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geschrieben 2026 von Catarina (Catarina).
Veröffentlicht: 26.06.2026. Rubrik: Historisches


Ach du heiliger Strohsack

Man sagt ja,
Stroh sei wertlos.
So ein Sinnbild für Nichts.
Für Leere.
Für:„da oben ist das Echo besser als am Königssee.“
Strohmann,
Strohwitwe,
Stroh im Kopf,
dumm wie Bohnenstroh,
- offenbar zu nichts zu gebrauchen
und als hätte jeder einzelne Halm versagt

Komisch eigentlich.
Denn während wir so tun,
als wäre Stroh nur der „Vollhorst“ unter den Pflanzen,
hat es uns jahrhundertelang den Hintern gerettet.
Im Stall,
im Bett,
an den Fenstern im Haus,
beim Fachwerk,
im Brauchtum.
Aber Hauptsache, wir können Sprüche klopfen.

Nehmen wir den Strohmann:
früher ’ne Puppe für Kampfspiele,
heute ’ne Puppe fürs Geschäftsleben.
Ein vorgeschobener Kopf,
damit der wahre Boss sauber bleibt.
Stroh als Tarnkappe.

Oder dieses: „Dumm wie Bohnenstroh“.
Als wäre Armut gleich Dummheit,
denn wer sich keinen Strohsack leisten konnte,
der musste - zwangsläufig - blöd sein.

Ok, Stroh brennt schnell
und erklärt das Strohfeuer:
heiß, kurz und sinnlos.
Aber,
Stroh hat hart gearbeitet,
sein ganzes „Leben“ lang.
Im Stall,
als Einstreu,
warm,
saugfähig,
Und wenn’s durchgeweicht war,
ging’s auf den Misthaufen
und der war ein Statussymbol.
ein Turm aus Fäkalien und Stroh.
„Aus Scheiße Geld machen“
Das war kein Spruch,
das war ein Geschäftsmodell.
Wer sich viel Vieh leisten konnte,
war reich und hatte auch viele Äcker.
Für viele Äcker brauchte es viel Mist.
Mit viel Mist konnte man viel düngen
und am Ende viel ernten.
Und so wurde aus Scheiße das Geld.
Im Haus gab es Strohsäcke statt Matratzen,
wenn sie zu hart wurden,
warf man sie einfach aus dem Fenster.
Nicht aus Trotz,
aus Pragmatismus.
Das alte Stroh?
Ab in den Stall.
Recycling,
bevor wir das Wort überhaupt buchstabieren konnten.
Stroh ist nur für die wertlos,
die nicht erkennen,
dass Stroh und Menschen
sehr oft etwas gemeinsam haben:
sie werden verkannt,
und sind trotzdem unverzichtbar.

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