Veröffentlicht: 09.07.2026. Rubrik: Kinder und Jugend
Markenwahn
In meiner Kindheit war zu sehn:
„niemand konnte Marken widerstehn.“
Man stieg auch damals schon im Rang,
gewann Status, Glanz und Lobgesang.
Mit richt’ger Marke – welch ein Segen –
konnte man sich überall bewegen.
Doch diese Marken, so ein Clou,
die flogen gratis, einfach zu.
Auf Postkarten, aus fernem Lande,
auf Briefen, die man früher mal versandte.
Schnell ausgeschnitten, eingeweicht,
Zacken gezählt – kinderleicht.
Und war kein Eckchen amputiert,
wurd sie im Album archiviert.
Nach Land, Motiv und Wert sortiert,
als wär’s ein Schatz, der imponiert.
Die „Doppelten“ – ein eigner Schatz –
im Umschlag, unser Tauschersatz.
Ein Währungssystem für Eingeweihte,
für Sammler, Händler, Markenleute.
für uns, die Jäger, Archivare,
mit unsrer zackigen Markenware.
Schon damals galt der alte Reim:
„Wer schreibt, der bleibt“ – so muss es sein".
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