich möchte einen Bausparvertrag“, erklärte sie. „Für ein neues Haus.“

Herr Eule blinzelte. „Nun… ähem… also …Sie haben doch schon ein Haus.“

„Ja“, sagte Frau Weinberg, leicht verschüchtert. „Aber ich hätte gerne ein größeres. Vielleicht mit Wintergarten und einer zweiten Etage - für Gäste.“

Der Bankberater schaute über den Rand seiner Brille, nickte langsam und sagte: „So, so. Mal sehn, was ich für sie tun kann. Ich bräuchte zuerst einmal Ihren Ausweis.“

Frau Weinberg schob ihm ein winziges, sorgfältig laminiertes Blatt hin. Darauf stand:
Name: Weinberg, Schnecke
Beruf: Gärtnerin
Wohnort: Mobil

Herr Eule starrte darauf, verglich das Foto mit Frau Weinberg, dann wieder auf das Blatt und sagte: „In - ähem - Ordnung. Wie viel möchten Sie, äh, denn monatlich einzahlen?“

„Einen Salatkopf“, sagte Frau Weinberg. „Oder zwei, wenn’s ein guter Monat ist.“

„Wir… wollten aber nur Geld“, antwortete Herr Eule, wobei er seine Verwirrung nicht verbergen konnte.

„Ich auch“, sagte Frau Weinberg. „Aber Salat mag ich noch lieber.“

Nach einer langen Pause, in der Herr Eule vermutlich die „Versteckte Kamera“ suchte, tippte er schließlich etwas in seinen Computer und entgegnete: „Na… gut. Ich mache Ihnen, ähm, ein Sondermodell. Langfristig – seeehr langfristig.“

„Wie langfristig?“

„Sagen wir… ähem - 120 Jahre.“

„Perfekt“, sagte Frau Weinberg. „Ich habe es ja nicht eilig.“

Unterschrieb, bedankte sich höflich und machte sich auf den 3-tägigen Rückweg. Sie war überglücklich. Jetzt hatte sie einen Bausparvertrag und eines Tages – irgendwann – würde sie sich ihren Traum erfüllen: Ein großes Haus mit Wintergarten. Und einer zweiten Etage, für Gäste.

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