Veröffentlicht: 25.06.2026. Rubrik: Menschliches
Pfui Spinne
Ich war ein Kind
mit einem täglichen Himmelfahrtskommando:
Plumpsklo,
am Ende des Hofes.
Keine sanitäre Wohlfühloase,
sondern ein Outdoor Escape Room,
mit Frostbeulen-Garantie im Winter
und eingebautem Endgegner.
Er lauerte dort,
achtbeinig,
rieisg,
schwarz,
der Schattenkrieger des Hinterhofs.
Spinnen.
Nicht diese:
„Oh, die tun doch nix“-Version,
Ne, ne,
eine Spezialeinheit
der „Operation Plumpsklo“.
Getarnt in Netzen,
bereit zum Zugriff,
falls ein Kind
mit nacktem Po
nicht aufpasst.
Meine gleichgültige Familie betete mir vor:
„Ach Kind, die sind doch harmlos.“
Mein Vater nimmt,
für Demozwecke,
eine Spinne
und lässt sie über den Arm laufen,
ungeachtet der Tatsache,
dass es sich um ein achtbeiniges Monster,
mit Vampirlizenz handelt.
Ich hatte mit eigenen Augen gesehen,
wie eine Fliege im Netz grausam verendete,
ausgesaugt
wie ein Capri-Sonne-Beutel.
Und ich wusste:
Das kann auch mir blühen,
sobald ich sitze,
wehrlos,
mit nacktem Popo.
Ende Gelände.
Ich lass mich doch nicht für dumm verkaufen.
Dann zogen wir um.
Ins Paradies.
Mit Toilette im Haus.
Warm,
hell,
spinnenfrei-
dachte ich.
Meine Mutter bestand darauf,
dass wir immer durch den Keller gehen.
„Wegen der Straßenschuhe.“
Klar
Wegen der Schuhe.
Was sie aber nicht sagte:
Im Herbst marschiert dort die Erste Spinnenbrigade ein
und hält ein Manöver ab.
Noch größer.
Noch schwärzer.
Noch gefährlicher.
Die Delta Force der Kellerbewohner.
Ich schwöre:
Die hatten Stiefel an.
Ich hörte sie.
Knobelbecher im Gleichschritt.
Tschak tschak tschak tschak.
Acht Beine.
Ein Marsch.
Eine Mission.
Aber ich war schneller.
Denn eins ist klar:
„Mich erwischen sie nicht!
Auch wenn sie sechs Beine mehr haben als ich.“
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