Veröffentlicht: 28.09.2026. Rubrik: Unsortiert
Kapitän Popey, der erste Katzen-Präsident der Seebären
Kapitän Popey, der erste Katzen-Präsident der Seebären
Der Tag des großen Spinat-Schmauses ging als der denkwürdigste Tag in die Geschichte der Seebären-Insel ein. Überall auf den hölzernen Stegen und in den rauchigen Gassen rund um die Schenke „Zum Walfisch“ sah man riesige, pelzige Bären, die mit Leichtigkeit zentnerschwere Schiffskanonen wie Jonglierbälle herumwarfen, gestrandete Boote mit nur einer Pranke zurück ins Meer schoben und Baumstämme wie Zahnstocher spalteten. Der Spinat von Kapitän Popey hatte ihnen Kräfte verliehen, von denen sie nicht einmal zu träumen gewagt hatten.
Kapitän Knorre, der bisherige Anführer, stand mitten im Trubel und hielt eine leere Spinatdose in der Tatze. Er blickte auf seine aufgepumpten Muskeln, dann auf das friedliche, bärenstarke Treiben um ihn herum und schließlich hinunter zu dem kleinen Birmakater, der seelenruhig auf einer Kiste saß und an seiner Pfeife zog.
Knorre schlug mit der Pranke auf ein riesiges Holzfass, dass es wie ein Kanonenschlag über die ganze Insel dröhnte. Sofort wurde es mucksmäuschenstill. Die Seebären ließen die Kanonenkugeln fallen und drehten sich um.
„Männer! Seebären! Brüder des Nordmeers!“, dröhnte Knorres Stimme über den Steg. „Seit Generationen leben wir auf dieser Insel. Wir haben gegen Stürme gekämpft, gegen hungrige Haie und das ewige Eis. Aber noch nie – ich wiederhole: noch nie! – hat uns jemand so ein Geschenk gebracht wie dieser feine Kater hier!“
Ein lautes, zustimmendes Brüllen ging durch die Menge. Einige Seebären schwenkten begeistert ihre leeren Spinatdosen.
„Bisher dachten wir, Hering sei das Höchste der Gefühle“, fuhr Knorre fort und legte sich gerührt die Tatze aufs Herz. „Aber Käpt'n Popey hat uns das grüne Wunder gebracht. Er hat uns stärker gemacht als die ältesten Wale! Ein Kater mit solchem Verstand, solcher Eleganz und vor allem mit einer solchen Quelle unendlicher Kraft… so jemand darf nicht einfach nur ein Gast sein. Seebären, ich trete zurück! Ich nominiere Kapitän Popey zu unserem neuen Anführer!“
Die Menge hielt für einen Moment den Atem an. Ein Kater? Als Oberhaupt der stolzen Seebären? Doch dann blickte ein alter Robben-Käpt'n auf seine eigenen, strammen Spinat-Muskeln und johlte: „Lang lebe Präsident Popey!“
Das Eis war gebrochen. Der Jubel war so gewaltig, dass die Möwen erschrocken von den Klippen aufflogen. Die Seebären hoben Popey mitsamt seiner Proviantkiste in die Luft. Jemand hatte in Windeseile aus einer alten Fischkiste und etwas rotem Samt einen improvisierten Präsidenten-Thron gebaut. Sie setzten den Birmakater darauf, und Kapitän Knorre reichte ihm feierlich eine goldene Schärpe, auf der eine kleine Spinatpflanze eingestickt war.
Popey blieb gewohnt gelassen. Er rückte seine Kapitänsmütze zurecht, strich sich mit einer weißen Pfote über die Schnurrhaare und nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife. Dann hob er die Pfote, und das Brüllen der Bären verstummte augenblicklich.
„Liebe Seebären“, miaute Popey mit seiner aristokratischen, aber festen Stimme. „Ich nehme diese Wahl an. Als euer Präsident verspreche ich euch zwei Dinge: Erstens, die Spinat-Versorgung dieser Insel wird niemals versiegen! Und zweitens… wir werden diese neue Kraft nutzen, um die größte und friedlichste Flotte aufzubauen, die die sieben Meere je gesehen haben!“
Die Seebären johlten vor Begeisterung. Noch am selben Abend wurde die Flagge der Insel eingeholt und durch eine neue ersetzt: Ein stolzer Birmakater mit einer Kapitänsmütze, gekreuzt mit zwei Dosen Spinat. Aus dem kleinen Freibeuter war der mächtigste Kater des Nordens geworden – der Herrscher über die Insel der Seebären.
Pierre Leschek 28.9.2026





