Veröffentlicht: 22.08.2026. Rubrik: Unsortiert
Raps am Ende des Gleises
Helene kräuselte die Stirn. Ihr war nicht klar gewesen, dass hier am Ende des Bahnsteigs sich anstelle von weiterer Verbindungsspur das pure blanke Ende zeigen würde. Willkommen auf dem Lande, dachte sie und schirmte mit ihrer Hand die lichtempfindlichen Augen von der Sonne ab, welche bereits weit oben stand und flirrte. Helenes Enden des Sommerkleides bewegten sich leicht im Wind und ein Schwall Vögel zog geräuschvoll über die Weite des Himmels in der Ferne. Vor dem Gleis begannen die Rapsfelder zu blühen und Helene wurde durstig beim Anblick all dieses Lebens, das plötzlich, so schien es ihr, ihrem Herzen so viel versprach. Sie ließ ihren Koffer fallen – Altlasten –, drehte sich langsam um und ging aus dem Bahnhäuschen hinaus, sich eine Limonade kaufen.
Seither spaziert Helene jeden Mai an den Rapsfeldern entlang und erinnert sich.
Und wenn der Mai verflogen ist, bleibt sie dennoch. Es ist ihr Zuhause geworden.
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