Veröffentlicht: 01.08.2026. Rubrik: Aktionen
Der Götz von Berlichingen
Spätnachmittag auf dem Viktualienmarkt. Sepp – ein bayerischer Hüne mit Lederhosn und einem Lächeln, bei dem sich der Himmel sofort weiß-blau färbte, setzte sich zu einem Mann, der eher trotzig, als genüsslich eine Currywurst verzehrte. Die Haltung und der Körperbau des Mannes glichen dem eines Gladiatoren. Sein Gesichtsausdruck war ein lebendiges Warnschild: Lass mich in Ruhe!
„Servus“, begrüßte Sepp seinen Tischnachbarn. „Du bist ja a Original. Ja leck mi am Orsch. So souverän wi du da sitzt – des schafft aa net jeder.“
Der Angesprochene riss die Augen auf, schluckte hastig den Bissen Currywurst in seinem Mund runter und es schien, dass sein Brustumfang mit Sepps Worten um weitere 10cm gewachsen wäre. „Ey, Du Clown, wat soll’n dit heißen?! Ick sitz hier einfach nur rum, ja? Ick brauch keene Anmache von ’nem Lederhosn Futzi, der mir mit so’n Spruch kommt!“
Sepp lachte gutmütig und sagte: „Jetz reg di ned auf. I moans doch guad! Bei uns in Bayern is des a Kompliment. Wann i sog, ‚leck mi am A…‘, dann is des wia: ‚Respekt! Sauber! “
Der Berliner blinzelte, als müsse er die Worte erst durch ein Übersetzungsprogramm schicken. „Ja watte, watte? Dit is bei euch ’n Kompliment? Alter… ihr seid ja komplett anders verdrahtet da oben.“ Und während er das sagte, klopfte er sich mit dem Zeigefinger an die Stirn.
Sepp nickte gelassen. „Freili. Und ihr Berliner seid a weng… na ja… speziell.“
Der Berliner stemmte die Hände in die Hüften. „Speziell? Ick nenn dit Charakter, wa!“
Sepp grinste. „Sigst, jetz samma bei nand,“ und reichte seinem Gegenüber die Hand.
Der Berliner runzelte die Stirn und antwortete: „Na gut… aber sag dit nich nochmal, wa? Ick krieg sonst Puls.“
„Basst scho“, sagte Sepp. „Oba an Schneid host scho, du „Saupreis“.
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