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1xhab ich gern gelesen
geschrieben von Herbstsonne.
Veröffentlicht: 13.08.2026. Rubrik: Kürzestgeschichten


Ein fiktiver Brief an eine Zukünftige

Ganz gleich, ob es dich gibt und wo es dich gibt – es gibt dich ja schon, wo ich dich sehne und dir schreibe.

Liebe Annie, ich sitze hier an meinem Schreibpult, um dir ein paar Zeilen flüchtig hinzuzeichnen, während die Arbeit kurz ruht.

Auf der Alm blüht jetzt die Alpenrose und Zitronenfalter verfolgen meine Wege schrittabwärts ins Tal, wenn ich meine Briefe hin zu dir sende, mit der bangen Frage, ob sie wohl absaufen werden, falls sie eine Schiffsreise übersetzen müssten, ehe du sie von deinen Händen entfaltest und bei Tage im Sonnenschein oder sicher am Abend beim Petroleumglühen sitzend liest.

Vor einigen Tagen, es muss der Samstag gewesen sein, hat der Gustl die Maya geehelicht, es gab ein freudiges Fest. Helfer, darunter auch ich, hatten ihre große Scheune ausgekehrt und Platz für Bewegung zur Musik geschaffen.

Ich freute mich darauf, doch als es so weit war, war ich wie in Trance – ich saß mit meinem Apfelmost auf einer der Holzbänke, die rund um die Tanzfläche gestellt waren, und sah den von Wein und Glück beschwingten Paaren zu, wie sie sich Runde um Runde um ihre eigene Achse drehten.

Auch ich, so entnahm ich aus den Augenwinkeln, meine liebe Annie, wurde manches Mal zum Tanze aufgefordert, doch mir war, als ob ich zwischen all den sich plusternden Dirndln und verschwitzten Hosen, zwischen dem rhythmischen Stampfen schwerer Schritte, die über die Bretter wirbelten, im feinen Staub, der sich seit dem Kehren bereits wieder gelegt hatte, die deinen Holzschuhe tanzen sah, allein und selbstvergessen, glückselig taumelnd; und ich, betrunken von deinen Schritten, wiegte mein Herz einzig dir in meiner Mitte und schreibe dir, dass wir es sind, weshalb die Schmetterlinge am Wegesrand tanzen, wenn ich dir die deinen Briefe sende.
D.

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