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geschrieben 2026 von Herbstsonne.
Veröffentlicht: 19.08.2026. Rubrik: Kinder und Jugend


Finja und die verwunschene Legasthenie

Finja konnte schon lesen und schreiben. Es gelang ihr, die Buchstaben aneinanderzureihen, sodass sie die richtigen Worte ergaben. Nur vertauschten die Buchstaben beim Schreiben und Lesen irgendwie oft heimlich die Plätze. Es mogelten sich ungefragt neue hinzu oder ließen sich fallen in eine Zeile darunter oder gar aus der Seite hinaus, in den Ranzen oder auf den Schulboden. Dort wischte sie dann der Hausmeister mit einem seiner stinkig-scharfen Wisch-Wasch-Mittel futsch vom Boden weg, und Finja und die Worte waren verloren, die Buchstaben unwiederbringlich im dreckigen Putzwasser ersoffen.

Der Deutschlehrer tadelte Finja oft wegen der Buchstabengrütze. Und Mama wurde darauf erst traurig, dann streng mit ihr. Sie musste dann viel üben.

Doch eines Tages kam Frau Mumpitz über den Hof gelaufen, gerade als Finja versuchte, ein verloren gegangenes H aus einer Baumkrone zu fischen.

Frau Mumpitz war eine alte Nachbarin vom Vorderhaus. Sie hatte drei graue Haare am Kinn und war früher Lehrerin gewesen.

Finja erzählte ihr von dem hängen gebliebenen H und den Tadeln, der traurigen Mama und dass sie nicht wüsste, wie sie jemals mit dreckigem Putzwasser richtige Aufsätze schreiben sollte.

Da sagte Frau Mumpitz zu ihr: „Das ist alles Mumpitz“, und brachte ihr ein langes und kompliziertes Wort bei: Legasthenie.

Und mit diesem Wort ging sie zur Mama und diese zur Schule und die Schule unterrichtete den Lehrer.

Es gab immer noch Buchstabengrütze, aber mit der Zeit musste sie etwas weniger Buchstaben suchen und die Buchstaben blieben häufiger an ihrem Platz. Sie hatte nämlich jetzt speziellen Deutschunterricht bei Frau Mumpitz.

Tadel bekam sie ab dann nur noch, wenn sie ihren Kaugummi unter die Schulbank klebte.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Marques Ron am 26.09.2026:

Noch vor 40-50 Jahren wurden die Legastheniker in meiner Klasse vom Lehrer/Professor notorisch zynisch als "Analphabeten" bezeichnet.

Ich hoffe doch, dass die heute schon diesbezüglich geschult sind, oder?

Grüße,

Ron




geschrieben von Herbstsonne am 26.09.2026:

Hallo Lieber Ron, heute so sagt man mir immer wird das sehr berücksichtigt und es wird sehr darauf acht gegeben.
Ich selbst bin 26 Jahre aus der Schule, hab mich mit vermutlich Lese und Rechtschreibschwäche druch gequält und das einzigste was man hörte war, üben üben üben. Keine Spur von da wäre eine Schwäche. Erst als ich schon fast aus der Schule war, erkannte jemand aus dem privaten Umfeld das ich wohl an diesen Schwächen leide. Für die Schullaufbahn war es zu spät. Viele Grüße!

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