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1xhab ich gern gelesen
geschrieben 2026 von Herbstsonne.
Veröffentlicht: 15.09.2026. Rubrik: Unsortiert


Knallfolie, Autobahnrauschen

Ich sitze am Tisch angelehnt. Man könnte fast vorn übergekippt dazu sagen. Jegliche Spannung ist aus meinem Körper gewichen. Vor mir steht ein kleiner Becher Kaffee. Er ist noch halbvoll, was ein Kunststück ist bei der firmenseitig vorgegebenen Füllmenge bei Ausgabe. Vorne prangt das Deutsche-Fahren-Logo. Meine Oberschenkel hüpfen wie die Höcker einzelner Klavierseiten hoch und runter, angegeben vom Takt, den meine Füße weiter unten auf der Strebe des Barhockers vorgeben: dum, di da dum, dum, di da dum.
Es ist kein Lied, kein wirkliches. Es ist mehr ein innerliches Glühen, das bewegt werden will in Form der hüpfenden Oberschenkel. Aber weil damit selten und wie auch heute nicht genug ist, beginnt meine Stirn feucht, waagerechte Linien zu ziehen und ich bin versucht, sie mit dem Ärmel meiner Jacke abzuwischen, hätte es beim letzten Mal nicht diese hässlichen Flecken gegeben.
Ich warte auf dich, warte darauf, dass du an mir vorbeigehst, mir vielleicht dein Lächeln schenkst. Warum rast nur mein Herz so schnell?
Ich stehe mit wackeligen Beinen auf, zwei, drei, dann vier Schritte, wanke ich – dann die Hand am Griff der Tür des Kühlregals. Ich zieh sie mit einem Ruck Kraft auf, die vom Planeten der Gorillas kommen muss, und strecke mein ganzes Sein hinein, erfrische mich. An der Seite der Tür hängt ein kleiner Spender mit: Gabel, Löffel, Messer, Servietten – wie praktisch. Ich nehme zwei Servietten und lösche den See auf meiner Stirn.
Als ich mich gerade mit einer Sandwich-Auswahl, die mich stärken soll, denn ich fühle, wie Unterzuckerung mich anflutet, intuitiv halb zur Westfront drehe, sehe ich dich, gerade noch im letzten Seitenanblick. Und ehe ich ihn mir einprägen kann, ist da bereits nur noch dein schwarzer Rucksack mit dem roten Plüschbommel als Anhänger, dem ich seit Monaten nachstarre.
Ich lasse mich auf den Barhocker fallen, packe etwas fahrig mein Sandwich aus, die Thekenkraft hat mir eine Flasche Cobla blubb gebracht und aufgedreht, bevor ich gleich am Boden liege. Ich trinke begierig und mit zittrigen Händen, dann verspeise ich mein Mahl.
Als sich mein Körper beruhigt hat, nehme ich all meinen Mut zusammen und bitte den netten Thekenmann, der sich als Jörg vorstellt, um Stift und ein großes Blatt Papier und beginne zu schreiben:
Womöglich tanzen unsere Seelen wie Schmetterlinge aneinander vorbei im selben Raum unter neonroszierendem Licht, anstelle umeinander zu kreisen, wie es ihre Bestimmung sein könnte. Ich, ein Schmetterlings-Männchen, Du im schwarzen Rucksack mit rotem Bommel, suche schon lange nach der Gelegenheit, dich einmal bei einer Blüte treffen zu dürfen, ich warte hier auf dich im kleinen Killi um …
Ich stockte kurz, rechnete in der Zeit, wann ich sie hier immer in etwa gesichtet hatte, ihren geschwungenen, fast melodischen Gang, den Pferdeschwanz kastanienbraun, wenn sie mir den Rücken zukehrte, um weiter ihrer Wege zu gehen – ich rechnete einen Puffer von etwa 20 Minuten vor und danach ein und die von mir für gut befundene Zeit für das erste Treffen und schrieb 11:40 Uhr bis 13:00 Uhr. Dann stand ich auf.
Der Zucker der Cobla blubb und die Energie der Tat, flossen wie starker Verkehr auf nächtlich beleuchteter Autobahn durch meine Adern. Ich fühlte mich gestärkt.
Jörg hatte hinten einen Kopierer bei sich im Shop, und so kopierte er das Blatt für alle Himmelsrichtungen in seinen Shop. Dann nahm er einen Stift, kippte die Kappe ab und begann auf allen Blättern zu zeichnen.
Ich war zutiefst beunruhigt. Jörg aber lächelte und nuschelte mit Kappe im Mund ein paar Worte, die wohl etwa halb so viel hießen wie: „War ’n Jahr auf Kunstschule.“
Dann sah ich es. Auf jedem Blatt rankten nun wunderschön zwei Schmetterlinge.

Nachwort: Nach vier Wochen des Wartens.
Jörg hatte die Angewohnheit entwickelt, mir Schach zu lehren. Jeder von seinem Platz aus im kleinen Killi riefen wir uns die Stellungen zu. Ich war gerade wieder dabei, meinen Turm laut anzusagen, als Jörg rief:
Ich glaube, deine Dame ist da.


Autorin: Von Gott inspiriert, von mir, Silla/Herbstsonne, niedergeschrieben.
Meine Geschichten sind auf Rechtschreibung und Grammatik geprüft, mit Unterstützung von ChatGPT.

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