Veröffentlicht: 19.08.2026. Rubrik: Satirisches
Sondervermögen
In einer klaren Vollmondnacht legte sich das Staatsvermögen schlafen. Es schlief und träumte vor sich hin und nichts und niemand schaffte es, den Staatshaushalt wieder aufzuwecken. Selbst in einem Wachkoma steckte mehr Leben. Nur das Sondervermögen war wach und wuchs, und wuchs und wuchs.

Es war ein komischer Kauz. Bei Menschen würde man sagen: nonbinär. Eine Mischung aus Zahl, Versprechen, Paragraphen, Hoffnung und „Heiligem Geist“. Es entstand aus der unbefleckten Empfängnis, bei der auch niemand wusste, wer der Erzeuger war.
Nur die Reaktion hat sich leicht verändert. Damals: „Huch schwanger“.
Heute: „Huch, Vermögen“.
„Vielleicht ist es aus einer Haushaltslücke geschüpft“, philosophierten die Einen.
„Oder es war eine „Gute Fee“, sagten die Gläubigen, die immer nur an das Gute glauben.
Als das Sondervermögen größer wurde, lernte es zu (ver)sprechen und sagte: „Wenn ich einmal groß bin, dann kann ich Großes tun.“
Das war Musik in den Ohren der Mächtigen. „Groß, größer … „ und sie begannen das Sondervermögen zu düngen und zu umsorgen. Und es wuchs.
Dass es mit zunehmender Größe immer tollpatschiger wurde, ignorierte man. Es stolperte über die Bürokratie, rutschte auf der Kompetenz aus, blieb regelmäßig irgendwo stecken. Manchmal verschwand es auch in Schlupflöchern, die es übersehen hatte und tauchte dann plötzlich wieder auf. Noch größer, noch gefräßiger. In den USA verschlang es zuletz ganze 3 Milliarden Dollar an einem einzigen Tag. Guten Appetit ! Und trotzdem hatte und hat man es lieb.
Es ist halt etwas Besonderes – so ein Sondervermögen. Darum heißt es ja auch so. Das "Be" hat es verschluckt, als es einmal nicht ausreichend gefüttert wurde.
1x



