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6xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Catarina (Catarina).
Veröffentlicht: 23.06.2026. Rubrik: Satirisches


Das liebe Geld

Früher,
als Kneipen noch Kneipen waren,
kam der Lohn nicht per Klick,
sondern per Knister.
In einer Tüte.
Bruttolohn, Abzüge, Nettolohn –
alles fein säuberlich draufgekritzelt,
damit der Arbeiter gleich wusste,
wie viel er hat
und wie viel er hätte haben können,
wären da nicht diese lästigen Abzüge.
Und dann kam der Heimweg.
Der gefährlichste Teil des Monats,
vor dem viele Frauen ihre Männer „beschützten“
und bereits am Tor der Firma auf sie warteten.
Damit den Männern nichts passiert -
oder war es die Lohntüte?
Egal, denn einige durften auch
ohne Begleitschutz den Heimweg antreten.
Und dann standen sie da,
mitten auf dem Weg,
die Tempel der Versuchung,
mit ihren Türen,
und Zapfhähnen
weit offen,
und den Händen der Wirte
und in kurzer Zeit
schien sich der Nettolohn zu verflüchtigen.
Verdunstet,
wie der Schoppen im Glas.
Und was blieb,
war ein nett gemeinter Gruß
an die Familie.
Doch dann kam die Rettung,
die 60er Jahre,
und mit ihnen die Banken,
die sagten: „Gib her, wir machen das jetzt.“
Die Lohntüte verschwand,
aber der Begriff blieb.
Und jetzt musste Mann zur Bank,
um an sein Geld zu kommen,
zu Öffnungszeiten,
die exakt dann waren,
wenn er arbeiten musste,
aber die Frau nicht.
Ätsch.
Geldautomaten waren noch Science-Fiction.
Onlinebanking Hexerei.
Aber es galt überall:
„Nur Bares ist Wahres!“
Außer im Dorf,
wo man anschreiben ließ,
wenn am Ende des Geldes
noch ein Stück Monat übrig war.
Der Kaufmann schwitzte,
der Kunde lächelte,
und beide wussten:
Das hier ist ein Tanz auf dünnem Eis.
Mal schaun, wer als erster einbricht.
Die Banken bewiesen,
dass sie kreativ sind
und führten den Euroscheck ein,
die EC-Karte,
die Automaten,
Filialen,
die wieder verschwanden,
und Innovationen,
kamen und gingen
wie Wahlversprechen in der Politik.
Und plötzlich verdienten Autohersteller
mehr an Raten als an Autos.
Sogar Urlaubsreisen gab’s auf Pump,
Onlinehandel sowieso,
und die Leute verwechselten
Soll mit Haben.
Es galt nur noch die Devise:
„Haben-wollen.“
Und wir erkennen,
dass Geld auch heute noch das ist,
was es immer war:
Eine Grundrechenart.

counter6xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Rika am 23.06.2026:
Kommentar gern gelesen.
Eine sehr nachdenkliche Geschichte. Hab ich gerne gelesen.




geschrieben von Angricolan am 23.06.2026:
Kommentar gern gelesen.
Freitag ab 16Uhr, stand Frau Schwalzeck wartend am Firmentor, nahm ihrem Uwe die Lohntüte ab, reichte ihm dann sein Taschengeld für die nächste Woche.
Alle die es sahen lachten oder schüttelten den Kopf. Sie wussten nicht was Er tat, warum später geschieden war. Wir schreiben das Jahr nach meiner Tagebuchaufzeichnung 1964, als es noch die erwähnten Lohntüten gab.
Warum unterschlägst du die Abzüge für die christliche Kirche? So vor Augen gab es immer wieder Austritte bis heute.
Das Zauberwort * auf Kredit * schenkte den Frauen heimliche Freiheiten und Männern die Armut am Ende.
Realismus ist keine Satire im weiten Sinne.
Beste Grüße




geschrieben von Catarina am 23.06.2026:

Lieber Angricolan
Satire ist "Lachen mit Dornen", eine Überzeichnung. Die Kirchensteuer ist natürlich in den Abzügen enthalten.
Ratenkauf ist "geschlechtsneutral", es trifft Männlein wie Weiblein. Frauen habe ihr eigenes Konto und stürzen nicht die Männer ins Verderben, sondern sich selbst.
LG
Catarina





geschrieben von Angricolan am 23.06.2026:

Darf ich einmal zu deinen Worten Widerspruch einlegen? ( klar darf ich es)
Aufgelistet sichtbar war damals die Kirchensteuer und wenn es noch Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld dazu gab dann....fielen Worte, später Endscheidungen.
2. Es gibt mehr Männer die von Ehefrauen ausgenommen wurden, als andersrum. Gefährdet waren da Bundeswehrangehörige bei Auslandseinsätzen. Ich kannte einen der zurück in eine leere Wohnung kam und Sie die Scheidung einreichte. Er fing bei Null an mit Schulden von der Ehefrau.
Anderes Beispiel: Geschäftsleute schützen ihr Privatvermögen und eine reiche EX bleibt am Ende zurück.
Ein satirischer Kommentar.

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