Veröffentlicht: 22.08.2026. Rubrik: Satirisches
Kampf der Mafia
Auf Mövenhoog sorgte eine Schlagzeile für allgemein Unruhe: „Kampf der Mafia“. Ausgerechnet auf Mövenhoog, diesem idyllischen Fleckchen aufgehäuften Sandes, inmitten der Nordsee. Einem Ort, wo die Luft so salzig schmeckte, dass man Pommes nicht noch extra würzen brauchte. Und die Population der Lachmöwen größer war, als die der Menschen.
Eigentlich wusste ja jeder Bescheid, über die Mafia. Jeder – ohne Ausnahme – war mindestens einmal Opfer der organisierten Kriminalität geworden. Aus Angst vor eventuellen Repressalien hatten sie es aber aufgegeben, sich gegen die heimisch gewordenen Clans zu wehren. Was blieb, war Resignation. Und jetzt – urplötzlich – wollte der neue Gendarm vom Festland der Mafia den Kampf ansagen.

Pommes-Franz war der erste, der davon erfuhr. Sofort zitierte er seine Gang zu sich.
„Hört zu Leuten. Man will uns fertig machen. Bekämpfen.“
Currywurst-Nina lachte laut. Sie war zwar nicht die hellste Kerze auf der Torte, aber dafür schneller als das WLAN auf der Insel. Und – sie hatte verdammt gute Augen. Aus 10 Metern Entfernung konnte sie erkennen, welche Pommestüte mit Mayo und welche mit Ketchup war. Ein wichtiges Detail, denn Pommes-Franz mochte keine Mayo.
Gyros-Uwe schrie empört. Ihm war das Lachen vergangen.
„Wir brauchen neue Strategien – neue Ideen“, forderte Pommes-Franz.
„Feigling“, schrie Gyros-Uwe.
„Halt den Schnabel“, konterte Pommes-Franz. „Zukünftig werden wir uns ein kleines Vorspiel gönnen, bei dem wir unsere Opfer ablenken und verarschen. Nina, Du setzt Dich auf die Promenade und tust so, als sei Dein Bein gebrochen. Dabei schaust Du dumm in die Gegend – das kannst Du ja. Gyros-Uwe, Du drehst Loopings über den Köpfen der Menschen, und zwar so aggressiv, dass alle Blicke auf Dich gerichtet sind.“
„Geht klar“, antworteten die Komplizen zeitgleich.
„Und Du?“ wollte Gyros-Uwe wissen.
„Ich mach den Kamikaze und greif mir im Sturzflug die Beute.“
Der Plan funktionierte hervorragend. Innerhalb von einer Stunde wurden Touristen um drei Fischbrötchen, einmal Pommes ohne alles und einem Vanilleeis beraubt. Und das, was im Magen der Räuber keinen Platz mehr hatte, landete über den Hinterausgang, auf Köpfen, Tellern und Wäsche.
„Scheiße“ empörten sich die Touristen.
„So`n Schiit, die Einheimischen“, was aber auf das gleiche herauskam.
Pommes-Franz stöhnte:“ Mann oh Mann. Das war knapp eben. Fast hätte der Typ mich mit seiner Zeitung erwischt. Außerdem liegt mir das zweite Fischbötchen schwer im Magen.“
Die Gang legte ein Verdauungspäuschen ein, der neue Gendarm polterte:
„Ab sofort stelle ich pro Tag ein Budget von 100,- € für Eis, Fischbrötchen, Pommes und Currywurst zur Verfügung, die ihr an die Räuber verfüttern müsst. Betonung liegt auf MÜSST. Sie müssen so fett und so träge werden, dass sie keinen Meter mehr fliegen können und ihnen der Appetit vergeht, wenn sie auch nur eine Imbissbude sehen.“
Gesagt getan. Die Möwen lachten und fraßen und sahen sich als überlegene Sieger im Kampf ums Fressen. Aber sie wurden auch fetter, träger, schwerer und irgendwann flugunfähig.
Mit dicken Bäuchen schwelgten sie in der Erinnerung an früher: „Das waren noch Zeiten“.
Und keiner lachte.
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