Veröffentlicht: 24.08.2026. Rubrik: Satirisches
Mr. Bob in München
oder: andre Länder, andre Sitten

Lange hatte Mr. Bob aus Texas davon geträumt: einmal nach Bavaria zu reisen. Einmal im Leben nach München – das Hofbräuhaus besuchen, durch die Stadt schlendern, in der die Männer – in seiner Vorstellung - fast alle Lederhosen trugen. So lange hatte er davon geträumt und jetzt war er endlich hier. Munich. Fantastic!
Na gut, das mit den Lederhosen war wohl ein Irrtum, aber die Blasmusik und Maßkrüge im Hofbräuhaus übertrafen seine Erwartungen, genauso, wie die Größe der Schnitzel, die links und rechts über dem Tellerrand hingen. Und dann erst die Schweinshaxen, die ihn an Fred Feuerstein erinnerten.
Mr. Bob war glücklich – nicht zuletzt durch den Liter Bier, mit dem er seinen Durst gelöscht und seine Laune gehoben hatte. Beschwingt ging er zum nahegelegenen Viktualienmarkt.
An Zenzies Obststand blieb er stehen. So ein knackiger, rotbackiger Apfel lachte ihn an und just in dem Moment, als seine Hand sich der süßen Frucht näherte, wuchs Zenzie um geschätzte 10cm.
„Net olange!“ keifte sie.
Mr. Bob zog seine Hand erschrocken zurück und googelte erfolglos das Wort „olange“ Erneut streckte er seinen Arm aus.
Zensie atmete tief ein, wodurch nun auch ihr Brustumfang um 10cm zunahm, griff zwischen Radi und Tomaten und zückte eine Karte, wie eine Jurorin beim Eiskunstlauf. Nur – auf der Karte stand keine 10,0 und auch keine andere Zahl. Es war das Bild einer abgetrennten Hand.
Mr. Bob liebte schwarzen Humor, zog aber zur Vorsicht seine Hand wieder zurück und googelte: „Todesstrafe in Bayern – No“. „Handabhacken bei Diebstahl – No“.
Mr. Bob brach in schallendes Gelächter aus. „Holy shit. That`s funny“.
Jetzt kam Zenzie hinter ihrem Stand hervor, bewaffnet mit einer Ismaninger Salatgurke.
„I gib Dir glei Fanni. I bin die Zenzie! Schleich di!“ und schlug dabei auf Mr. Bob ein.
Jetzt verstand auch Mr. Bob, dass die Situation ernst war und ergriff die Flucht. Er rannte, so schnell ihn seine texanischen Cowboystiefel trugen, und kam erst hinter einem Sauerkrautstand zum Stehen. Keuchend blickte er zurück. Zenzie stand wieder an ihrem Platz, die Salatgurke lässig über der Schulter gelegt, wie eine mittelalterliche Waffe.
Bei ihrer Schimpftirade und Flüchen, war Saupreis noch das Netteste, was über den ganzen Markt zu hören war.
Mr. Bob wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Holy shit. In Bavaria, markets are really dangerous.“
Dann lachte er laut und dachte bei sich:“ Ich wollte schon immer wissen, was „bayerische Originale“ sind. Jetzt weiß ich es.“
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