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geschrieben 2026 von Noah (G'schichtler).
Veröffentlicht: 23.10.2026. Rubrik: Nachdenkliches


Axiologische/werttheorethische Beobachtungen (Manuskript)

Axiologische/werttheoretische Beobachtungen:

- Wenn ich mir als Millionär ein neues Auto kaufe und dieses nach einer Woche zu Schrott fahre, dann ist das aller Wahrscheinlichkeit nach weniger tragisch als wenn ich dieses nach 10 Jahren zu Schrott fahre, nachdem ich eine Bindung dazu aufgebaut habe.
Schlussfolgerungen:
o Der Mensch ist prinzipiell imstande zu nichtlebenden Objekten eine emotionale Verbindung, teils sehr ähnlich wie die zu anderen Menschen, aufzubauen
o Die Menge an Zeit, die man mit diesem Objekt verbracht hat, spielt eine wichtige Rolle; mehr Zeit bedeutet mehr empfundener Wert

- Wenn ich beim Ostseeurlaub einen schönen Stein finde und diesen mit nach Hause nehme, so hat dieser ein anderes Gefühl von Wert als ein Produkt, das ich im Internet bestellt habe, selbst wenn ich für zweiteres viel Geld ausgegeben habe.
Ähnlich tragisch ist es, wenn meiner Oma die Lieblingstasse kaputt geht in Relation zu einem technischen Gerät, das man trotz hohem Preis nur als Mittel zum Zweck benutzte.
Schlussfolgerungen:
o Emotionaler Wert scheint nicht vollständig auf Ökonomie reduzierbar zu sein.
o Die Art und Weise, wie man an eine Sache kommt bestimmt, wie man diese empfindet

- Aufwand ist assoziiert mit dem Empfinden von Wert. Ein Schrank, den man sich mühsam selber zusammengebastelt hat fühlt sich wertvoller an als ein Fertigschrank für den doppelten Preis.
Schlussfolgerungen:
o Der Aufwand, den man in etwas steckt bestimmt maßgeblich, als wie wertvoll man dieses empfindet; stärker als das reine ökonomische Investment dahinter

- Menschen denken zunehmend ökonomischer und die sogenannte Opposition zum Kapitalismus macht das gleiche auf Steroiden. Je mehr man ökonomisch denkt, desto mehr zähnt nur noch eine Zahl oder eine eindimensionale Metrik, die skaliert werden will.

- Ökonomie stellt niemals die Frage, wofür sich Geld lohnt; warum man Wohlstand generieren oder eine bestimmte Weise verteilen sollte, sondern nur, wie man dies am effizientesten durchsetzt.

- Fast jede Ideologie der Moderne denkt ökonomisch; ob der Liberalismus, der Konservatismus, der Kommunismus, der Anarchokapitalismus, der Faschismus oder die sogenannte politische Mitte; die Schnittmenge all dieser Ideologie ist das stumpfe mehr-vom-Selben-haben-wollen. Mehr Wohlstand, mehr Frieden, mehr Gleichheit, mehr individueller ökonomischer Erfolg, mehr Auswahl, mehr Zwanglosigkeit, mehr Ästhetik; alle wollen eine einzige, engmaschig definierte gut skalierbare, gut messbare Sache. (am wenigsten objektiv messbar davon noch die Ästhetik); der menschliche Wille wurde in den letzten Jahrzehnten und andeutend schon den letzten Jahrhunderten immer eindimensionaler.

- Demokratie im modernen Sinne selbst ist hochgradig ökonomisch; es geht nur noch darum, möglichst viele Menschen ins Boot zu holen, möglichst viel Biomasse, damit diese schwerer wiegt als die Biomasse des Gegners, dem man nicht den Sieg gönnt.
Die moderne Demokratie macht den Menschen zur Waffe, zum Kanonenfutter; und das ganz ohne brutalen, physischen Krieg.

- Zwischenfazit zur Wertfrage: Empfundener Wert ist nicht alleine oder nicht primär ökonomisch, Ökonomie wurde/evtl. wird im Denken und im Gefühlsleben der Menschen immer wichtiger, das individuelle Investment (geistig, körperlich, emotional, spirituell) gibt den Dingen ihren Wert, nicht ihr Preis, empfundener Wert hat eine bedeutende temporale Komponente (bspw. in Form von Bindung oder Gebundensein an diese)

- Es kommt nicht von ungefähr, dass empfundener Wert letztlich emotional ist. Das ist dessen ganzes Wesen. Wert kann ohne Emotionen nicht existieren. Ohne etwas fühlendes, bewusst Wahrnehmendes ist jeder Wert nur eine Variable, Teil einer Statistik.

Weitere Beobachtungen:

- Risiko erhöht die Wertschätzung gegenüber einer Sache. Zum Beispiel das Risiko, (bei) etwas zu verlieren; die Möglichkeit des Scheiternst ist signifikant für die Entstehung von Spaß bei einem Spiel; droht die Vernichtung einer Sache, die man liebt, steigt derer subjektiver Wert in diesem Augenblick an.

- Je mehr ich von irgendetwas habe, desto mehr habe ich diminishing returns. Für den gleichen Kick braucht ich immer mehr. Ungefähr also eine stetige Verdopplung davon.

- Es schadet Systemen langfristig, wenn man versucht, eine einzige derer Metriken zu maximieren; dies geht immer auf Kosten anderer Metriken, die man zu diesem Zeitpunkt oftmals noch gar nicht auf dem Schirm hatte

- Produkte verlieren ihren Wert, wenn sie zu Massenprodukten werden, weil sie dann nichts Besonderes mehr sind. Ähnliches gilt für den Menschen; wäre jeder Mensch schön, intelligent, stark oder mutig, dann wären die Attribute nichts mehr wert; es lebe der Unterschied. Je mehr Menschen Studenten sind, desto mehr verliert der einzelne Student an Wert.

- Je mehr man alle Menschen als gleichwertig empfindet, desto mehr wird der Einzelne zum Massenprodukt, weil er eine wichtige - vielleicht die wichtigste - Eigenschaft mit allen anderen teilt.

- Die Nähe zum Ökonomischen war in älteren, archaischeren Gesellschaften vor allem eine Sache der Bourgeoisie, die nur eine Stufe über den Bauern standen. Heutzutage haben zusätzlich die mächtigsten Menschen der Welt eine extreme Nähe zum Ökonomischen. Ökonomie ist für besagte Elite nicht mehr nur Mittel zum Zweck, sondern zu einem signifikanten Anteil Zweck selbst.

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Geschichte Nummer 11147

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