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geschrieben von Pierre 64.
Veröffentlicht: 24.09.2026. Rubrik: Unsortiert


Popey trifft Raphael(Popeys Traum)

Popey trifft Raphael(Popeys Traum)

Es war die Stunde des smaragdgrünen Zwielichts im Himmelreich, als der Erzengel Raffael auf einer besonders barocken, goldgeränderten Wolke saß und über die Sterblichen nachdachte. Seine gewaltigen, schwanengleichen Flügel waren ordentlich zusammengelegt, und sein purpurnes Gewand fiel in schweren, meisterhaften Falten um seine Knie. In seinen Händen hielt er eine Schriftrolle, doch sein Blick schweifte ab.

Plötzlich drang ein Geräusch zu ihm durch, das so gar nicht in die himmlische Sphärenharmonie passen wollte. Es war ein tiefes, rhythmisches Rasseln, gefolgt von einem heftigen Husten.

„Käpt'ns Tabak… taugt einfach nix in dieser dünnen Höhenluft“, grummelte eine raue, kratzige Stimme.

Raffael wandte den Kopf. Auf der Nachbarwolke – einer eher zerzausten, grauen Kumuluswolke, die aussah wie ein ungewaschener Wollknäuel – saß eine Kreatur, die der Engel hier oben definitiv nicht erwartet hatte. Es war ein stattlicher Birmakater mit tiefblauen, leicht schielenden Augen, einer perfekt sitzenden Matrosenjacke und einer weißen Schiffermütze, aus der zwei flauschige Ohren hervorragten. In den Pfoten hielt der Kater eine hölzerne Pfeife, aus der bläuliche Ringe aufstiegen.

Raffael hob eine feingeschwungene Augenbraue. „Seid gegrüßt, reisende Seele. Der Herr hat viele Wohnungen, doch eine schwimmende Einheit im siebten Himmel ist mir neu. Wer seid Ihr, pelziger Wanderer?“

Der Kater kniff ein Auge zu, zog die Pfeife aus dem Maul und spuckte ein imaginäres Kaugummi in die Unendlichkeit. „Arrr, nennt mich Popeye, Herr Flügelmann. Ich bin der Schrecken der sieben Meere und der König der Kratzbäume. Mein Kahn ist unten im dichten Nebel der Apokalypse abgesoffen, und irgendwie hat mich der Aufwind direkt auf diese glorifizierte Daunendecke hier gespült.“

Raffael lächelte milde. „Die Erde mag im Chaos versinken, doch hier oben herrscht ewiger Frieden. Du musst keine Schiffe mehr steuern, kleiner Freund.“

„Keine Schiffe mehr?“ Popeyes Schwanz peitschte nervös von links nach rechts. Er blickte an sich herab. „Das ist ja das Problem! Die Welt da unten reitet auf der Rasierklinge, die Masten brechen, die Stürme heulen – und ich sitze hier fest wie eine fette Stubenkatze auf dem Sofa! Wie soll ein ehrlicher Seemann seine Muskeln spielen lassen, wenn es hier nicht mal Wellengang gibt?“

Mit einer schnellen, fast trotzigen Bewegung zog Popeye eine alte, rostige Blechdose unter seinem Matrosenhemd hervor. Mit den Krallen riss er den Deckel auf. Die Aufschrift besagte in krakeligen Buchstaben: Wimpy Catnip.

Ein stechender, würziger Duft von getrockneter Katzenminze breitete sich zwischen den Wolken aus. Popeye nahm eine kräftige Brise, kaute wild darauf herum und stieß einen tiefen Seufzer aus. Sofort schwollen die Muskeln an seinen pelzigen Unterarmen an, sodass die kleinen Ankertattoos auf seiner Haut fast zu platzen schienen.

„Siehst du das, Engelchen?“, rief Popeye und boxte probeweise in den weichen Nebel der Wolke. „Der Spinat der Meere! Damit könnte ich den Teufel persönlich am Schwanz packen und ihn dreimal um den Äquator schleudern!“

Raffael beobachtete das Spektakel mit einer Mischung aus theologischem Interesse und stiller Heiterkeit. Er legte seine Schriftrolle beiseite und beugte sich vor, sodass sein Heiligenschein die Wolke von Popeye in ein sanftes, warmes Licht tauchte.

„Die Kraft, die du in dir trägst, ist beachtlich, Popeye“, sagte Raffael sanft. „Doch die Rasierklinge, von der du sprichst, existiert nicht mehr. Der Sturm da unten ist vorbei. Was du jetzt brauchst, ist nicht die Faust, sondern die Geduld. Selbst der wildeste Kater muss irgendwann den Anker werfen.“

Popeye blickte auf seine aufgepumpten Pfoten, dann in die unendliche, ruhige Weite des Himmels und schließlich in die gütigen Augen des Engels. Das grimmige Gesicht des Matrosen entspannte sich ein wenig. Er setzte sich wieder hin, ließ die Beine über den Wolkenrand baumeln und steckte die Pfeife zurück in den Mundwinkel.

„Ein Ankerplatz ohne Haie und ohne Zollinspektoren, was?“, murmelte der Birmakater, während die Wirkung der Katzenminze ihn langsam in eine wohlige Trägheit versetzte. „Na gut. Aber wenn hier oben jemals eine Flaute herrscht, Raffael… dann pusten wir beide zusammen in die Segel. Abgemacht?“

Raffael nickte, schloss die Augen und begann, eine leise Melodie von der Erschaffung der Meere zu summen, während der kleine Matrosenkater auf seiner Wolke einschlief und leise, aber kraftvoll wie ein Schiffsmotor zu schnurren begann.

Pierre Leschek 24-9.2026

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