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geschrieben 2026 von Herbstsonne.
Veröffentlicht: 12.09.2026. Rubrik: Unsortiert


Zwei Weihnachtsbäume sind keiner zu viel

Spoiler: Eine Weihnachtsgeschichte ;)

Herbert war im Stress. Noch nie hatte er an Weihnachten gut geplant. Immer war ihm etwas durchgerutscht. Zu spät dran war er sowieso jedes mal gewesen. So fand er, wie in jedem Jahr, auch in diesem nur das Gängige: teure Hautcremes für die Frau, Parfüms, völlig überteuerten, schon längst nach den guten Stücken ausgesuchten Schmuck und wenig modische Tücher.
Seine langjährige Kollegin Gitta hatte Mitleid mit ihm und seiner Schwester gehabt, als er ihr von seinem erfolglosen alljährlichen Shoppingtag in der Stadt erzählte und Topflappen zur Sprache kamen, die er schenken wollte. Gitta hatte Erlebnisausflüge bei Roscher vorgeschlagen und er hatte prompt im www nachgeschlagen:
Bungee-Jumping: Er sah seine Schwester mit feinstem, grau durchzogenem, onduliertem Haar und Herzschrittmacher kreischend durch die Lüfte fliegen ... Vielleicht doch nicht. Mehrgängiges Menü beim Sternekoch? Milli hielt wie 364 Tage im Jahr in jedem Jahr Diät, der Koch würde außer dem Schaum von seinem Schaumsüppchen alleine essen müssen. Und so ging es weiter, immer zwickte es gehörig. Es war einfach nichts Gescheites dabei.
Als er dann nach einer schweißtreibenden halben Stunde bei romantischer Kutschfahrt zu zweit war, klickte er auf Kaufen. Geistesvernebelt, wie er war, vergessend, dass sie Single war. Froh, etwas gefunden zu haben, vergingen die letzten zwei Wochen Arbeit wie im Flug.
An seinem ersten freien Samstag, der Himmel zeigte zartes Blau, es war schneidend kalt, aber die Sonne lächelte, klappte er seinen Koffer zu und machte sich auf den Weg zum Bahnhof. Ein kleines Bäumchen trug er mit stolzer Vorfreude dabei unter seinem freien Arm. Bestimmt würde sie sich freuen.
Zwei Stunden 26 Minuten später rollte der Zug in Rossmatt Berg an und er und der Baum stiegen aus. Seine Schwester, leuchtend rote Wangen, lieb wie immer, sah ihn, breitete ihre Arme aus, wollte ihn umarmen. Doch unbeholfen bei dem Angebot auf so viel Nähe streckte er ihr schnell das Bäumchen in den Arm und lächelte sie mit leicht gesenktem Blick an.
„Ach du“, sagte sie halb lachend, halb liebevoll. Sie kannte ihn ja.
Bei ihr zu Hause war es warm und gemütlich. Dieses Jahr hatte sie schon einen Baum, einen großen. Er staunte nicht schlecht: Woher? Ihr süßes Geheimnis, sagte sie und lächelte verstohlen, während ihre Finger sich eine Praline vom Naschtellerchen auf dem Sofa-Beistelltischchen griffen – trotz Diabetes. Es war ja schließlich Weihnachten.
Sie hatten eine richtig gute Zeit, als am Abend ihre zwei Bäume einträchtig nebeneinander standen. Der kleine und der große. Milli hatte gekocht, mehr als sonst. Was er nicht verstand. Vielleicht wollte seine Schwester gleich für die nächsten Tage vorgekocht haben.
Im Radio lief gerade Santa Is Coming to Town, als es an der Tür schellte: Barbara.
Als seine Schwester die Stimme von Barbara hörte, kam sie überrascht, aber mit einem spitzbübischen Funkeln in den Augen in den Flur zur Tür und blickte sie freundlich fragend an. Nach Austausch schönster Weihnachtsgrüße wurde klar: Barbaras Strom war ausgefallen, dabei war das Festessen ins Wasser gefallen, alle Verwandten, Freunde waren weit weg.
Milli, wie sie so war, umarmte Barbara in festlicher Stimmung, aber auch echter Herzlichkeit und zog sie mit sich ins Wohnzimmer. Und so kam es, dass sie zu dritt den Abend begannen.
Barbara erzählte etwas von sich, dass sie in Breslau aufgewachsen war, eine Stelle als Stenotypistin und stundenweise in einem Supermarkt hatte, dass sie gerne strickte, am liebsten Pullover, und es schade fände, dass man diese mit dicker Wolle nicht im Sommer tragen könne. Sie erzählte von ihrer Liebe zu Schneekugeln und dass sie draußen unterwegs auf den Straßen immer noch gerne wie als Kind rote Autos zählte.
Er hingegen erzählte von seiner kleinen Eisenbahnsammlung im Hobbyraum, von handgeschriebenen Karten zwischen ihm und seinem Schulfreund Joshua aus Bon Vun la, die er seit seinem 10. Lebensjahr sammelte, dass er Schreiner gewesen war und heute, da ihm das zu viel geworden war, Bretter halbtags im Baumarkt zusägte, die andere Zeit im Schrebergarten seiner Eltern, Gott hab sie selig, nach dem Rechten schaute.
Er mochte ihre Unterhaltung. Barbara war unaufgeregt, bodenständig, lebendig, und ihre grünen Augen schimmerten wie ein See, der je nach Stimmung seine Jahreszeit ändern konnte. An ein Rendezvous traute er sich nicht zu denken. Er war seit seiner Jugend Junggeselle. Es hatte irgendwie nie geklappt. Dabei war er sicher kein schlechter Kerl.
Nach dem Essen wollten sich alle die Beine vertreten und er hörte beim Schuheanziehen seine Schwester kurz im Flur leise telefonieren in einer für ihn bis dato unbekannten zarten Stimmlage.
Draußen, die Füße auf den ersten Schneewehen der letzten 24 Std. stehend, beschlossen sie, zur Kirche zu gehen, ein wenig Mettenluft schnuppern. Vor der Kirche traf seine Schwester Milli etwas Pulverschnee am Rücken. Sie drehte sich um und lachte strahlend.
Nun war es also so weit. Sie hatte ein Jahr damit gewartet bis zur Verlobung. Jetzt stellte sie ihren Matthe vor. Er war groß, hatte graublondes Haar, freundliche Augen und einen festen Händedruck.
Er, der seine Schwester gerne beschützen wollte, hatte bei Matthe ein gutes Gefühl, vom ersten Augenblick an.
Nach der Messe war es schon spät geworden. Eigentlich hatten sie nur kurz bleiben wollen, doch sie waren nicht mehr aus der Kirche gekommen. Zu viele Menschen waren dort und blockierten den Ausgang. Doch es war schön gewesen, innezuhalten und zu bleiben.
Durch die Nacht und ruhigen
Straßen im Schnee schlenderten sie nach Hause zu Milli. Ein Glöckchen klingelte. Es lief nun Silent Night im Radio.
Es war bereits Bescherung. Bald schon war sein Geschenk dran.
Seine Schwester öffnete. Eine romantische Kutschfahrt für zwei, las sie vor, und plötzlich wurde ihr Gesicht ganz lustig und auch spitzbübisch zum zweiten Mal an diesem Tag. Ob sie etwas ausheckte?
Sie sagte: „Bruder, weißt du eigentlich noch, wie ich mit sechs Jahren vom Pferd fiel und es mich dann noch getreten hatte? Ich glaube hingegen, dass ich Barbara durchaus schon mal von Kutschfahrten habe schwärmen hören. Ist doch so, oder?“
Sie sah Barbara direkt an. Diese sah überrascht aus. Dann huschte ein kleines, verstehendes Lächeln über ihr Gesicht, welches sich zart rot färbte. Sie nickte und senkte leicht die Lider. Dann sah sie ihn direkt an und sagte: „Das wäre sehr schön.“
Ihr beider Blick fiel über die nebeneinander stehenden Bäumchen hinweg aus dem Fenster. Dicke Flocken waren es jetzt, die vom Himmel fielen, und im Radio wurde Have a Merry Little Christmas gespielt.
Matthe saß indes mit Stoffserviette im Kragen am noch festlich gedeckten Tisch und bekam reichlich Aufgewärmtes vom Festtagsschmaus. Milli hatte ihre Schuhe von den Füßchen gestriffen und ihre Beine hochgelegt. Sie hielt ein kleines, schön geschliffenes Kristallgläschen voll Eierlikör in ihrer Hand und blickte zufrieden auf Matthe, der glücklich aß, und auf das neue Band, was sich dort drüben zart flocht.
Sie trank ein Schlückchen und ihr beseelter Blick schloss sich, sie schlief ein, wie jedes Mal, wusste ihr Bruder, der sie ja kannte.

Autorin: Von Gott inspiriert, von mir, Siela/Herbstsonne, niedergeschrieben.
Meine Geschichten sind auf Rechtschreibung und Grammatik geprüft, mit Unterstützung von ChatGPT.

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