Veröffentlicht: 26.08.2026. Rubrik: Unsortiert
Zur Neige/ mit Grüße an Rika
Weil mich Rikas Geschichte über Armut daran erinnert hat, dass ich meine Geschichte über das Leben mit wenig Geld einstellen könnte.
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Zur Neige kippt das Glas, kleine Bläschen treiben auf vergossenem Frisch,
was nun anstelle von Kehlen den Tisch erfrischt.
Das Tuch, gehalten von vier Klammern an den Ecken, fängt an, sich vollzusaugen,
und thronte das herrliche Bier bis vor Kurzem noch
unter seiner Deckelpappe,
geschützt wie ein Haupt unter einem Schirm vor Regen,
reisen nun die ersten Fliegen an,
stellen ihre Koffer ab und saugen begierig ihre Bäuche voll.
Das Tischtuch wird nasser und nasser und zieht eine geschwungene Autospur als
Rinnsal an meinem sommerlich nackten Oberschenkel entlang.
Die Bedienung kommt herangeeilt, deckt geschäftig nun neu ein
und tippt mit der Radiergummiseite ihres Bleistifts auf den Kellnerblock,
sie will was Frisches bringen.
Aus meiner trockenen Kehle höre ich entrinnen: „Dankeschön“,
und sehe mich gleich erheben.
Viele km mit dem Rad waren's hierher,
ich muss wohl keinem erzählen, dass ein zweites Bier
nichts für immer zu leere Hosentaschen ist.
Und so fülle ich auf der Toilette schnell ein paar Schlucke Wasser in ein leeres, vergessenes
Flascherl ab, welches hinterm Haus im Gras sich sonnte,
während die Kellnerin die letzten störrischen Fliegen mit einer Speisekarte für den
neuen Gast und ein neues Flascherl vertreibt.
Mein Oberschenkel klebt noch süß,
als ich in die Pedale steige, ein bittersüßes Kleben,
erinnert es mit jedem Pedaltritt doch an die Freiheit der kleinen Leut'.
An freie Sonntage alle heiligen Zeiten mal und ein paar Groschen in der
sonst so leeren Tasche, für Gemütlichkeit.
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