Veröffentlicht: 21.10.2026. Rubrik: Fantastisches
Die Magie der Wächter, Teil 2
Kapitel 3: Die schwebende Himmelsinsel
Kaya und der schüchterne Junge flogen einige Minuten still nebeneinander her, bis Kaya den Mut fand, ihn anzusprechen. "Wie heißt du?", fragte sie, während der Junge mit verschränkten Händen da saß. "Lucius", antwortete er, ohne aufzusehen. Bald sahen sie eine schwebende Insel. Genauer gesagt sah es aus wie ein riesiger, weißer Wald. Die beiden Einhörner landeten dort, und eine ältere Dame in weißer Robe begrüßte die beiden Auserwählten. "Willkommen auf der Insel des Lebens!", rief sie. "Mein Name ist Alaria. Ihr könnt stolz auf euch sein, denn Einhörner überlegen sich ganz genau, wen sie zu ihrem Begleiter erwählen." Die Zauberin führte die beiden Jugendliche durch den Wald. Kaya betrachtete die vielen weißen Wolken fasziniert. Plötzlich deutete Alaria auf zwei Wolken. "Das wird euer Zuhause sein", erklärte sie. Kaya betrat die erste Wolke und stellte fest, wie gemütlich es dort oben war. Die Wolke schwebte ein wenig hin und her, und es entstand eine Schaukelbewegung, die Kaya nur all zu gerne mochte. "In einer Stunde hole ich euch zum Unterricht ab", erklärte die Magierin, bevor sie verschwand.
Kaya hörte Flügelschläge und sah, wie ihr Einhorn angeflogen kam und sich an sie kuschelte. Das Mädchen genoss die Berührungen und tauchte ganz in ihre Gedankenwelt ab. "Welcher Name passt zu dir?", dachte sie immer wieder, bis plötzlich ein Geistesblitz in ihrem Kopf auftauchte. "Xarika", hörte sie in ihren Gedanken und nickte.
Eine Stunde später spürte Kaya Alarias Präsenz und folgte ihr zusammen mit Xarika nach draußen auf eine Waldlichtung. Dort waren bereits ältere Magier. "Das sind Kaya und Lucius", stellte die Magierin sie vor. "Eure erste Aufgabe wird sein, den telepathischen Kontakt zu eurem Begleiter zu finden. Dafür ist es wichtig, dass ihr euch ganz auf einen Gedanken, eine Frage oder die Präsenz eures Begleiters konzentriert." Kaya hob die Hand. "Ich glaube, das ist mir bereits gelungen." Alaria sah das Mädchen überrascht an. "Erzähl mir, was passiert ist." Kaya erzählte die Situation mit dem Namen, und die Magierin nickte lächelnd. "Tatsächlich. Du hast wohl eine besonders gute Bindung zu dem Einhorn. Die meisten Magier benötigen Stunden, um eine mentale Verbindung herzustellen. Du kannst das ja noch ein wenig ausbauen. Xarika hat dir ihren Namen gesagt. Das bedeutet aber nicht, dass die Verbindung bereits vollständig ist. Konzentriere dich auf ihre Präsenz." Kaya schloss die Augen und zog sich in ihre Gedanken zurück. Sie umarmte ihr Einhorn und konzentrierte sich ganz darauf. "Du bist gutherzig", hörte sie Xarikas Stimme. "Ich bemerke, dass es gut war, dich ausgewählt zu haben. Unsere Verbindung ist stärker als die der anderen Magier zu ihren Begleitern. Ich muss dir nun ein Geheimnis verraten, das du für dich behalten musst." Das Einhorn hielt einen Moment inne, bis Kaya zustimmte. "Ich bin eine der Wächterinnen. Du weißt doch, was die Legende der Wächter besagt?" Kaya nickte. "Die Wächter haben die Magie dieser Welt mit den magischen Wesen erschaffen. Die Wächter selbst schlafen, aber ihre Magie wacht über diese Welt. Jugendliche im Alter von 16 Jahren dürfen vor ihre Statuen treten und erhalten Magie, wenn ein Wächter sie für würdig befindet. Dann erhalten sie ihren Begleiter." Xarika nickte. "Ich habe die Gelegenheit genutzt, meinen Schlaf abzuschütteln und dich auszuwählen, Kaya. Du bist etwas ganz Besonderes, solltest du wissen." Kaya wollte etwas sagen, als sie spürte, wie etwas in ihrem Geist sich öffnete. Sie spürte zusätzlich zu ihrer Lebensmagie noch weitere Kräfte. "Du vereinst die Kräfte der fünf Wächter in dir", erklärte das Einhorn, doch da verblasste die Verbindung auch schon wieder, als Kaya geschüttelt wurde. "Kaya? Ist etwas mit dir? Du warst so in deinen Gedanken versunken, dass ich dich kaum herausholen konnte." Alari stand besorgt neben ihr. "Es ist alles gut", erklärte das Mädchen schnell, und Alaria ging mit einem letzten, musternden Blick zurück zu Lucius, der die größten Probleme mit der Telepathie hatte. "Dein Verhalten ist eine Art Schutzmechanismus und gleichzeitig eine Stärke", fuhr Xarika nun fort. "Durch das Eintauchen in deine Gedankenwelt hast du eine viel stärkere Verbindung als alle Anderen. Schau mal unauffällig zu Lucius hinüber." Kaya riskierte einen Blick. Der Junge hatte die Augen zusammengekniffen und atmete scharf ein, während er sein Einhorn streichelte. "Er hat keinen Anker in der Gedankenwelt, deshalb fällt es ihm schwer, die Verbindung zu schaffen." "Der Unterricht ist vorbei", erklärte Alaria sanft. "Lucius, verzage nicht. Du schaffst das auch!"
Kapitel 4: Die lauernde Dunkelheit
Damian spazierte durch den Wald, um ein wenig seinen Kopf frei zu bekommen. Noch immer brodelte die Wut in ihm, denn er hatte jahrelang darauf hingearbeitet, ein Magier zu werden. Warum wurde ausgerechnet seine Schwester eine Magierin und er nicht? Damian erkannte sich selbst nicht mehr wieder. Er hatte seine Schwester immer geliebt, ihr die Welt so erklärt, dass sie sie verstand und sie umarmt, wenn die Angst oder Reizüberflutung sie überrollt hatten. Und jetzt fühlte er diese unbändige, rohe Wut in sich, die diese schönen Gefühle von vorhin mit einem Schlag zunichte machte. Plötzlich wurde Damian aus seinen düsteren Gedanken gerissen, als eine Gestalt aus dem Gebüsch trat. Sie trug einen Umhang und war vollkommen vermummt. Nur zwei Schlitze für die Augen waren zu sehen. Die Gestalt ließ seinen Blick über den Jungen gleiten und setzte dann mit einer seltsamen Stimme zu sprechen an. "Damian. Ich spüre ein Gefühl der Wut in dir. Du wurdest nicht als Magier angenommen, aber du solltest Eines wissen: Es gibt nicht nur die herkömmliche Magie, Junge. Eine Magie, die bisher verborgen ist, wartet auf dich, wenn du mutig bist." "Wer bist du?", fragte Damian. "Und woher kennst du meinen Namen?" "Alles zu seiner Zeit", antwortete die Stimme. "Wenn dich die Neugier packt, komm heute um Mitternacht zu den alten Katakomben. Ich werde hier sein." Damit verschwand die Gestalt wieder im Gebüsch.
Fortsetzung folgt
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Geschichte Nummer 11133



