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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Nordlicht.
Veröffentlicht: 06.07.2026. Rubrik: Fantastisches


Gewitter

Es war eine dunkle Nacht. Kein Stern leuchtete am Himmel, als sie den langen, verschlungenen Weg zum Schloss hinauf ging. Die Luft war aufgeladen und schien vor Spannung fast zu vibrieren. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Unwetter losbrechen würde. Sie beschloss einen Schritt schneller zu gehen.
Leblos ragte das Schloss in den Himmel. Die Spitzen waren vor dem dunklen Hintergrund nicht zu erkennen. Kein Licht war im Schloss auszumachen. Die Luft war drückend und der Anstieg fiel ihr immer schwerer. Ihr Herz schlug schneller und sie rang um Atem.
Ein erster Blitz erhellte den Himmel und zeichnete den Umriss des Schlosses scharf ab. Die spitzen Türme, der eingefallene Wehrgang und der Dachfirst waren für einen Moment klar zu erkennen. Danach wirkte das Schloss noch dunkler als zuvor.
Nur noch wenige Meter trennten sie vom Torbogen. Dumpf hallte der Donner durch die Luft. Ein erster dicker Tropfen landete auf ihrer Stirn. Sie trat unter dem Torbogen hindurch. Eine unwirkliche Stille breitete sich aus. Für einen Augenblick wurde der Hof von einem Blitz erhellt. Schnell murmelte sie einen Zauberspruch um den Alarmanlagenzauber zu deaktivieren. Als sie die schwere Eisentür aufzog, knallte es. Sie konnte nicht verhindern, dass ihr Herz einen Schlag aussetzte. Äußerlich Ruhe vortäuschend, betrat sie das Schloss. Sie zog die Tür hinter sich zu, bevor der nächste Blitz den Hof erhellte. Leise holte sie tief Luft und huschte zum nächstgelegenen Fenster. Draußen war alles dunkel und still. Als der nächste Donner erklang, unterdrückte sie ein Quieken. Wem machte sie eigentlich was vor? Warum versuchte sie Gelassenheit vorzutäuschen? Es war doch keiner hier. Sie war zu Hause angekommen und das sogar, ohne nass zu werden.
Sie trat zurück an die Tür um den Alarmanlagenzauber des Eingangs wieder in Kraft zu setzen. Das ganze Schloss hatte sie mit solchen Zaubern ausgestattet. Schließlich war sie alleine hier und wollte es auch bleiben.
Sie wusste nicht, warum die Vorbesitzer dieses schöne Gebäude verlassen hatten. Es interessierte sie auch nicht, solange sie nicht wieder zurückkamen.
Während sich die Spannung in der Luft weiter entlud, lief sie die Treppe zum Kaminzimmer hinauf. Sie nahm sich ein Buch aus dem staubigen Regal. Draußen begann es stark zu regnen. Sie warf sich auf das rot-goldene Sofa. Einen Moment lauschte sie dem Rauschen des Regens, dann begann sie zu lesen.

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