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3xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Hubert Staller.
Veröffentlicht: 12.07.2026. Rubrik: Aktionen


Die Geschichte vom größten Fisch, den ich noch nicht gefangen habe.

Meine Leidenschaft für das Angeln entdeckte ich als Kind.
Eines Tages stöberte ich im Schuppen und fand eine alte Angelrute von meinem Großvater. Eine stabile Bambusrute, die seit dem Tod meines Großvaters unbeachtet im Schuppen stand. Von diesem Tag an verbrachte ich jede freie Minute am Wasser.
Wenn es meine Zeit erlaubt und ich mich entspannen möchte, angle ich mit Leidenschaft. Obwohl ich schon unsäglich viele Fische gefangen habe, warte ich immer noch auf den Fisch, der bei meinem ersten Angelversuch nicht am Haken blieb.

Als ich das erste Mal mit meiner Angelrute am Wasser saß, schien die Sonne. Die Vögel zwitscherten. Die Mücken waren eine Plage. Ich aber hielt durch. Bei meinem ersten Angelversuch wollte ich auch unbedingt einen großen Fisch fangen.
Plötzlich bog sich die Rutenspitze.
Nicht nur ein wenig. Nein, sie bog sich bis auf die Wasseroberfläche.
„Na schau!“, sagte ich zu mir selbst. „Jetzt haste den Oberkarpfen erwischt oder gar einen mächtigen Wels!“
Ganz vorsichtig kurbelte ich.
Der Fisch zog nach links.
Ich zog nach rechts.
Er zog nach unten.
Ich hätte schwören können, er zog zwischendurch einen Kreis.
So etwas kann eigentlich nur ein Fisch mit einem Führerschein.
Dann war auf einmal alles still.
Die Angelschnur hing schlaff im Wasser.
Der Haken war leer.
Ich starrte ins Wasser, als müsste der Fisch jeden Moment auftauchen und sich höflich entschuldigen.
Tat er aber nicht.

Die anderen Angler am See hatten natürlich sofort ihre Erklärungen.
Der eine meinte, es wäre ein Wels gewesen. Der nächste war sich sicher, es war ein Hecht. Und ein Dritter meinte trocken: „War bestimmt nur ein alter Schuh.“
Ich nickte freundlich. Sollen sie doch glauben, was sie wollen.
Ich wusste nämlich, was vorgefallen war.
Der Fisch hatte mich getestet. Er wollte sehen, ob ich würdig bin, ihn zu fangen. Offensichtlich war ich es an diesem Tag noch nicht.

Seitdem sitze ich immer wieder am selben Gewässer. Nicht, weil ich unbedingt Fisch essen will. Nein. Ich warte auf Revanche.
Tief unten im Wasser erzählt wahrscheinlich ein uralter Fisch seinen Enkeln genau dieselbe Geschichte.
„Kinder“, sagt er dann, „vor vielen Jahren hing ich einmal fast an einem Haken.
Der Angler war gar nicht so schlecht. Aber ich habe ihm eine Chance gegeben, damit er jedes Jahr wiederkommt.“
So halten wir beide unsere Legenden am Leben.
Der Fisch unter Wasser und ich am Ufer.
Und wenn mich heute jemand fragt, warum ich immer noch angeln gehe, antworte ich ganz entspannt:
„Ich muss doch mal nachsehen, ob mein alter Bekannter noch da ist. Einmal erwischt einer von uns den anderen.“
Bis dahin bleibt es die schönste Geschichte über einen Fisch, den ich nie gefangen habe.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Catarina am 12.07.2026:
Kommentar gern gelesen.
Wunderschönes Anglerlatain - oder hat es sich etwa genau so zugetragen? Wer weiß. Tatsache ist nur, dass ich die Geschichte sehr gerne gelesen habe.

Liebe Grüße
Catarina




geschrieben von lüdel am 12.07.2026:
Kommentar gern gelesen.

Sehr schön, wenn der innerliche Traum bleibt.
Und natürlich ist die Geschichte wahr.
Lüdel 🌥️🧚‍♂️

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