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4xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Phoberos (Phoberos).
Veröffentlicht: 12.07.2026. Rubrik: Menschliches


Der Steinmann

Seit sechzig Jahr'n steh ich am Grat
bei Sturm und Schnee, vom Wind geschliffen glatt.
Von weitem sieht man mein Gesicht,
auch wenn der Nebel gar nichts spricht.

Manch einer nickt mir kurz im Geh'n,
für viele bin ich kaum zu seh'n.
Doch wer den Weg einmal verlor,
der merkt sich meinen Platz empor.

Ich rede nicht, ich bleibe still,
weil jeder weiß, wohin er will.
Und wenn der Himmel grau erwacht,
hab ich schon lang auf euch gewacht.

Stein für Stein bin ich gewachsen,
nicht aus Stolz und nicht aus Macht.
Jede Hand hat mich ein Stück
einfach etwas höher gemacht.

Stein für Stein, Jahr um Jahr,
steh ich still am gleichen Ort.
Wenn du heim den Weg gefunden hast,
trag ich deinen Dank schon fort.

Ein Kind legt still noch einen Stein,
als wär's das Selbstverständlichsein.
Ein alter Mann bleibt kurz nur steh'n,
um mich im Nebel anzuseh'n.

Mit jedem Stein versteh ich mehr,
die Arbeit wird mir niemals schwer.
Nicht weil ich wachsen möchte sehr,
nein, weil ich gern den Weg bewahr'.

Vielleicht begann ich einst ganz klein,
mit nur einem einzigen Stein.
Jemand sagte ohne Wort:
"Hier geht der Weg. Geh einfach dort."

Seitdem wächst nicht nur mein Gewicht,
es wächst in mir die Zuversicht.
Dass einer, den ich nie gesehen,
durch mich den Heimweg wird verstehen.

Stein für Stein bin ich gewachsen,
tausend Hände bauten mit.
Keiner kennt mehr ihre Namen,
doch ich trag von jedem einen Schritt.

Stein für Stein, hoch am Grat,
wo der Adler Kreise zieht.
Wenn du heut' noch einen auf mich legst,
weiß ich, dass man mich noch sieht.

Und gehst du eines Tages heim,
leg vielleicht noch einen Stein.
Nicht für mich.

Für den,
der morgen hier den Weg noch sucht.

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