Veröffentlicht: 16.09.2026. Rubrik: Unsortiert
Timofey und das Glockengeläut
Timofey Bato hörte das Glockengeläut. Eine Glocke nach der anderen erschwang sich in die Lüfte und trug ihr Geläut im Zusammenspiel mit ihren Brüdern und Schwestern weit übers Dorf und wer weiß wohin. Timofey Bato überkam ein kleiner Schauer, als es dann mit voller Kraft erneut am Seil der Glockenanlage zog, auf dass sie weiterschwingen würde. Wie es wohl jenseits der Dorfgrenze war? Man munkelte so alles Mögliche, und hieß es nicht so, dass meist auch ein Quäntchen Wahrheit in allem steckte?
Der Himmel wurde von einer Formation Raben überzogen. Es hatte sie hier immer zahlreicher gegeben, genauso wie den Felsen der Klarheit. Wenn man zu ihm wanderte, sich an ihn legte, so hieß es, verflocht sich das eigene Herz mit dem Felsen der Klarheit, und dieser sandte einem Bilder, eine Vision, die nur für einen selbst bestimmt war. Danach, so hieß es, könne man unmöglich in sein altes Leben zurück wie zuvor sagten die Erfahrenen im Dorf. Die unbestechliche Klarheit über sich selbst forderte ein Lenken der Dinge, auf dass das Leben sich dem eigenen Weg anpasse. Viele hatten so ihre alte Haut abgestreift und sich neu gekleidet. Waren heute in Berufen, die sie besser nährten, und waren in Bindungen, welche ihren und die Herzen der anderen ein wirkliches Zuhause gaben.
Das Wiesel Timofey Bato konnte sich eigentlich nicht vorstellen, dass es eine Tätigkeit gab, die mehr für ihn geschaffen sein sollte als Glockenläuten. Die Glocken zu läuten, morgens, mittags und abends und zu besonderen Stunden, war sein Leben, erfüllte ihn mit tiefer Freude, und es fühlte sich stets verbunden mit all den anderen, obwohl es vom Glockenturm aus nur die Weite des Dorfes etwas überblicken konnte und .... dessen Ende.
Als der Herbst in den Winter überging und dieser schließlich in den Frühling, hielt es das Wiesel nicht mehr aus. Es nahm sein kleines Tuch, wickelte darin alles Nötige ein, band es an einen Stock und warf sich diesen über die Schulter dann begab es sich auf die Wanderung durch den Wald hindurch direkt zum Felsen der Klarheit.
Ihn zu finden, war Gott sei Dank nicht so schwer, denn viele hatten bereits einen kleinen Weg dorthin getrampelt. Schließlich angekommen, wurde das kleine Wiesel Timofey Bato plötzlich ganz ehrfürchtig. Der Felsen der Klarheit war so gewaltig und war ganz von der Schönheit dunkler, kühler, leicht bemooster Waldfelsen. Hohe Bäume umgaben ihn, und ein kleiner Bach murmelte in der Nähe seinen Lauf.
Da verneigte sich das kleine Wiesel, stellte sich beim Namen vor, legte sein Bündel ab und setzte sich vorsichtig zu Füßen des Felsens. Nun schnürte es sein Päckchen auf und nahm, dann, dass es nun, von fern (so kam es ihm vor) gerichtete Mahl in anschein, es wählte sorgfältig seinen Apfel für den Felsen aus. Diesen legte es zwischen Waldboden und Felsbeginn in die Spalte und begann dann selbst ein Stück mitgebrachtes Brot zu essen.
Als es noch am überlegen war, wie es den Felsen fragen könnte, was ihn bewegte, neigte sich sein Rücken von der Anstrengung des Tages nach hinten, genau auf den Felsen. Es legte seine Hand entschuldigend darauf, und dann liefen plötzlich Bilder wie von selbst an in seinem Wiesel Köpflein. Ähnlich so müsste es im Kino sein, davon hatte es einmal gehört.
Und was es sah, berührte und elektrisierte ihn zu gleich. Er sah sich Glocken läuten, ein Leben lang, sah sich mit anderen essen, vielen verschiedenen Tieren und Wesen, Moment es kannte sie nicht ... doch alle schienen sich zu mögen. Ortsnamen, ein Werkzeugkasten, nun verstand es, und der Film war vorbei.
Als es die Augen öffnete, sah es, wie eine kleine Horde Mäuse um seinen Käse saß, den sie etwas abseits geschleppt hatten und ihn von allen Seiten beknabberten. Recht so, dachte es. Er überließ sein Bündel den Waldbewohnern, nahm sich nur das Allernötigste und zog los.
Im Dorf angekommen, auf dem Weg zu seinem Haus, leuchtete zu seiner Rechten plötzlich ein kleines Namensschildchen auf: „Garry- Werkzeug und Allerhand“. Timofey Bato zweifelte nicht daran, dass der Felsen ihn führte, und so zog er schon bald von Dorf zu Dorf, reparierte und läutete die Glocken und war beseelt, erfüllt und wurde geliebt alle Tage seines Lebens für das, was er ohnehin schon immer war: ein Glockenläuter.
Autorin: Von Gott inspiriert, von mir, Silla/Herbstsonne, niedergeschrieben.
Meine Geschichten sind auf Rechtschreibung und Grammatik teilweise geprüft, mit Unterstützung von ChatGPT.





