Veröffentlicht: 11.10.2026. Rubrik: Historisches
Das Kind braucht einen Namen
5 Jahre nach der Geburt der Zwillinge Günter und Horst, war Tante Emmi wieder in freudiger Erwartung. Einem Mädchen, da waren sich Tante Emmi und Onkel Franz ganz sicher. Das ungeborene Kind sollte auf den Namen Pia getauft werden. Da war sich die ganze Familie einig.
Es kam der Tag der Niederkunft und die Hebamme verkündete stolz: „herzlichen Glückwunsch, zum gesunden Jungen“. Gesund war ja schön, aber ein Junge. Damit hatte niemand gerechnet. Das musste man erst einmal sacken lassen. Die Tage und Wochen verstrichen und der Pfarrer erkundigte sich vorsichtig nach dem währten Befinden von Mutter und Kind und wann der kleine Erdenbürger denn getauft werden soll. Gute Frage, denn Emmi und Franz fiel einfach kein Name ein, auf den sich die Familie einigen konnte. Auch an den Vorschlägen der Nachbarn und Freunden konnte man keinen Gefallen finden.
Dann kam Tante Martha. Auch sie stellte die obligatorische Frage nach dem Termin der Taufe und dem Namen. Jetzt waren Emmi und Franz schon etwas weiter und sie sagten – mit einem hörbaren Fragezeichen: „Fridolin ?“. Martha konnte ihr Entsetzen nicht verbergen. „Das könnt ihr dem Kind doch nicht antun. Wie seid ihr denn darauf gekommen?“ Franz und Emmi hörten sich die Vorwürfe schweigend an, denn im Nachhinein schienen ihnen die Einwände von Tante Marta durchaus gerechtfertigt. Martha setzte sich an den Tisch und sagte mit Tränen in den Augen:“ Ich hatte drei Fehlgeburten. Zwei Mädchen und ein Junge. Den Jungen wollten Wilhelm und ich Ingolf nennen. Würdet ihr mir den Gefallen tun, dass Euer Jüngster auf diesen Namen getauft wird?“
Und so kam es, dass nur zwei Wochen später, ein kleiner Junge in der evangelischen Kirche in Kraftsolms auf den Namen Ingolf getauft wurde. Die Patenschaft übernahm Tante Martha.





