Kurzgeschichten-Stories
Autor
Schreib, wie du willst!
Startseite - Registrieren - Login - Kontakt - Impressum
Menu anzeigenMenu anzeigen
5xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Hubert Staller.
Veröffentlicht: 05.07.2026. Rubrik: Satirisches


Die Suche nach meiner Brille

In meinem Leben gibt es einen Satz, der mir die Schweißperlen auf die Stirn treibt: „Wo ist meine Brille?“
Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein: Meine Brille verschwindet immer dann, wenn ich sie am dringendsten brauche.
Gelegentlich scheint sie ein Eigenleben zu entwickeln, wie einzelne Socken oder auch Kugelschreiber, die ich auch ständig suchen muss.
Jedenfalls stand ich mitten im Wohnzimmer und wusste: Ohne meine Brille finde ich meine Brille nicht. Das ist ungefähr so sinnvoll, wie im Dunkeln nach einer Taschenlampe zu suchen oder mit einem leeren Akku das Ladegerät anzurufen.
Also ging die Suche los. Erst ganz ordentlich: Küchentisch, Nachttisch, Badezimmer. Dann nach dem Motto „man weiß ja nie“: Kühlschrank, Brotkasten, Blumentopf. Schließlich hatte ich einmal meine Autoschlüssel im Gefrierfach gefunden. Warum nicht auch einmal die Brille zwischen Butter und Käse?
Nach einer Viertelstunde fragte ich mich: „Brauche ich vielleicht eine zweite Brille, um die erste zu suchen?“
Eigentlich gar nicht so abwegig. Es müsste Suchbrillen geben. Am besten mit eingebautem Radar oder einem kleinen Signalton: „Bitte einmal umdrehen. Der gesuchte Gegenstand sitzt direkt auf Ihrer Nase.
Apropos Nase.
Es soll Leute geben, die suchen ihre Brille eine halbe Stunde lang, reißen alle Schränke auf, verdächtigen den Hund und bitten ihren Partner um Hilfe.
„Schatz, kannst du mal nach meiner Brille schauen?“
Der Partner hebt langsam den Blick, lächelt verständnisvoll und sagt den Satz, vor dem sich jeder Brillenträger fürchtet: „Du hast sie doch auf.“
In dem Moment sagt man zunächst nichts. Man nickt. Man bedankt sich für den Hinweis und versucht dann, den Raum mit möglichst viel Würde zu verlassen.
Wer seine Brille ständig trägt, nimmt sie irgendwann kaum noch wahr. Sie gehört zum Gesicht, wie der Mund oder die Nase.
Am Ende habe ich meine Brille dann doch gefunden. Sie lag genau dort, wo ich sie zuletzt hingelegt hatte. Also an einem Ort von so offensichtlicher Logik, dass ich ihn eigentlich als Erstes hätte checken müssen. Leider konnte ich ihn ohne Brille nicht erkennen.
Seitdem denke ich manchmal über eine Ersatzbrille nach. Nicht als Sehhilfe, sondern nur, um die eigentliche Brille wiederzufinden.
Allerdings kenne ich mich gut genug, um zu wissen, wie das ausgeht.
Dann bräuchte ich wahrscheinlich eine dritte Brille, um die zweite zu finden.

counter5xhab ich gern gelesen

Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

Einen Kommentar schreiben

geschrieben von Angricolan am 05.07.2026:
Kommentar gern gelesen.
Gern gelesen, kenne ich selbst aber wo sind meine 3. Zähne ist schlimmer. So erging es meiner dementen Mutter im Seniorenheim einmal und ich war im Urlaub. Den großen Wirbel veranstaltete da mein Bruder. Natürlich fand man sie, nur wo erwähne ich lieber nicht.
Lerne daraus, mit drei Brillen ausgerüstet lebt es sich ruhiger. Wo ist meine Lesebrille?
Oh nein, sitzt auf meiner Nase wie angewachsen, spüre sie nicht.
Beste Sonntagsgrüße von Angricolan




geschrieben von Hessehex am 05.07.2026:

Vielleicht könnte man die hochgelobte KI endlich mal für etwas Sinnvolles einsetzen.....




geschrieben von Angricolan am 05.07.2026:

Wo würde einen da KI hinlocken am Ende.. man stelle sich vor durch KI käme der Vorname der Freundin, die Ehefrau kann es lesen und der Tag endet womit?
Werden dann Männer nicht "nachdenkfaul", verlieren immer mehr die Übersicht gealtert?
Schmunzelgruss




geschrieben von Hessehex am 05.07.2026:

Angricolan, Du Schwerenöter!

Mehr von Hubert Staller:

Timing
Hitzespruch
Die Unerbittlichkeit der Wirklichkeit
Susi sagt Nein
70 ist die neue 50