Veröffentlicht: 24.06.2026. Rubrik: Nachdenkliches
Sommer
Der Hochsommer ist da,
unangemeldet,
wie eine böse Schwiegermutter,
die sagt:
„Überraschung,
ich bleibe bis Oktober.
Das ist doch ok – oder?“
Selbst die Luft bekommt bei dieser „Androhung“ Schweißperlen
und die Kleidung klebt am Körper,
wie eine zweite Haut.
Angstschweiß,
kalter Angstschweiß,
tränkt sie.
Nur die blonde Nachbarin jubelt:
„Herrlich, so kann es bleiben“
und glaubt, Hitze wäre ein
Thema für Smalltalk.
Oberflächlich,
belanglos wie ein Backrezept.
Sie überhört den Warnschrei der Natur
genau wie den Hilferuf des Nachbarn,
der im Garten zusammenbricht.
Herzinfarkt.
„Alles halb so schlimm.
Das wird schon wieder,“
sagt sie
und pfeift ein lustiges Lied.
Der Planet brennt,
länger,
heißer,
unerträglicher.
Nur die blonde Nachbarin denkt:
das ist einfach nur „schönes“ Wetter.
Die Böden lechzen nach Wasser,
wie die an Land gespülten Fische.
Die Felder
werden zu Friedhöfen
verlorener Ernten.
Bäume werfen ihre Blätter ab,
nicht weil der Herbst kommt,
sondern weil sie aufgeben.
Und während an einer Stelle alles austrocknet,
bricht anderswo der Himmel auf.
Wolken reißen wie Dämme
und Wasser stürzt herab
auf unseren „Blauen Planeten“.
Passend zur Blauäugigkeit seiner Bewohner.
Straßen werden zu Flüssen,
Häuser schwimmen
in brauner Brühe davon.
Nur unsere Ignoranz bleibt -
standhaft,
wie eine Deutsche Eiche.
„Kann ja mal vorkommen“
sagt sie.
„Überschwemmungen gab es auch früher schon.“
und geht zur Tagesordnung über.
Auch die blonde Nachbarin,
pfeift munter weiter,
mit Ventilator,
und Eiswürfeln in der Hand
und dem Glauben,
dass man den brennenden Planeten
mit kalten Getränken
abkühlen kann.
Ok, es ist heiß,
aber nicht zu heiß
zum Nachdenken
und um zu erkennen:
„Es ist zwölf Uhr.
Die Glocken läuten
Und die blonde Nachbarin dreht das Radio lauter
damit sie das „Gebimmel“ nicht hört.“
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