Veröffentlicht: 21.09.2026. Rubrik: Unsortiert
Popey der Birmakater und das Geheimnis der Berliner Papyrussammlung
Das Geheimnis der Berliner Papyrussammlung
Die staubige Luft im Archiv der Berliner Antikensammlung roch nach Jahrhunderten von Gelehrsamkeit, altem Leder und – für eine feine Nase ganz unverkennbar – einem Hauch von Pfefferminz-Tabak. Professor Popeye, ein stattlicher Birmakater mit strahlend blauen Augen, dunklen Point-Abzeichen im flauschigen Gesicht und einer schneeweißen Matrosenmütze auf den Ohren, schnupperte aufgeregt. Er zog ein letztes Mal an seiner geliebten Holzpfeife, aus der heute nur ein wenig Katzenminze-Dampf stieg, und steckte sie elegant in seine Westentasche.Mit seinen für eine Katze ungewöhnlich muskulösen Unterarmen – auf denen unter dem hellen Fell zwei markante, dunkle Anker-Tattoos prangten – schob er eine schwere Lupe über den hölzernen Schreibtisch. Vor ihm lag ein unscheinbares, bräunliches Fragment unter dickem Schutzglas. Die meisten Forscher hatten es jahrelang für eine öde Quittung eines römischen Getreidehändlers gehalten. Doch Popeye, dessen seemännischer Instinkt ihn selten trog, hatte die altgriechischen Schriftzeichen sofort erkannt.„Beim Klabautermann…“, murmelte er mit tiefer, rauer Stimme und strich sich über die weißen Pfoten. Seine Tatze tippte sanft auf das Glas. Es war kein Getreidebeleg. Es war ein 1700 Jahre altes Fragment der Odyssee – der Beginn des 14. Gesangs, in dem Odysseus unerkannt in der Heimat eintrifft.Für Popeye stand fest: Dieses antike Stück Seefahrergeschichte gehörte ins Rampenlicht. Er spannte seine Muskeln an, bereit, den Fund der Welt zu präsentieren. Zwar gab es hier im Archiv keinen Spinat, um seine Kräfte zu stärken, aber das Gefühl, die Spuren des größten Seefahrers der Antike entdeckt zu haben, verlieh ihm ohnehin Bärenkräfte.





