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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von Herbstsonne.
Veröffentlicht: 12.08.2026. Rubrik: Unsortiert


Neuanfang – oder ein Pfund Tomaten

Ich sitze vor dem Loch und blicke in das schwarze Nichts, blinzele.

Am Fenster fährt ein beiger Volvo 144 vorbei, wie immer um diese Zeit, wie mir noch gesagt werden wird.

Der Lenker des Fahrzeuges im besten Alter fährt zum Supermarkt, um die ersten Tomaten des Tages zu kaufen, ehe diese mit Druckstellen übersät, von den vielen prüfenden Händen der anderen Einkäufer, in ihren grünen Kisten liegen und warten, dass sie jemand mitnimmt.

Ich blinzele, leise rieseln Steinchen im Inneren der Wand den Beton entlang, in dem verborgenen Zusammenhalten lauern, wie Kirschkuchen mit Sahne von Frau Mayer für Susis Familie im ersten Stock an jedem Sonntag, nachdem Susi zuvor Frau Mayer die Haare stets ordentlich ondolierte.

Und ich frage mich, wo einst mein Platz in all dem, der neuen Stadt, sein wird?

Die Küchenuhr klackt, das ist das Zeichen unter uns, dass es zur vollen Stunde schlägt.

Die Reifen des Volvos rollen bedächtig an – Zeit ist vergangen – es wird eingeparkt.

Kurz darauf wird geschellt.

Ich blicke, blinzelnd vom dunklen Nichts zur Tür und erhebe schwerfällig meine eingeschlafenen Beine.

Auf dem Fußabtreter liegt eine frisch gedruckte Zeitung, die noch keiner zuvor, außer, wie eine kleine Notiz verrät, der Tomatenkäufer, befingert hat:

„Fangen Sie doch mal mit den Stellenanzeigen an. Gruß Erhardt.“

Am Nachmittag klingelt es nochmals an der Tür.

Ich war gerade dabei, eine kleine Kabelleitung zu legen, als ich, mit Zange bewaffnet, vor Frau Mayer stehe, die mich entwaffnend anlächelt und sagt:

„Heute ist Apfelkuchentag, bei mir gäbe es auch manchmal das eine oder andere Kleine zu tun.“

Vor das schwarze Nichts schiebt sich eine vergilbte Schalterblende aus feinstem Kunststoff.

Das Licht geht an.

Eine Woche später, 3:46 Uhr.

Der Bus biegt in die Straße ein. Erster Tag – Großmarkt, Tariflohn und frische Tomaten für Erhardt.

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